Am 29. Juli 2015 wird Mikis Theodorakis 90 Jahre alt. Die Welt kennt ihn als großen Komponisten. Seinen Sirtaki, den Alexis Sorbas einst im Film tanzte und der heute für Stimmung auf "griechischen Abenden" im Urlaub ebenso wie im Bierzelt daheim sorgt, kennt nahezu ein Jeder. Doch geht sein Werk, das Sinfonien, Oratorien, Bühnenmusik u.v.m. umfasst, weit über dergleichen Welthits hinaus.
Und in seiner Heimat Griechenland ist Mikis Theodorakis weit mehr als "nur" ein großer Künstler. Er ist ein Volksheld. Denn seine Biographie und sein Werk bilden eine Einheit und sind untrennbar mit der griechischen Geschichte seiner Zeit verbunden, in der er nicht nur als Musiker, sondern auch als Widerstandskämpfer und Politiker eine bedeutende Rolle spielte. Darüber schrieb ich einen Artikel, der am 29.7.2015 in der Augsburger Allgemeinen Zeitung erscheint. Hier im Video sein erstes Konzert nach dem Ende der Militärdiktatur, die in Griechenland von 1967 bis 1974 herrschte. Es wurde zu einer Feier der Rückkehr zur Demokratie
29. Juli 2015
6. Mai 2015
Lesung in Augsburg am 12. Juli 2015
Kulturtreff Griechenland
mit der Autorin
Heidi Jovanovic
am Sonntag, 12. 07. 2015 um 18:00 Uhr
im Bürgertreff Hochzoll im Holzerbau Neuschwansteinstr. 23 a, 86163 Augsburg
- bei gutem Wetter im schönen Hof im Freien -
Eintritt frei
Im Rahmen eines griechischen Abends mit griechischen Imbiß
stellt Autorin Heidi Jovanovic ihr Buch
„Fettnäpfchenführer Griechenland“
vor und führt anhand kleiner,
unterhaltsamer Reise- und Alltagsgeschichten
in Sitten und Gebräuche, Gestik, Mimik, Mentalität,
Kultur und Lebensart der Griechen ein.
Es soll ein unterhaltsamer, fröhlicher Abend werden, der griechisches Lebensgefühl aufkommen lässt - wenn das Wetter mitspielt im schönen Hof hinter dem sehenswerten barockisierenden Walmdachbau mit seinem Uhrtürmchen, den der Architekt Otto Holzer 1915 als zweites Hochzoller Schulhaus errichtet hat.
ANFAHRT
Der Holzerbau liegt an der Neuschwansteinstraße 23a, wenige Meter neben der Werner-von-Siemens Volksschule und gegenüber der Heilig Geist Kirche.
- Lage bei Google Maps anzeigen
öffentl. Verkehr :
Ca. 5 Minuten zu Fuß von der Straßenbahnhaltestelle Hochzoll-Mitte der Linie 6 an der Friedberger Straße. Hier haben Sie Anschluss an die Buslinien 29, 30 und 31.
mit dem Auto :
Zufahrt über die Karwendelstraße in die Neuschwansteinstraße; neben dem Holzerbau steht ein Parkplatz zur Verfügung.
WEBLINK
Griechenlandwebsite der Autorin
30. April 2015
1. Mai - Tag der Arbeit und der Blumen
Gleichzeitig gilt der Protomajá, wie man ihn in Griechenland nennt, als Tag des Frühlingserwachens, den man auch gern mit Picknick, Musik und Tanz und vor allem vielen Blumen feiert. Man flicht Blumenkränze, die bevorzugt an oder über Türen und Fenstern aufgehängt werden, wo sie bleiben, bis sie am 24. Juni dem Sonnwendfeuer übergeben werden.Immer wieder ist am ersten Mai in Griechenland aber auch mit Streiks, Straßensperren und Umleitungen zu rechnen, da Arbeiter für ihre Rechte und Forderungen demonstrieren und Gewerkschaften Kundgebungen veranstalten.
