2. November 2017

Oktopus mit Tomaten




Zutaten
:

1 kg Oktopus
1 Liter Milch

1/2 Tasse Olivenöl
1/4 bis 1/2 Liter Weißwein
1 Zwiebel
1 Zehe Knoblauch
4-6 Tomaten
3-5 Lorbeerblätter
1 Teelöffel Thymian
1 Teelöffel gehackten Rosmarin
1 Teelöffel Oregano
5-7 Wacholderbeeren
1-3 Nelken
Pfeffer und Salz
ein wenig Pepperoni oder Pepperoni-Öl



Vorbereitung:

Den am besten vom Fischhändler bereits vorbereiteten Oktopus gut waschen.

Ist er nicht vom Fischhändler vorbereitet worden, muss man Mund, Augen und die Tinte aus dem Magen entfernen.

Über Nacht in Milch einlegen!


Zubereitung:

Am nächsten Tag die Fangarme abtrennen und in große Stücke schneiden. Auch den Korpus in Stücke schneiden.

Ohne Wasser in einen Kochtopf geben und ca. 1 Stunde zusammen mit Lorbeerblättern, Wacholderbeeren, Nelken und Pfeffer im eigenen Saft garen lassen. Ab und zu kontrollieren, ob noch ausreichend Flüssigkeit vorhanden ist. Falls nicht, Gartemperatur reduzieren und/oder  etwas Wein aufgießen. Auf keinen Fall Wasser verwenden! Das macht den Oktopus hart. Auch ab und zu mit der Gabel anstechen, um zu sehen ob er weich ist.

Falls am Ende der Garzeit noch Saft im Topf ist, abgießen und für später aufbewahren.

Öl zugeben. In dünne, halbe Scheiben geschnittene Zwiebel darin glasig werden lassen und warten, bis sie keinen Saft mehr absondert. Knoblauch, Thymian, Rosmarin und Oregano zugeben und kurz anbraten. Geschälte Tomaten hinzugeben und kurz anbraten. Weißwein zugeben und ca. 20-30 Minuten köcheln, bis sich die Sauce verdickt hat. Evt. noch etwas von der Kochbrühe hinzugießen. Mit Salz und Pfeffer und eventuell noch etwas Knoblauch und Peperoni oder Peperoncino abschmecken.
Vor dem Servieren, sofern vorhanden, mit etwas Basilikum oder Petersilien garnieren.

Zusammen mit Weißbrot, griechischen Kritharaki oder ersatzweise Spagetti und einem guten Weißwein genießen!







3. September 2017

Der griechisch orthodoxe Pfarrer - in Alltag und Literatur

ιερέας (ieréas, sprich: jeréas) lautet das griechische Wort für Pfarrer. Orthodoxe Griechen nennen ihn aber statt dessen gern παπάς (papás). Wie so oft im Griechischen kommt es dabei mal wieder ganz auf die Betonung an. Betont man das ansonsten gleiche Wort statt auf dem letzten auf dem ersten a, so bedeutet es Papst.

Allenthalben trifft man in Griechenland auf ihn, den Papás, mit seinem im Nacken gebundenen Haupthaar, dem wallenden Bart und der schwarzen Kutte - seiner Alltagskluft, in der er sich unters Volk mischt, auf dem  Märkt um die besten Stücke feilscht, im Kafeníon plauscht und Távli spielt, auf den Panigyria, den Patronatsfesten der Kirchen, tanzt und allem, das seiner bedarf, seinen Segen spendet: Vom Weinberg, über das eröffnete Geschäft bis zum neuen Auto.

So sind seine Vorlieben und Schwächen der Kirchengemeinde bekannt. Die griechische Schriftstellerin Ioánna Karystiáni berichtet in ihrem Roman Die Frauen von Andros von den Schlichen ihrer Protagonistin, der Ehefrau des Kapitäns Sávvas Saltaféros. Wenn sie zur Beichte geht, nimmt sie stets ein Kästchen Havanna-Zigarren aus dem Schrank: »Die Schwächen von Papa-Filippas waren bekannt, die Zigarren, die sie stets vorrätig hatte, sollten ihr die Vergebung jeglicher Sünde oder Schuld erleichtern.«


28. August 2017

Offshore - der neue Krimi von Petros Markaris

Immer wieder ist der beliebte griechische Autor Petros Markaris für eine Überraschung gut. So auch diesmal wieder mit seinem neuen, letztes Jahr auf Griechisch erschienenen Krimi, der nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt.

