Posts mit dem Label Geschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Geschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

21. April 2019

21. April 2019 in Griechenland

Palm- statt Ostersonntag

 Nicht Ostersonntag, sondern erst Palmsonntag - der Beginn der Karwoche - ist am 21.4.2019 in Griechenland, denn dort feiert die orthodoxe Kirche Ostern in diesem Jahr erst eine Woche später Ostern.

Erinnerung an Putsch, der eine 7-jährige Militärdiktatur brachte

  Außerdem ist am 21. April ein tragischer Gedenktag. Er steht am Beginn einer Militärdiktatur, die sieben von Repressionen und Tyrannei geprägte Jahre dauern sollte.  Am 21.4.1967 hatte sich Oberst Georgios Papadopoulos unterstützt von Generalleutnant Stilianos Pattakos und General Georgios Zoitakis kurz vor einem Wahltermin an die Macht geputscht. Damit begann die Diktatur der Obristen, nach der griechischen Bezeichnung Chúnta ton Sintagmatarchón oft kurz auch Chunta oder Junta genannt. Im November 1973 gab es ein großes von Studenten initiiertes Aufbegehren gegen sie, das blutig niedergeschlagen wurde. Am 23. Juli 1974 gab das Militär endlich sein Regime auf und der Rundfunk meldete die Übergabe der Macht an eine zivile Regierung.

6. Dezember 2018

6. Dezember in Griechenland


Auch in Griechenland wird am 6. Dezember der Heilige Nikolaus (oder Nikolaos, wie er auf Griechisch genannt wird) gefeiert, allerdings in erster Linie nur von Personen und Gemeinden, die den Namen dieses Heiligen tragen bzw. Orten mit dem Heiligen geweihten Kirchen. Den westlichen Brauch des Nikolaus als Kinderbescherer gibt es nicht.

Statt dessen ist der 6. Dezember in Griechenland ein Tag traurigen Gedenkens und wütenden Aufbegehrens. Am 6. Dezember 2008 traf den 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos in Athen eine tödliche Kugel aus der Waffe eines Polizisten. Tausende Menschen bezeugen auf den Straßen der Stadt ihre Trauer und Wut über den Vorfall nicht nur in dem Jahr seines Geschehens, sondern bis heute auch an dem Tag, an dem er sich jährt. Dabei kommt es auch immer wieder zu Krawallen und Ausschreitungen.

Doch auch schon viel früher markierten in Athen tragische Ereignisse den Monat Dezember. Unter dem Namen Dekembriana gingen erbitterte Kämpfe im Athen des Dezembers 1944 in die Geschichte ein. Bis in unsere Tage gedenkt man der Tausende von Opfer. Unvergessen bleibt das Unrecht, das damals vielen ehemaligen Nazi-Widerständlern geschah. Rund 12.000 von ihnen wurden in Straflager verschleppt, während ehemalige Nazi-Kollaborateure auf Athens Straßen paradierten. Ursache war  ein plötzlicher Strategiewechsel der britischen Besatzer, die nach dem Abzug der Nazis im Oktober 1944 an die Macht gekommen waren und sich plötzlich gegen die ehemaligen verbündeten Widerstandsgruppen ELAS und EAM wendeten, weil sie deren kommunistische Gesinnung störte. Die rechte Ausrichtung der Nationalisten und Royalisten passte ihnen besser ins Zeug. Ein profunder Artikel im britischen Guardian nennt das Britanniens „schmutziges Geheimnis“. Es resultierte ein Bürgerkrieg in Griechenland, der zum unvergessenen Trauma wurde.

Fotoquelle: Mendhak [Lizenz: CC BY-SA 2.0 ], via Wikimedia Commonsvor allem für die Athener ein düsterer Monat nicht allein wegen der tiefstehenden Sonne und den langen Nächten.