26. April 2015
Roosevelt-Zitat des griechischen Finanzministers Varoufakis
Immer wieder mal meldet sich der momentan in den Medien sehr umstrittene griechische Finanzminister auch auf Twitter. Heute zitierte er dabei Franklin D. Roosevelt (FDR):
Innerhalb von knapp über einer Stunde wurde sein Zitat rund 600 mal "retweeted", also weitergegeben und in etwa ebensoviele Nutzer des Twitterdiensts bezeugten ihren Gefallen daran, indem sie es zum "Favorite" machten. Bis zum Abend waren es schon 1800 bzw 1600. Und natürlich gab es jede Menge Kommentare.
Einer der Kommentatoren grub ein weiteres Zitat von Roosevelt aus, das ich sehr passend für die gegenwärtige politische und ökonomische Situation finde, und das bereits Sahra Wagenknecht am 26.01.2012 in einer Rede in der Bundestagsdebatte über das Finanzmarktstabilisierungsgesetz benutzt hat.
die der Twitterer Stathis Kalyvas und Paschos.
Ersterer meint: Wenn er von der Regierung entlassen werde, so werde er twittern, dass Jesus auch gekreuzigt wurde.
Letzterer kommentiert: Wenn das so ist, sollten Sie zurücktreten. Sie mögen sich ihrem Hass gern stellen, doch das Land kann es sich nicht leisten.
"In ihrem Hass gegen mich sind sie einig. – Und ich stelle mich gerne ihrem Hass"
Einer der Kommentatoren grub ein weiteres Zitat von Roosevelt aus, das ich sehr passend für die gegenwärtige politische und ökonomische Situation finde, und das bereits Sahra Wagenknecht am 26.01.2012 in einer Rede in der Bundestagsdebatte über das Finanzmarktstabilisierungsgesetz benutzt hat.
"We know now that Government by organized money is just as dangerous as Government by organized mob." FDR, 1936.Viele wünschen Varoufakis Glück und Erfolg. Freilich gibt es auch ironische und kritische Stimmen, wie
("Wir wissen jetzt, dass es genauso schlimm ist, vom organisierten Geld regiert zu werden, wie vom organisierten Verbrechen regiert zu werden.")
die der Twitterer Stathis Kalyvas und Paschos.Ersterer meint: Wenn er von der Regierung entlassen werde, so werde er twittern, dass Jesus auch gekreuzigt wurde.
Letzterer kommentiert: Wenn das so ist, sollten Sie zurücktreten. Sie mögen sich ihrem Hass gern stellen, doch das Land kann es sich nicht leisten.
22. April 2015
Das Fest des Hl. Georg in Griechenland
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| St.Georgs-Kirche auf der Insel Koufonissia |
Gleichzeitig feiern die ebenfalls zahlreichen Kirchen, die dem Heiligen geweiht sind, ihr panigyri - das alljährliche Patronatsfest mit festlichen Gottesdiensten, denen oft Prozessionen, Musik und Tanz folgen. Gern werden bei den Prozessionen Pferde mitgeführt. In manchen Gemeinden gibt es auch Pferderennen. Denn schließlich wird der Heilige Georg ja auf den Ikonen hoch zu Roß dargestellt. Mancherorts fangen die Feierlichkeiten bereits am Vortag, also am 22. April, an.
Nur wenn der 23. April in die Fastenzeit vor Ostern fällt, wird das Fest verschoben, denn Musik und Tanz, Pferderennen, Speis und Trank passen nicht in die dem Leiden Christi und der Menschen gewidmete Passionszeit.
Im Video eine St.Georgs-Prozession auf Kreta in der Nähe von Chania:
2. April 2015
April! April!

Nach der hervorragenden Satire von Max Uthoff und seinen Kollegen von "der Anstalt" zum Märzende, bei der einem das Lachen allerdings zumindest am Ende im Hals stecken blieb, haben einige deutsche Medien versucht, uns in den April zu schicken.