Das Stammpersonal ist das aus den bisherigen Folgen der Krimireihe bekannte geblieben - der etwas schrullige und altmodische, aber gewiefte, sympatische und rechtschaffene Kommissar Kostas Charitos, seine fürsorgliche, patente Frau Adriani, seine inzwischen erwachsene Tochter Katerina - eine Rechtsanwältin - und deren Mann, der Kardiologe Fanis, dessen Eltern, Katerinas Partnerin und gute Freundin Mania, deren deutscher Ehemann Uli und der engste Freund der Familie, der Altkommunist Sissis. Kostas kennt ihn seit seinen ersten Tagen bei der Polizei während der Zeit der Militärdiktatur, als er ihn im Foltergefängnis der Machthaber, in dem er einsaß, zu bewachen hatte, und alle Familienmitglieder konsultieren ihn gern, wenn sie mal nicht mehr weiter wissen, da er voller Lebensweisheit steckt und schon soviel durchgemacht hat, dass ihn offenbar nichts mehr erschüttern kann. Auch die Mitarbeiter des Kostas Charitos und sein Chef Gikas sind wieder mit von der Partie. Doch hat man ihnen einen neuen Vizepolizeipräsidenten vorgesetzt, der ihnen genaue Vorgaben machen und laufend informiert sein will und mit dem sie bald in Konflikt geraten sollen.
Ein Personenverzeichnis am Ende des Buchs will dafür sorgen, dass man nicht den Überblick verliert. Nur tut man sich bei der alphabetischen Suche darin schwer, weil nach Nachnamen sortiert ist, im Text hingegen meist die Vornamen auftauchen.

Markaris lässt seinen neuen Krimi zum griechischen Osterfest beginnen - dem größten Fest des griechisch orthodoxen Jahreszyklus. Auf die Prozession am Karfreitag folgen die Osterwünsche "Chronia pollá ke kalí Anástasi" (wörtlich "Viele Jahre und gute Auferstehung" - in der Übersetzung von Michaela Prinzinger mit "Alles Gute und frohe Ostern" übersetzt) und schließlich der Ostergruß "Christós anésti" ("Christus ist auferstanden"). Tatsächlich geht mit der frohen Osterbotschaft ein munterer Aufschwung im Lande einher. Schluß mit Grabesstille in den Straßen Athens. Die Blechlawinen rollen wieder, Hupkonzerte ertönen. Es geht aufwärts in der Stadt und im Land, in das neues Geld fließt und in das die Reeder, die zuvor im Ausland ihre Firmensitze hatten, zurückkehren. Doch was mag diese plötzliche Wende herbeigeführt haben? War es das Gelübde, das Adriani, die Frau des Kommissars Kostas abgelegt hat, die damit die Muttergottes anflehte, die Krise möge ein baldiges Ende haben? Oder was steckt dahinter?

Dies ist der fünfte Krimi aus der insgesamt schon 11 Folgen umfassenden Serie, in dem Machenschaften und Morde vor dem Hintergrund der Finanzkrise in Griechenland geschehen. Drei davon hatte Markaris als Krisentrilogie ausgelegt. Dann folgte „Zurück auf Start“ (griechischer Titel Tifloi telous (Abspann)) als Epilog zur Krisenkrimi-Triologie und nun dieses neueste Werk, das erstmals nicht die reale Situation Griechenlands widerspiegelt, sondern auf die Fiktion aufsetzt, die Krise sei durch einen plötzlichen Zustrom an Investitionen und einen damit einhergehenden Aufschwung überwunden.

Obwohl diesmal vor einem fiktiven Hintergrund agiert wird, ist auch dieser neue Band der Krimireihe wieder geeignet, sich in griechisches Brauchtum und griechische Lebensart einzulesen. Schön sind die Osterbräuche beschrieben. Die Übersetzerin lässt dabei kleine Erklärungen einfließen, wie beispielsweise die des Epitaphios und der Lambada, der "blumengeschmückten Bahre mit einem Stofftuch, das mit der Ikonendarstellung der 'Totenklage am Grab' bestickt ist" und in den Karfreitagsprozessionen mitgeführt wird und der "Osterkerze". Viel an griechischer Mentalität und griechischem Alltag fließt auch wieder in diesen neuen spannenden Roman ein. Wohl um den Lesefluss nicht zu stören hat die Übersetzerin komplizierte Wegbeschreibungen durch Athen gekürzt. Außerdem hat sie teils die Duz- beziehungsweise Siezgewohnheiten deutschem Usus angepasst. Das mag sinnvoll sein, um kein falsches Licht auf die Akteure zu werfen, die ganz nach griechischer Gewohnheit mal Gleichgestellte und Untergebene duzen, Höhergestellte hingegen siezen, mal munter zwischen Du und Sie hin- und herspringen. Näher dran an der griechischen Gepflogenheit wäre es gewesen, auf diese Anpassung zu verzichten. Insgesamt liest sich die Übersetzung angenehm flüssig und wird dem Werk gut gerecht.