3. Mai 2018

Neuer Lesestoff: Vom Pontos in den Pott

   Ihrer pontischen Familie hat die Autorin Maria Laftsidis-Krüger den dicken Roman gewidmet, den sich mein Lesezwerg und ich gerade vorgenommen haben. Vom Pontos in den Pott verspricht Biographisches mit Überliefertem, Gehörtem, Erzähltem und der Gedankenwelt der Autorin Entsprungenem zu vermischen.
   Erzählt wird eine Familiengeschichte, die ihren Beginn im Umfeld einer menschlichen Katastrophe nimmt, die einst in Griechenland viel dramatischere Ausmaße hatte als das, was wir heute in Europa als Flüchtlingskrise bezeichnen. Mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge, die etwa ein Viertel seiner Bevölkerung ausmachten, hatte Griechenland infolge jener "Kleinasiatischen Katastrophe" in den 1920er Jahren zu verkraften.
   Weitere Station der Familie ist der Ruhrpott, wo die Autorin in sie hinein geboren wurde. 


29. Oktober 2015

Marathon auf Originalstrecke von Marathon nach Athen

Marathonläufe gibt es vielerorts, „DEN MARATHON“ aber nur in Griechenland

 Auch in Berlin, London oder New York kann man im sportlichen Wettkampf Strecken von  knapp über 40 Kilometern laufen. „DEN MARATHON“, die Mutter aller Marathons, hingegen kann man nur Griechenland laufen. Jeden Herbst findet der Athener Klassische Marathon vom namensgebenden historischen Ort Marathon in die Stadt Athen statt.

Auf der klassischen Strecke kann sich der Läufer beim Absolvieren seiner  42,195 Kilometer ganz als hemerodromos  fühlen, als antiker Botenläufer, wie einst Pheidippides, der im Jahr 490 v.Chr. die Botschaft vom Sieg über die Perser in der Schlacht von Marathon nach Athen trug. Nur dass diese Strecke für Pheidippides der Überlieferung nach nur ein Abschnitt seines insgesamt 400 Kilometer langen Laufs war, an dessen Ende er mit den Worten „Freut Euch, wir haben gesiegt“ den archonten (höchsten Staatsbeamten) die ihm aufgetragene Kunde überbrachte, bevor er tot zusammenbrach. Eindeutig geschichtlich belegt sind weder Name noch Leistung des Peidippides. Überlieferungen von Zeitzeugen fehlen. Auch der im Jahr der Ereignisse geborene Herodot berichtet nichts davon. Tatsache ist nur, dass irgendwer 490 v. Chr. die Strecke von Marathon nach Athen lief, um vom Sieg über die Perser zu künden. Und so hielt sich die Bezeichnung Marathon für Läufe über eine vergleichbare Distanz bis heute. Mutter all dieser sportlichen Veranstaltungen bleibt die klassische Route in Griechenland.

29. Juli 2015

Mikis Theodorakis wird 90

Am 29. Juli 2015 wird Mikis Theodorakis 90 Jahre alt. Die Welt kennt ihn als großen Komponisten. Seinen Sirtaki, den Alexis Sorbas einst im Film tanzte und der heute für Stimmung auf "griechischen Abenden" im Urlaub ebenso wie  im Bierzelt daheim sorgt, kennt nahezu ein Jeder. Doch geht sein Werk, das Sinfonien, Oratorien, Bühnenmusik u.v.m. umfasst, weit über dergleichen Welthits hinaus.

Und in seiner Heimat Griechenland ist Mikis Theodorakis weit mehr als "nur" ein großer Künstler. Er ist ein Volksheld. Denn seine Biographie und sein Werk bilden eine Einheit und sind untrennbar mit der griechischen Geschichte seiner Zeit verbunden, in der er nicht nur als Musiker, sondern auch als Widerstandskämpfer und Politiker eine bedeutende Rolle spielte. Darüber schrieb ich einen Artikel, der am 29.7.2015 in der Augsburger Allgemeinen Zeitung erscheint. Hier im Video sein erstes Konzert nach dem Ende der Militärdiktatur, die in Griechenland von 1967 bis 1974 herrschte. Es wurde zu einer Feier der Rückkehr zur Demokratie