Wer hat's geglaubt, dass der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis die Internet-Währung Bitcoin einführen will um den leidigen Euro zu ersetzten? Angesichts des gegenwärtigen Engpasses wäre es einem regen, innovativen Geist wie dem seinen doch schon zuzutrauen, oder?
Und dass Griechenland Lizenzgebühren für den Begriff Europa fordern will? Hmmm ...?! Tatsache ist, dass Europa Griechenland seinen aus der griechischen Mythologie stammenden Namen verdankt. Trotzdem scheint die Forderung schon sehr grotesk. Andererseits, ... hmm?! So vieles im Verhältnis zwischen der EU und Griechenland ist grotesk, dass man allmählich alles für möglich hält.
Schließlich Merkels Absicht, ein Ferienhaus auf einer kleinen griechischen Insel zu erstehen? Warum eigentlich nicht? Vielleicht gelänge es ihr ja vor Ort ein wenig mehr Verständnis für die Probleme des Landes zu entwickeln? Und die andere Seite, die Griechen? Gastfreundlich und aufgeschlossen waren sie schon immer. Unzählige Touristen erfahren das Jahr für Jahr, Medienhetze hin oder her.
April! April!
(Fotoquelle: Jörg Rüger (Eigenes Werk) [CC BY 3.0], Michael Thaidigsmann (eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0] und Bontissy [freigeben in die public domain] via Wikimedia Commons
31. März 2015
Super Satire auf Griechenlandhilfe, die keine ist
Hervorragende Satire auf die Griechenlandhilfe, die EZB, die Troika und die Bankenkrise sowohl auf Youtube als auch im Fernsehen - im ZDF am 31. März und 22.15 Uhr. Die Sendung erklärt mit viel Witz auch komplexe Zusammenhänge und geht auch auf Themen ein, die sonst in den meisten Medien tabu zu sein scheinen. Zeus, Tavernen-Wirt, Türke, die Troika, Opfer von Kriesgreueln - alle kommen sie zu Wort.
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24. März 2015
V für Varoufakis! - Der griechische Finanzminister als Musicalstar
Heute hat der am 24. März 1961 in Athen geborene Wirtschaftswissenschaftler und gegenwärtige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis Geburtstag.
Pöbelnder Polter-Politiker, Polit-Rambo, Polit-Punk, Geisterfahrer, Zocker und was man ihn sonst nicht noch alles nennt in der deutschen Presse! Griechenlands schriller Finanzminister ist für sie DER Aufreger unter den Politikern zur Zeit. Das NEO Magazin strahlte diese Hommage an den Mann, der seelenruhig lächelnd derart die Gemüter erhitzt, aus:
Pöbelnder Polter-Politiker, Polit-Rambo, Polit-Punk, Geisterfahrer, Zocker und was man ihn sonst nicht noch alles nennt in der deutschen Presse! Griechenlands schriller Finanzminister ist für sie DER Aufreger unter den Politikern zur Zeit. Das NEO Magazin strahlte diese Hommage an den Mann, der seelenruhig lächelnd derart die Gemüter erhitzt, aus:
22. März 2015
Neue Bücher eingetroffen
Zur Zeit liegen vor allem Sachbücher neben meinem Lesesessel.

Zu lesen angefangen habe ich das bereits 2011 erschienene Buch "Pleite - Griechenland, der Euro und die Schuldenkrise" von Matthew Lynn, das ich nach einigen fruchtlosen Versuchen endlich in meiner Stadtbücherei ergattern konnte. Bisher war es dauernd ausgeliehen, wenn ich mich danach umsah.
Im Buchhandel ist die gebundene Ausgabe mit dem griechisch blau-weiß gestalteten Cover offenbar bereits vergriffen.