Interessant die verschiedene Cover-Gestaltung des griechischen Originals und der Übersetzung. Auf dem schwarzen Originalcover schwebt eine riesige schattengraue Hand über den ebenso schattengrauen Umrissen Griechenlands und dirigiert es mit blutroten Strippen. Welch ein Sinnbild!
Der leinengebundenen deutschen Übersetzung wurde ein weißer Schutzumschlag übergezogen, auf dem ein urlaubssonniges Bild einer griechischen Bucht mit Segelboot auf dem blauem Meer prangt.

27. August 2017

Fest des Hl. Fanourios am 27. August

Der Name des Heiligen hat Anklang an das griechische Verb fanerono (φανερονω), was offenbaren, zeigen bedeutet. Und so wenden sich diejenigen griechischen Gläubigen an den Heiligen, die etwas suchen, egal of es etwas Konkretes wie ein verlorener Gegenstand ist oder ob sie auf der Suche nach einer Lösung für ein Problem oder einem Ausweg aus einer schwierigen Situation sind. Gern bringen sie dann am Gedenktag des Heiligen, dem 27. August ein spezielles Gebäck, die so genannte fanouropita zu seiner Ikone, um ihn zu bitten, ihnen das zu zeigen, was sie suchen. Oft geht es dabei auch um zwischenmenschliche Beziehungen, um einen geliebten Menschen, den man verloren hat oder bei jungen Mädchen, die dem Heiligen einen Kuchen bringen, um die Hoffnung auf einen geeigneten Ehemann.

Kirchen, die dem Heiligen Fanouris oder Fanourios geweiht sind, feiern am 27. August ihr panigyri. Auf Rhodos, dessen Schutzheiliger der Hl. Fanouris ist, findet eine große Prozession statt.

19. August 2017

Gerade gelesen: Sonne, Schüsse und Souvlaki

Sonne, Schüsse und Souvlaki -
Kulinarische Krimis aus Griechenland garniert mit Kochrezepten


An den 16 literarischen und kulinarischen Leckerbissen des Krimibands Sonne, Schüsse und Souvlaki habe ich die letzten Sommerwochen genascht wie an einer einladenden Pralinenschachtel. Mal am Badesee, mal bei einem kleinen Päuschen auf dem Liegestuhl im Garten, mal in der Straßenbahn auf der Fahrt in die Stadt habe ich eine der 16 kleinen, in sich geschlossenen Krimigeschichten gelesen. Dabei durfte ich reinschmecken in die unterschiedlichen Erzählweisen von 16 Autor(inn)en und mir bei den griechischen Kochrezepten, die jedem ihrer kleinen Krimis folgen, den Mund wässrig machen. 

Griechische Handlungsorte

Nicht nur nach Athen und Piräus und auf bekannte griechische Inseln wie Kos und Rhodos führen die 16 Kriminalgeschichten. Auch in Gegenden, die kaum in einem Urlaubsprospekt auftauchen, spielen einige der Geschichten.
So hält in der ersten mit dem Titel Dim und Nik waren hier der Ich-Erzähler seinen Monolog in einer Höhle auf der kleinen Kykladeninsel Antiparos, in der er mit seinem Freund festsitzt und auf Ereignisse und Umstände zurückblickt, die die beiden hierher verschlagen haben: Auf einen Mord und auf eine seltsame Freundschaft.

Auf die Insel Kythira südlich der Peloponnes geht die letzte Krimireise des Bands. Vor ihrer Küste liegt das Calypsotief, die mit fast 5300 Metern tiefste Stelle des Mittelmeers. Und dieses Meerestief hat die mit ihrem Ehemann unzufriedene mannstolle Icherzählerin der Geschichte inspiriert ...!