5. Dezember 2014

Düstere Erinnerungen und aktuelle Krawalle

Alexis Grigoropoulos murder spot, Tzavella st, Athens
70 Jahre liegen die in Griechenland Dekembriana genannten erbitterten Kämpfe im Athen des Dezembers 1944 zurück, an die eine sehr lebhafte Erinnerung in der Stadt besteht. Man gedenkt nicht nur der Tausende von Opfer. Vor allem vergisst man nicht das Unrecht, das damals vielen ehemaligen Widerstandskämpfern gegen die Nazis geschah. Rund 12.000 von ihnen wurden in Straflager verschleppt, während ehemalige Nazi-Kollaborateure auf Athens Straßen paradierten. Hauptschuld daran trug ein plötzlicher Strategiewechsel der britischen Besatzer, die nach dem Abzug der Nazis im Oktober 1944 an der Macht waren und sich plötzlich gegen die ehemaligen verbündeten Widerstandsgruppen ELAS und EAM stellten, weil sie deren kommunistischer Gesinnung die rechte Ausrichtung der Nationalisten und Royalisten vorzogen. Ein profunder Artikel im britischen Guardian nennt das Britanniens "schmutziges Geheimnis".

6 Jahre erst ist es her, dass der 15-jährige Alexandros Grigoropoulos in Athen von dem Polizisten Epaminondas Korkoneas durch einen Schuss in den Leib getötet wurde. Wut- und Trauerbekundungen und Proteste waren die Folge, schließlich auch Ausschreitungen und Polizeigewalt. Seither kommt es am Jahrestag dieses tragischen Tods immer wieder zu Demonstrationen und oft auch zu Krawallen.

Im Dezember 2014 befindet sich nun ein enger Freund des damals getöteten Alexandros Grigoropoulos im Hungerstreik. Der heute 20-jährige Nikos Romanos war 2008 Augenzeuge, als sein Freund zu Tode kam, wurde seither straffällig und kämpft nun von dem Gefängnis aus, in dem er einsitzt, für seine Zulassung zum Studium. Denn trotz Bestehens der schwierigen Panhellenischen Prüfungen soll es ihm wegen der Haftstrafe versagt werden. Tausende Athener unterstützen ihn und protestieren für ihn auf Athens Straßen.
Denn angesichts dieser Verkettung von als ungerecht und brutal empfundenen Ereignissen über den Lauf der Jahre hinweg hat die heutige Situation des jungen Nikos Romanos und seine Auflehnung dagegen natürlich Symbolcharakter. Bildung, die ihm verwehrt werden soll, hat für die Griechen gerade in Krisenzeiten einen sehr hohen Stellenwert. "Brot, Bildung, Freiheit" stand auf den Transparenten, als Studenten sich im November 1973 gegen die damals seit 1967 herrschende Militärdiktatur erhoben. Mit dem gleichen Slogan gehen die Athener auch heute wieder auf die Straßen ihrer Stadt, um auf Misstände hinzuweisen oder ihrer Meinung nach ungerecht Behandelte zu unterstützen.

Quelle: Englischsprachiger Artikel "Athens 1944: Britain's dirty secret" im Guardian 

Weitere Informationen:

18. April 2014

Doppeladler

Ein allgegenwärtiges Symbol in Griechenland: der Doppeladler


Als Mosaik oder Marmorintarsie ziert er Plätze und Räume, in Holz geschnitzt Kirchenmobiliar und auf gelbgrundigen Fahnen weht er vor Kirchen und Klöstern.

Der doppelköpfige Adler war einst das Symbol von Michael VIII, der Konstantinopel 1261 von den Kreuzfahrern zurückeroberte und der Dynastie der Palaiologen angehörte, der letzten griechisch-byzantinischen, die Konstantinopel - das heutige Istanbul - beherrschte, bevor es 1453 an die Osmanen fiel. Bald stand das Symbol jedoch nicht nur für diese Dynastie, sondern für das ganze Byzantinische Reich.  Danach wurde es von der griechisch-orthodoxen Kirche übernommen, die mit dieser Flagge eine Verbindung zum alten Byzanz betont.



26. Oktober 2013

Fest des Heiligen Dimitrios am 26.10.

Agios Dimitrios am 26. Oktober


Alle Griechen, die Dimitrios und alle Griechinnen, die Dimitra heißen feiern am 26. Oktober ihren Namenstag. Gerufen werden sie oft mit Kurzformen wie Dimitris, Dimis, Mimis, Mitsos oder Takis.

Dimitrios gehört- ebenso wie Georgios- zu den seit Langem beliebten Namen, da beide Heilige vor allem von den Bauern vererhrt wurden, die früher einen Großteil der Landbevölkerung ausmachten. Sie wurden über Generationen immer wieder weiter gegeben, da es Brauch ist, die erstgeborenen Kinder nach den Großeltern, weitere nach weiteren Verwandten zu nennen.