Der Verlag brachte Ende 2012 statt dessen ein in knallroter Warnfarbe gestaltetes Taschenbuch unter dem Titel "So ging Griechenland pleite - Die Geschichte einer Staatsschuldenkrise" heraus.
Gerade in der Post waren zwei weitere aktuelle Bücher, die ich beim Online-Buchhändler Amazon bestellt hatte, weil sie mein Interesse geweckt hatten:
Yanis Varoufakis "Bescheidener Vorschlag zur Lösung der Eurokrise", den er zusammen mit Stuart Holland und James K. Galbraith verfasst hatte noch bevor er griechischer Finanzminister wurde.
Und Ernst Wolffs "Weltmacht IWF - Chronik einer Raubzugs". Auf das Buch wurde ich über den Artikel "'Hilfszahlungen' an Griechenland – Wie die Mainstream-Medien die Wahrheit auf den Kopf stellen" aufmerksam, nachdem mich der Autor Ernst Wolff durch eine Erwähnung meines Twitter-Accounts "griechisches" angestoßen hatte, ihn mir anzusehen.
Zu lesen angefangen habe ich das bereits 2011 erschienene Buch "Pleite - Griechenland, der Euro und die Schuldenkrise" von Matthew Lynn, das ich nach einigen fruchtlosen Versuchen endlich in meiner Stadtbücherei ergattern konnte. Bisher war es dauernd ausgeliehen, wenn ich mich danach umsah.
Im Buchhandel ist die gebundene Ausgabe mit dem griechisch blau-weiß gestalteten Cover offenbar bereits vergriffen.
Der Verlag brachte Ende 2012 statt dessen ein in knallroter Warnfarbe gestaltetes Taschenbuch unter dem Titel "So ging Griechenland pleite - Die Geschichte einer Staatsschuldenkrise" heraus.
Gerade in der Post waren zwei weitere aktuelle Bücher, die ich beim Online-Buchhändler Amazon bestellt hatte, weil sie mein Interesse geweckt hatten:
Yanis Varoufakis "Bescheidener Vorschlag zur Lösung der Eurokrise", den er zusammen mit Stuart Holland und James K. Galbraith verfasst hatte noch bevor er griechischer Finanzminister wurde.
Und Ernst Wolffs "Weltmacht IWF - Chronik einer Raubzugs". Auf das Buch wurde ich über den Artikel "'Hilfszahlungen' an Griechenland – Wie die Mainstream-Medien die Wahrheit auf den Kopf stellen" aufmerksam, nachdem mich der Autor Ernst Wolff durch eine Erwähnung meines Twitter-Accounts "griechisches" angestoßen hatte, ihn mir anzusehen.
20. März 2015
Selten so gelacht!
Lang meinte man "Pleite" oder "Krise" reime sich gut auf "Griechenland". Doch wieviel besser reimt sich "Fake" (= engl. für Fälschung) auf "Varoufakis", zumindest was die Medienpräsenz angeht. Jedenfalls war das ganze Getue um den Gebrauch von Mittelfingern schon einen Lacher wert, umsomehr die (vermeintliche?!) Auflösung des medialen Rätsels:
Alles dank Varoufakis, dem griechischen Finanzminister ...
... dank seines fotogenen Antlitzes und Mittelfingers laufen kleinere unter den deutschen Medien zu ihrer Hochform auf, während sich Mainstreammedien blamieren.
Echt oder Fake oder Fake eines Fake? Hat der aktuelle griechische Finanzminister Varoufakis tatsächlich einmal anno 2013, als er noch nicht im Amt war, seinen Mittelfinger obszön gegen die Deutschen erhoben??? Er selbst sagt, nein - das Video, in dem eine solche Geste zu sehen ist und mit dem Günter Jauch ihn in seiner Sendung bloßzustellen versuchte, sei eine Manipulation.