Reiseerinnerungen und Reiselust werden erweckt


Diese erste und letzte ebenso wie einige der anderen Geschichten, die die Buchseiten dazwischen füllen, ließen in mir Urlaubserinnerungen wach werden. Ganz besonders Nessa Alturas Kos betitelte Geschichte!  In ihr geschieht fast genau das, was ich befürchtet hatte, als ich einst in der Embros Therma saß - einem natürlichen Thermalbecken im Meer im Südostteil der Dodekanes-Insel Kos. Vom steilen Küstenfels stürzt ein Tier herab - nur ist das der Nessa Altura eine Nummer größer als die Tiere, die ich damals tatsächlich dort droben am Fels herumklettern und kleine Steine lostreten sah. Nicht nur wegen dieser Episode, die so nah an meine eigenen Erinnerung herankommt, ist Alturas vielschichtige Kurzgeschichte eine meiner Lieblingsgeschichten der Anthologie. Der erschreckende Absturz ist nur eines der vielen Momente, an die sich die Protagonistin der Erzählung erinnert, während sie auf die Etappen ihrer Ehe mit einem Griechen und ihre gemeinsamen Reisen auf dessen Heimatinsel zurückblickt. Vor allem geht es um einen ehemaligen heimlichen Verehrer, um die Eifersucht ihres griechischen Gatten und um ein Mal auf dessen Haut, das an die Umrisse der Insel Kos erinnert und das ihr aus einem ganz bestimmten Grund ganz besonders gefällt.


Griechische Landschaften und Mentalität, Mythologisches, Philosophisches, Musikalisches und vieles mehr scheinen in einzelnen der Erzählungen auf

In einige Geschichten fließen viel von griechischer Mentalität und Befindlichkeit sowie von ganz aktuellen Problemen der Menschen in einem krisengeschüttelten Land ein. Manche enthalten schöne Landschaftsbeschreibungen, wie beispielsweise Das Geheimnis der Zagorochoria, eine Erzählung, die in einer Gebirgsgegend in der nordwestgriechischen Region Epirus spielt und durch Gebirgsstraßen mit atemberaubenden Aussichten und in Bergdörfer mit schönen alten Steinhäusern führt.

Ein wenig mythologisch angehaucht kommt die turbulente und unheimliche Erzählung Charon von Marcus Imbsweiler daher, ein wenig philosophisch Die Wespen von Jutta Motz .

Musikalisch wird es in O Saltadoros des österreichischen Journalisten und Schriftstellers Günther Zäuner - auch dies, wie "Kos", eine meiner Lieblingsgechichten aus der Kriminalanthologie.

So bietet die Anthologie nicht nur spannende Lektüre, sondern vermittelt auch etliches an Hintergrund über Land und Leute.
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6. August 2017

Das neue Griechenlandjournal ist da!

Eine schöne Lektüre für entspannte Stunden auf dem Liegestuhl, ob im Urlaub oder daheim: Die Ausgabe Sommer 2017 des von der Griechenlandzeitung herausgegebenen Griechenland-Journals, die unter dem Motto Griechenland von A bis Z steht und vor allem die nicht augenfälligen, überraschenden Seiten des Landes zeigt, die es sonst kaum in die Presse und und in die einschlägigen Reiseführer schaffen.
Anregungen zum Reisen und Genießen und viel Wissenswertes über Land und Leute vermitteln die reich bebilderten, lesenwerten Artikel des Journals, die Einblick in den traditionellen Bootsbau und in innovative kleine Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe bieten, Hintergründe zu Brauchtum, Ikonenmalerei und vielem mehr beleuchten und Orte abseits der üblichen Touristenpfade und Kulinarisches jenseits von Gyros und Tzatziki entdecken lassen.

24. Juli 2017

Der fischreiche Doirani-See

Der nächste See auf unserem Programm ist der Dojran-See oder Límni̱ Doïráni (See Doirani), wie ihn die Griechen nennen. Sein Besuch mit öffentlichen Bussen der Gesellschaft KTEL gestaltet sich wesentlich einfacher als der des Prespa-Sees.  

Durch den fischreichen See Doirani verläuft die Grenze zur ehemaligen jugoslawischen Republik Makedonien (FYROM). 

Wir nehmen in Florina den 9:00-Uhr-Bus nach Thessaloniki, wo wir um 11:30 ankommen. (Die Hin- und Rückfahrkarte zwischen den beiden Städten hat 24 Euro p.P. gekostet ohne Aufpreis für die Sitzreservierung, die wir für den zunächst offengelassenen Rückfahrttermin nachträglich machen konnten.)
Um 12:15 geht es weiter nach Kilkis, das wir um 13:25 erreichen.(Ticketpreis: Euro 5,70 pro Person). Der Busfahrer Vangelis hat früher lang in Deutschland gearbeitet und spricht nahezu perfekt Deutsch. Er erklärt uns, dass wir, um zum Ort Doirani am gleichnamigen See zu gelangen, den Bus Richtung Mouriés bis zu dem Dorf Drosáto nehmen können. Von dort seien es noch circa 5 Kilometer bis zum Dorf Doirani zu Fuß bzw. mit dem Taxi. 
 Bis zur Abfahrt des Busses nach Drosáto um 14:15 ist noch Zeit für ein schnelles Mittagessen. Wir haben die Wahl zwischen einer Suppenküche, die Patsás und andere Suppen anbietet, einem Grillimbiss und dem Café-Bougátsa "O Vasilis" - alle auf der anderen Straßenseite gleich gegenüber der stark frequentierten Bushaltestelle. Wir entscheiden uns für das "Psitopolío Bon Fillet" - den Grillimbiss, wo wir soutsoukákia (gegrillte Hackfleischröllchen und einen saláta choriátiki (Bauernsalat) essen - lecker und schnell auf dem Tisch. 