Gleichzeitig feiern die zahlreichen Kirchen, die dem heiligen Dimitrios geweiht wurden, ihr alljährliches Kirchenfest, das panigyri, so beispielsweise in Kalavarda auf Rhodos und Theologos auf Thassos.

Offizieller Feiertag hingegen ist der 26. Oktober nur in Thessaloniki, der Stadt, aus der der Heilige stammt, in der er wirkte und deren Schutzheiliger er ist. Thessaloniki feiert an dem Tag zugleich seine Befreiung von den Osmanen am 26. Oktober 1912. So ziehen sich die Feierlichkeiten hier über drei Tage nahtlos bis zum griechischen Nationalfeiertag, dem 28. Oktober hin.

27. Oktober 2012

28. Oktober - Griechischer Nationalfeiertag

Ochi-Tag am 28. Oktober


Der 28. Oktober ist einer der zwei Nationalfeiertag, die es in Griechenland gibt. Am 28. Oktober wird des Tages im Jahr 1940 gedacht, an dem sich Griechenland mit „Nein” (gr: “Ochi”) gegen ein Ultimatum Mussolinis entschied, woraufhin die italienischen Besatzer von den griechischen Truppen aus dem Lande geschlagen wurden.

Beide griechischen Nationalfeiertage werden mit Festakten, Reden und Schüler- und Militär-Paraden begangen. Während dabei jedoch am ersten der beiden, dem  Unabhängigkeitstag am 25. März,  die Politprominenz vor allem in Athen auftritt, steht am 28. Oktober Thessaloniki im Zentrum des Geschehens. Denn Thessaloniki feiert zwei Tage zuvor seinen Schutzheiligen, den Heiligen Demetrios (oder buchstabengetreuer transkribiert Dimitrios), und die Befreiung des Stadt von der türkischen Vorherrschaft, die - wie könnte es anders sein - am Feiertag des Stadtheiligen, dem 26. Oktober im Jahr 1912 erfolgte. Im Jahr 2012 jährt sich das Ereignis zum 100. Mal. Zu diesem Anlass wurde im Hafen von Thessaloniki mit einem Kran eine griechische Flagge gehisst, deren Dimension von 480 Quadratmetern es in das Guiness-Buch der Rekorde geschafft hat.

19. Mai 2012

19. Mai - Pontos-Gedenktag

Der 19. Mai wird als Gedenktag für den Genozid an den Pontos-Griechen begangen - in Griechenland laut einem Dekret des Griechischen Parlaments vom 8. März 1994 und weltweit, wo Griechen aus dem Pontos leben.


Foto:. Pontischer Grieche von Trebizond in der traditionellen Tracht, (via Wikipedia und http://www.karalahana.com/; Lizenz:  Creative Commens by-2.5)
 

24. Oktober 2010

2500. Jubiläum der Schlacht von Marathon inspiriert Läufer zu Höchstleistungen


Marathon - heute steht das Wort für einen Inbegriff an Ausdauer. Nimmt man es in den Mund, so denkt man wohl weniger an das geschichtlich bedeutende Ereignis des Siegs über die Perser als an die sagenhafte menschliche Leistung des Botenläufer Phidippides, der die Kunde davon überbrachte und dann zusammenbrach.
Seither hat sie Sportler weltweit inspiriert. Marathonläufe sind beliebt geworden und werden nicht nur auf der Mutter aller Marathonstrecken zwischen der einstigen Schlachtort Marathon und Athen, sondern an vielen Orten der Erde ausgetragen.
Anlässlich des Jubiläums finden in Athen finden zwischen 28. und 31. Oktober 2010 außer dem alljährlichen klassischen Marathon zahlreiche sportliche und kulturelle Veranstaltungen statt.
Anlässlich des Jubiläums wollte jedoch auch so mancher Sportler ein ganz besonderes Zeichen setzen. In der Sommerhitze des Augusts war griechische Maratonläuferin Maria Polyzou 540 Kilometern von Athen nach Sparta und weiter nach Marathon gelaufen. Gar 2.200 Kilometer von Heilbronn nach Marathon legte nun der Deutsche Jürgen Mennel zurück.