Jan Böhmermann gibt Varoufakis Recht und zeigt in seinem TV-Magazin im Detail wie die Manipulation zustande kam - als eine raffinierte Bildmanipulation. Ein schönes Anschauungsbeispiel wie wenig Bildern zu trauen ist - und - wie sich am Ende herausstellt - ein treffender Hack, ein exzellentes Stück Satire! Wirklich vom Feinsten! Besser kann man die Medien nicht aufs Korn nehmen! Und wenn das dann noch aus den eigenen Reihen kommt, so ist das brilliant subsversiv! Eben ganz im Sinne der Veranstalter des "Subversive Festivals", auf dem das Video entstand, aus dem Jauch einen aus dem Zusammenhang gerissenen Ausschnitt zeigte und damit Anlass gab, dass sich Medien ebenso wie Stammtischbrüder und Nähkränzchenschwestern am laufenden Band über den Mittelfinger des griechischen Finanzministers das Maul zerreißen, als gäbe es nichts Wichtiges auf der Welt.
Echt oder Fake oder Fake eines Fake? Hat der aktuelle griechische Finanzminister Varoufakis tatsächlich einmal anno 2013, als er noch nicht im Amt war, seinen Mittelfinger obszön gegen die Deutschen erhoben??? Er selbst sagt, nein - das Video, in dem eine solche Geste zu sehen ist und mit dem Günter Jauch ihn in seiner Sendung bloßzustellen versuchte, sei eine Manipulation.
Jan Böhmermann gibt Varoufakis Recht und zeigt in seinem TV-Magazin im Detail wie die Manipulation zustande kam - als eine raffinierte Bildmanipulation. Ein schönes Anschauungsbeispiel wie wenig Bildern zu trauen ist - und - wie sich am Ende herausstellt - ein treffender Hack, ein exzellentes Stück Satire! Wirklich vom Feinsten! Besser kann man die Medien nicht aufs Korn nehmen! Und wenn das dann noch aus den eigenen Reihen kommt, so ist das brilliant subsversiv! Eben ganz im Sinne der Veranstalter des "Subversive Festivals", auf dem das Video entstand, aus dem Jauch einen aus dem Zusammenhang gerissenen Ausschnitt zeigte und damit Anlass gab, dass sich Medien ebenso wie Stammtischbrüder und Nähkränzchenschwestern am laufenden Band über den Mittelfinger des griechischen Finanzministers das Maul zerreißen, als gäbe es nichts Wichtiges auf der Welt.
23. Februar 2015
Christos Ikonomou - Warte nur, es passiert schon was
Zufällig lese ich gerade das dritte der drei Bücher, die ich mir unlängst in der Augsburger Stadtbücherei besorgt habe: Den Erzählband ""Warte nur, es passiert schon was"
6 der insgesamt 16 "Erzählungen aus dem heutigen Griechenland" (wie der Untertitel des Buches lautet) habe ich bis jetzt gelesen, Geschichten über verlassene und bestohlene, geprügelte, vergewaltigte, angekreischte, vom Hunger geplagte, der Freunde beraubte Individuen. Sie trösten sich mit Salatherzen - frisch und zart; mit der Süßspeise Halvas, deren Duft sich kurz über den Geruch von der Einsamkeit und miesen Armut legt und die sich sogar zu einer Menschengestalt formen und mit ins einsame Bett nehmen lässt. Sie versuchen es mit Zwiegesprächen mit Katzen, mit einem selbstgebastelten, an einem Besenstiel befestigten Plakat. Doch die Lieblingskatze endet schließlich grausam und das Plakat bleibt ohne Aussage - weiß doch der durch einen tragischen Arbeitsunfall seines Freundes beraubte Jannis nicht, was er darauf schreiben könnte, und zieht mit der leeren Tafel zur Unfallstelle, um für den Verunglückten zu demonstrieren. Ebenso wie das Plakat ist er voll von einer unglaublichen Leere. Echten Trost finden sie ebensowenig wie eine echte Perspektive - nicht einmal eine kurze Auszeit aus der täglichen sinnlosen Tretmühle - ein wenig Humor, ein herzliches Lachen. Ich habe das Gefühl, dass der Autor damit bewusst gegeizt hat, um sein Bild des heutigen Griechenland durch die ewige Wiederholung allein des Melancholischen bis tief Traurigen umso eindringlicher zu zeichnen - wie ein Maler, der nur kalte, düstere Töne auf seiner Leinwand zulässt, um einen speziellen Effekt zu erzielen, eine bestimmte Botschaft zu übermitteln.