Die Fahrt bis Drosáto dauert eine knappe Stunde und kostet 3,40 Euro pro Person. Der Busfahrer Andreas, dem wir gesagt haben, dass wir eigentich nach Doirani wollen, hat mitbekommen, dass wir Deutsch reden. Deshalb spricht er einen anderen Fahrgast an, er solle uns erklären, wie wir weiterkommen. Es handelt sich um einen 86-Jährigen, den wir zuvor schon am Handy auf Deutsch telefonieren gehört hatten. Er hat über 40 Jahre in Deutschland gearbeitet, wo seine Kinder geboren wurden und geblieben waren und ihm inzwischen mehrer Enkel beschert hatten, darunter den, mit dem er gerade telefoniert hat. Er sagt uns, dass wir ein Taxi bestellen müssen, wenn wir die fast 5 Kilometer zwischen Drosáto und Doirani nicht zu Fuß gehen wollen und fragt, ob er das für uns tun soll. Dankend nehmen wir an und kurz nachdem wir am Rathaus von Doirani ausgestiegen sind kommt die Fahrerin Maria mit ihrem Taxi und bringt uns für 7 Euro zum Hotel Doviros
Hotel Doviros
 Von unserem Balkon blicken wir zur Linken in die Krone der von vielen zwitschernden Vögeln bevölkerten großen Platane, zur Rechten auf den See mit seinem Schilfufer und seinen Fischerbooten. Die moldavische Putzfrau warnt uns, dass wir die Balkontür schließen müssen, wenn wir das Zimmer verlassen. Bald merken wir den Grund. Lassen wir die Tür offen, so bekommen wir laufend Besuch von Schwalben, die reingeflogen kommen, eine oder zwei Runden drehen und wieder rausfliegen, mal einzeln, mal zu zweit. 

Nach einem Abendspaziergang durch das Dorf bis zur Grenze nehmen wir einen Aperitiv mit Mezé in einer der Fischtavernen. Zum bestellten tsipouro (sprich: tsipuro) bringt der Wirt ein Tellerchen mit taramas aus Karpfeneiern, toursi, Tomatenvierteln und Schafskäse. Danach beobachten wir die Vögel und die Fischer am Ufer und auf dem ins Wasser hineinführenden Steg.
Schließlich setzen wir uns ins Restaurant des Hotels und bestellen eine Portion goulianós (Waller) und eine Portion Karpfen, den man hier grivádi nennt (sonst ist uns die griechische Bezeichnung kyprínos dafür geläufig) zu je 10 Euro. Da das Kilo je 18 Euro kostet, bringt uns die freundliche Inhaberin Vasso eine riesige Platte mit insgesamt rund einem Kilos schön resch paniertem, saftigen Fisch, in dem wir kaum Gräten finden. Offenbar hat sie sie vorher weitgehend entfernt. Der preiswerteste und leckerste Karpfen und Waller, den wir je gegessen haben, wobei es hier vor Ort sogar noch preiswerter geht. 13 Euro pro Kilo ist der Preis für Karpfen in der Taverne, wo wir unseren Aperitiv genommen hatten.
Am nächsten Morgen spazieren wir am Ufer entlang. Da das Seeufer an den meisten Stellen überschwemmt ist, gehen wir zunächst auf der nahe daran verlaufenden Straße, die zum Dorf Mouriés führt und weiter nach Rodópoli und zu einen weiteren See, dem Kerkini-See, den wir bereits von einer früheren Reise kennen. 

Woimmer es möglich ist, gehen wir auf einem der Wege und Holzstege direkt ans Ufer, wo auch ab und zu eine Vogelbeobachtungsplattform steht. Auch hier soll es Pelikane geben, von denen wir allerdings keine sehen. Doch überall zwitschert es und wir sehen viele Arten von Vögeln, die wir aber mangels ornitologischen Wissens und guten Fernguckers nicht zu identifizieren wissen. Uns scheint, Zwergscharben waren dabei, aber sicher sind wir uns nicht. Wir beobachten einige der typischen Fischerboote auf dem See und warten am Ufer, als sich eines nähert, um zu sehen, was der Fang ist. Es stellt sich heraus, dass es das Boot des Wirts einer der Fischtavernen am Hauptplatz von Doirani nahe dem Bahnhof und der Grenzstation ist. Er zeigt uns seinen Fang: Ein großer Waller und zwei kleinere Fische: Eine prikia und eine pérka, wie er uns sagt, wobei ich mir mit den Fischnamen prikia und pérka momentan nicht viel anzufangen weiß. Jedenfalls nicht viel! Er meint, es sei reine Glücksache, wievel ins ausgelegte Netz gehe. Fische gäbe es reichlich im See. Sein bester Fang seien 300 Kilo pro Tag gewesen. 
Beim Anblick der frischen Fische wird die Erinnerung an das herrliche
Fischessen gestern abend im Hotel wach und Appetit auf eine neue Fischmahlzeit regt sich. "Sind die für Ihre Taverne?" "Können wir die zwei uns bislang unbekannten Sorten prikia und pérka heute Mittag essen? "Na klar!". Es geht ohnehin schon auf Mittag zu. Wir lassen uns also im Auto des Fischers/Tavenenwirts zu seiner Taberne mitnehmen und uns dort die beiden Fische zubereiten. Wieder superlecker und preiswert! 

< Vorherige Station dieser Reise:
Prespa-See 


23. Juli 2017

Der Prespasee in der Nordwest-Ecke Griechenlands


Ein Besuch der abgelegenen Gebirgsgegend im nordwestlichsten Eck Griechenlands ist mit dem öffentlichen Verkehr zur Zeit schwierig zu realisieren. Wir haben es trotzdem versucht.

Denn wir wollten zum Prespa-See bzw. den Prespa-Seen. Denn die schmale Landzunge Koula (sprich Kula) teilt den See in den großenteils zu Albanien und der ehemaligen jugoslawischen Republik Makedonien (FYROM) gehörigen Megáli Prespa, den "großen Prespa", und den großenteils griechischen Mikrí Prespa, (kleinen Prespa).


Nur einmal wöchentlich geht der Bus der Gesellschaft KTEL von Florina nach Krystallopigí an der albanischen Grenze, am Mittwoch um 7:00 Uhr.

Wir nehmen ihn bis zu dem Dorf Antartiko (sprich: Adartiko), wo wir nach einer kurvigen Strecke durch die Berge kurz vor 8:00 Uhr ankommen und bis  8:45 Uhr auf den Anschlussbus warten müssen, der zu den in der Nähe des Seeufers gelegenen Orten Lemos und Agios Germanos fährt. Dabei kommen wir durch eine Ebene mit kleinen Dörfern und Feldern, auf denen vor allem Bohnen gedeihen, für die die Gegend berühmt ist. Der Busfahrer sagt uns, der einzige Ort  in der Nähe des Sees, in dem es Taxis gibt, sei Lemos, also fahren wir bis hierher und fragen im kleinen Supermarkt nach einem Taxi. Der Fahrer ist der Ehemann der Supermarktinhaberin und heißt Stefanos Begáltsis (Tel.: 697 7795 809). Er bringt uns für 17 Euro die rund 10 Kilometer bis zu unserem Ziel - der Stelle, wo eine Ponto-Brücke zum Inselchen Agios Achillos im kleinen Prespasee führt.

Aufgrund seines außergewöhnlichen Reichtums an seltenen Vögeln und Fischen wurde der See zum Nationalpark erklärt. Krauskopf- und Rosapelikane haben hier ihre Brutkolonien. Sie gehören zu den letzten, die es in Europa noch gibt. Tatsächlich sehen wir bald die ersten Pelikane und ein Konzert aus Gequake und Gezwitscher begleitet uns, während wir über die schwimmende Brücke auf die kleine Insel geben, wo wir uns die malerische Ruine der aus dem 9. Jahrhundert stammenden Agios Achilioskirche ansehen. Wege führen zu weiteren byzantinischen Kirchenruinen. Die Taverne ist geschlossen.

 Wir haben sowieso keine Zeit länger zu verweilen. Um 13:00 Uhr sollen wir bereits wieder in Lemos sein, da der Busfahrer nicht genau sagen konnte, wann er zurückfährt. Denn der Bus fungiert vor allem als Schulbus und da gerade Prüfungszeit ist muss mit frühem Schulschluss gerechnet werden, sonst gehe er meist gegen 14:00 Uhr. Und noch wissen wir nicht, wie wir weiter kommen. Unser Taxifahrer Stefanos kann uns nicht fahren, denn er ist für den Rest des Tages schon ausgebucht. Er hat uns die Telefonnummer seines Kollegen Christos 6984841299 gegeben, den wir jedoch nicht erreichen konnten. Und wir wollen vor der Rückfahrt nach Florina zumindest noch zu dem Fischerdorf Psarádes.