Damit kontrastiert das von Ikonomou gezeichnete Griechenlandbild sehr stark mit dem meinen. Klar, ich kenne das Land vor allem in einer Urlaubssituation und vorwiegend im ländlichen Raum und auf den Inseln, die großen Städte besuche ich immer nur kurz. Jedenfalls traf ich immer wieder auf Menschen, deren Fröhlichkeit und positive Grundeinstellung zum Leben sehr robust und kaum durch etwas unterzukriegen schienen. Ähnlich wie mir scheint es auch beispielsweise dem deutschen Autor Landolf Scherzer bei den Recherchen für seinen Krisenbericht aus Griechenland mit dem Titel "Stürzt die Götter vom Olymp - Das andere Griechenland" gegangen zu sein, der viele hart von der Sparpolitik, von Arbeitslosigkeit und fehlenden Sozialleistungen Betroffene portraitiert hat. Was mir an seinem Krisenbericht besonders auffiel, war dass viele von ihnen beispielsweise in der Solidarität mit ihren Mitmenschen Trost und Hoffnung gefunden haben. Von ihrer immer wieder durchbrechenden Fröhlichkeit und ungebrochenem Mut zeugen zahlreiche Berichte und Fotos in Scherzers Buch.
Lachende, trotz allem heitere Personen passen aber offenbar ebensowenig wie humorvolle Sichtweisen in das Bild, das Ikonomou sehr eindringlich mit seinen Erzählungen zeichnet - ein Bild einer menschenunwürdigen Umwelt, in der unterschiedliche Individuen verzweifelt immer wieder das schon geradezu unmöglich gewordene Menschsein versuchen. So tieftraurig dieses Bild sein man, ich tauche gern in die von Ikonomou gezeichnete Welt ein, um seinen Protagonist(inn)en durch die Straßen und entlang den Kais von Piräus zu folgen und von Erzählung zu Erzählung klarer und deutlicher zu spüren: So darf das nicht weitergehen in Griechenland oder irgendwo. Und sosehr mir an Ikonomous Helden auch der Aspekt des Humor und der Fröhlichkeit fehlt, so vertraut kommen mir doch andere Eigenschaften vor, wie die Empathie, die Vorliebe für tiefgreifende, geradezu philosophische Überlegungen, die gute Beobachtungsgabe und die Kontaktfreude und Lust am Gespräch, womit gerade in den misslichen Lagen, in denen sie sich befinden auch Verzweiflung einhergeht, wenn etwas, das sie fühlen, das sie bewegt, eben einmal gar nicht zu kommunizieren – ja noch nicht einmal in Worte zu fassen – ist.
So ein Arbeiter in der Erzählung „Das Blut der Zwiebel“:
"Ich würde so gern fluchen. Wenn du wüsstest, wie gern ich fluchen würde. Aber es kommt nichts. Und ich kann nicht mal darüber reden, verstehst du? Und weil ich nicht sagen kann, was ich fühle, habe ich Angst, dass ich es auch nicht mehr fühle. Dass es verlorengeht. Dieses Schweigen macht mir große Angst. Das ist so brutal. Wie viel Schweigen kann ein Mensch mit sich herumtragen?"Ein anderer verspürt in der Erzählung "Ein mit Kohle gemaltes Schnurrbärtchen":
"Ich habe den Eindruck, dass ich das alle nicht mir den Ohren höre, sondern mit dem Herzen."
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