Wir gehen also zurück zum schilfbewachsenen Ufer und folgen der Straße zurück bis zur Abzweigung hinauf nach Psarades.

Zum Glück finden wir dort bald ein Auto, das uns die 6 Kilometer zu dem hübschen Fischerdorf in einer tiefen Bucht mit seinen Pelikanen an der Bootsanlegestelle und seinen Fischtavernen mitnimmt. Und zum Glück können wir auch per Autostop zurück nach Lemos fahren, wo wir auf den Bus warten, der um 13:20 Uhr kommt und uns zurück nach Andartiko bringt. Dort essen wir in der schön an einer alten Wassermühle gelegenen Taverne beim erfrischenden Plätschern des Wassers während wir auf den Bus warten, der kurz vor 15:30 Uhr kommt. Der fährt allerdings erst noch in die andere Richtung an die albanische Grenze, bevor es schließlich zurück nach Florina geht. Da genug Platz im Bus ist, steigen wir gleich ein, statt weiter zu warten und sehen so auch noch die Strecke bis zum Grenzort Krystallopigí.

FAZIT:
Ein Besuch des in einer herrlichen Gebirgslandschaft gelegenen einsamen Sees lohnt sich auf jeden Fall.
Einen ersten Eindruck konnten wir mit diesem Bus-/Taxi-Ausflug gewinnen. Gern hätten wir aber länger verweilt.

Besser mit dem Auto besuchen oder sich eine Woche Zeit nehmen
Solang die Busverbindung so schlecht ist, sollte man besser ein Auto zur Verfügung haben oder eine ganze Woche bleiben, bis am nächsten Mittwoch der nächste Bus nach Florina zurück fährt.

Wir sahen zwar keine Autovermietung im Ort Florina, der freundliche Herr an der Rezeption des Lingos-Hotels, in dem wir wohnten, hätte aber gern den Kontakt zu der Autovermietung hergestellt, von der er sagte, sie befinde sich etwas außerhalb.
 
Im Fischerdorf Psarades schien man geradezu auf Touristen zu warten.
Gern hätten wir das Angebot einer einstündigen Bootsfahrt zu 30 Euro angenommen, auf der wir Gelegenheit haben sollten, Pelikane zu beobachten und die Einsiedeleien Metamorphosis (Christi Verklärung) aus dem 13.Jh, Analipsi (Christi Himmelfahrt) aus dem 15.Jh. sowie Panagia Eleousa mit Wandmalereien aus dem Jahr 1410 zu sehen.
Auch das Angebot eines Zimmers für 20 Euro in einem schönen alten Steinhaus direkt am Dorfplatz (Tasos Domatia, Tel. 6971993330) wäre verlockend gewesen. Tavernen mit reichhaltigem Angebot von Fischen aus dem See gibt es mehrere und ein Spaziergang auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht sollte reichlich Gelegenheit zum Vögel beobachten bieten.
Vielleicht beim nächsten Mal. Dann könnten wir auch einen Besuch im Dorf Agios Germanos machen, das laut unserer Broschüre vom griechischen Tourismusministerium mit seinen zweistöckigen Steinhäusern mit breiter Fassade und Loggia sehenswert ist, und bei der Gesellschaft für den Schutz von Prespes vorbeischauen, die hier ihren Sitz hat und vielleicht mal den einen oder anderen Wanderweg in die Berge einschlagen. Auch die Siedlung Mikrolimni soll einen Besuch wert sein. Für diese Reise lassen wir es mit diesem Kurzbesuch bewenden, da wir noch weiter nach Kilkis und zu einem anderen See - dem Doiranisee - wollen.

Mehr zu dieser Reise:
Vorherige Stationen:
< Ein makedonisches Bergdorf und Bärenreservat
< Amyndeo
< Florina
< Start mit öffentlichem Bus in Thessaloniki
< Schönes Makedonien!
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17. Juli 2017

Ein makedonisches Bergdorf und Bärenreservat


Das 1386 von Vlachen gegründete Dorf Nymfeon mit seinen traditionellen Steinhäusern liegt 1350 Meter hoch auf dem Berg Vitsi inmitten einer herrlichen Natur mit Wäldern und Blumen. Eigentlich hätten wir hoch wandern wollen. Doch die Busverbindung zwischen Amyndeo und dem Ausgangspunkt Aetos lässt uns nicht genug Zeit, so dass wir uns für 13 Euro von Georgios mit seinem Taxi hochbringen lassen. Vor den Kriegen lebten hier einst 5000 Menschen und das Dorf war berühmt für seine Silber- und Goldschmiedekunst, erzählt Georgios. Heute stehen viele der schönen alten Häuser leer oder werden nur als Sommerhäuser benutzt, da ihre Besitzer das Jahr über in Thessaloniki, Athen oder gar im Ausland leben.
 Ein Pflasterweg führt zum Bärenreservat außerhalb des Dorfes. Man kann es nur mit einem Führer besuchen, der jede volle Stunde eine Tour startet, die 6 Euro pro Person kostet.
Man erfährt dabei viel über Braunbären und über die Nichtregierungsorganisation ΑΡΚΤΟΥΡΟΥ, deren Arbeit der Erhaltung der Braunbären und einer gelungenen Coexistenz von Mensch und Bär gilt. Der Führer, der wie der Taxifahrer den in Griechenland weit verbreiteteten Namen Georgios trägt, erklärt, dass es sich bei den Bären im Reservat um mehr oder weniger domestizierte handelt. Die ältesten unter ihnen sind über 30 Jahre alt, was mehr als die übliche Lebensdauer der Tiere in der freien Natur ist. Einige davon sind ehemalige, von Menschen abgerichete Tanzbären, die beschlagnahmt wurden, nachdem Abrichtung von Bären zur Volksbelustigung und die private Haltung von Bären überhaupt verboten worden ist. Weitere Exemplare stammen aus Zoos und einige sind Jungtiere, die ihre Mutter verloren haben.
Mehr zu dieser Reise:
Vorherige Stationen:
< Amyndeo
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Nächste Station:
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14. Juli 2017

Pantopoleio - der griechische Tante Emma-Laden


pantopoleío (παντοπωλείο) oder manchmal auch noch in der alten Schreibweise mit einem zusätzlichen n am Ende pantopoleion ((παντοπωλείον) steht auf dem typischen griechischen Gemischtwarenladen. Pandopolío(n) spricht man das aus mit Betonung auf dem i. Je kleiner und einsamer das griechische Dorf oder die griechische Insel, in dem/der sie stehen, desto umfassender ist das Angebot dieses oft einzigen Geschäfts weit und breit.
Dieser preisgekrönte Kurzfilm nutzt das griechische pantopoleío(n) als Gleichnis für das Internet und will darüber aufklären, wovor man sich im World Wide Web in Acht nehmen sollte.
Untertitel lassen sich durch Anklicken des Bildschirm-Symbols einblenden
Ihre Sprache (z.B. Deutsch od. Griechisch) stellt man mit dem Stellrad-Symbol rechts daneben ein.

9. Juli 2017

Amyndeo an einer der Weinrouten Nordgriechenlands

Am Montag, als wir die 27 Kilometer von Florina entfernt liegende kleine Stadt besuchen, ist dort gerade Markt - ein großer Markt mit einer riesigen Auswahl an Obst, Gemüse, Oliven, Pilzen, aber auch Textilien, Schuhen, Haushaltswaren u.v.m.

Busse zwischen Florina und Amyndeo verkehren mehrmals täglich. Das Ticket kostet 4,10 Euro pro Person.
Wir nehmen den Bus um 8.30 Uhr und sehen uns kurz die Stadt und den Markt an, bevor wir um 10.45 weiter nach Aetos fahren wollen, um von dort ein Taxi nach Nymfaio zu nehmen und das Bärenreservat zu besuchen.
Amyndeo liegt in der Nähe der Seen Petres und Vegoritida in einem Weinbaugebiet, durch das auch eine der Weinrouten Nordgriechenlands führt, auf denen man zahlreiche Winzer besuchen kann. Neben der Genossenschaft von Amyndeo E.A.S, kann man beispielsweise Ktima Alpha und Vegoritis im nahen Dorf Agios Panteleimon einen Besuch abstatten.
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< Florina
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< Schönes Makedonien!
Weitere Station:
> Ein makedonisches Bergdorf und Bärenreservat
> Der Prespasee in der Nordwestecke Griechenlands

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4. Juli 2017

Neuer Lesestoff - Let's go Hellas

Let's go Hellas ist das Motto des neues Lesestoffs, der auf mich wartet.

Let's go Hellas ist der Titel des Buchs von Georg Petras, der aus Unternehmersicht über das aktuelle Griechenland berichtet und meint: "Griechenland, jetzt erst recht!"

Hellas ist aber auch Schauplatz des zweiten Buchs, auf das ich mich als unterhaltsame Sommer- und Liegestuhllektüre freue: "Sonne, Schüsse und Souvlaki" - Kulinarische Krimis aus Griechenland garniert mit 16 Kochrezepten.