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4. August 2019

Hurra! Er ist da! Der neue Fettnäpfchenführer Griechenland

 Der Lesezwerg freut sich über den Zuwachs im Bücherregal und ich kann mich wieder ganz entspannt zurücklehnen und den Sommer genießen nach der Arbeit an der aktualisierten und erweiterten Neuauflage meines Fettnäpfchenführers Griechenland.

 Komplett überarbeitet und aktualisiert habe ich dafür die bisherigen "Blauen Wunder im Land der Götter". Außerdem habe ich einige neue Fingerübungen in hellenischer Lebensart hineingepackt, die meine beiden weiblichen Protagonistinnen Anna und Connie auf den Inseln Kos und Tilos der Dodekanes absolvieren, während Connies Mann Bernd auf der Kykladeninsel Naxos Job und Hausrenovierung bewältigt. Die beiden Krankenschwestern erfahren dabei zum Beispiel Erstaunliches über Risiken und Heilwirkungen und begegnen einer wunden Seele in einem Geisterdorf.

3. Mai 2018

Neuer Lesestoff: Vom Pontos in den Pott

   Ihrer pontischen Familie hat die Autorin Maria Laftsidis-Krüger den dicken Roman gewidmet, den sich mein Lesezwerg und ich gerade vorgenommen haben. Vom Pontos in den Pott verspricht Biographisches mit Überliefertem, Gehörtem, Erzähltem und der Gedankenwelt der Autorin Entsprungenem zu vermischen.
   Erzählt wird eine Familiengeschichte, die ihren Beginn im Umfeld einer menschlichen Katastrophe nimmt, die einst in Griechenland viel dramatischere Ausmaße hatte als das, was wir heute in Europa als Flüchtlingskrise bezeichnen. Mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge, die etwa ein Viertel seiner Bevölkerung ausmachten, hatte Griechenland infolge jener "Kleinasiatischen Katastrophe" in den 1920er Jahren zu verkraften.
   Weitere Station der Familie ist der Ruhrpott, wo die Autorin in sie hinein geboren wurde. 


20. März 2018

Cholesterin- und kalorienfreie viereckige "Ostereier"


(aktualisiert am 15.04.2019)

Ein kleines Ostergeschenk muss weder voller Cholesterin noch voller Kalorien stecken. Ostern ist genau der richtige Anlass, Bücher zu verschenken, vor allem solche, die mit den ersten Frühlingssonnenstrahlen Urlaubsgefühle wecken. Einige Vorschläge, die auf Griechenland einstimmen (Einzelheiten jeweils unter den Links)

Frecherweise gleich zu Beginn mein eigenes Buch:

Einige spannende Krimis, die in Griechenland spielen:

Romane mit Handlungsort Kreta:

Kleine Büchlein, die sich wie Ostereier verstecken lassen:

24. Februar 2018

Griechenlandkrimi-Autorin Claudia Konrad im Interview

Claudia Konrad ist 1965 in Göttingen geboren und lebt heute im Nordschwarzwald. Sie arbeitet als Verwaltungsangestellte, ist Mitglied in der Sektion Literatur des Pforzheimer Kulturrats e. V. und Gründungs- sowie Vorstandsmitglied des Goldstadt-Autoren e. V. Neben dem Schreiben liegen ihr das Reisen und der Humor im Blut. So fließen nicht nur in ihre Reisebücher, in denen sie von ihren Griechenland-Motorradreisen erzählt, sondern auch in ihre Kurzkrimis und ihren ersten Krimiroman mit dem Titel "Tod in Alepochori" viele auf ihren Reisen gesammelten Erlebnisse und Eindrücke ein.
 

Heidi: Wie würdest du dich selbst in fünf Worten beschreiben?
Claudia: Selbstbewusst, energisch, unberechenbar, friedliebend, gesellig

Heidi: Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?      
Claudia: Den ersten Versuch startete ich im zarten Alter von 10 Jahren mit einem Krimi, der es immerhin in den Aushang im Landeskriminalamt in München geschafft hatte.
Der Neustart folgte im Jahr 2008.

Heidi: Was hat dich zum Schreiben bewogen?      
Claudia: Zunächst war die Idee meine Motorradreise-Berichte, einmal als Sozia und dann als Selbstfahrerin, festzuhalten. Nachdem man sich um die eher nüchternen Reisebericht förmlich riss, verpackte ich das Erlebte in ein, beziehungsweise zwei Bücher, die ich schließlich selbst publizierte.
Zum Krimi kam ich durch eine Ausschreibung für einen regionalen Kurzkrimi zurück. Nicht unerheblich war dabei die Meinung befreundeter Journalisten.

Heidi: Wie sammelst du dein Material? 
Claudia: Aus dem täglichen Geschehen in der Stadt, Land, Urlaub, Politik. Wenn eine Idee als Kopfkino gespeichert ist, geht es ans Recherchieren, was unter Umständen bedeuten kann, dass ich ein paar Monate mit Bücherlesen und vor Ort Inaugenscheinnahmen verbringe. Daraus ergeben sich dann Einzelheiten oder Skurriles. 

Heidi: Was liest du selbst am liebsten? 
Claudia: Wie viel Zeit hast du?

Heidi: Na, leg mal los! Du bist wohl eine richtige Leseratte?
Claudia: Okay, ich bin ein Riesenfan von historischen Romanen, wenn in diesen ein Funken Wahrheit verarbeitet ist. Neben Biographien, finden sich auch Geschichtsbücher, archäologische-, juristische- und rechtsmedizinische Sachbücher, Krimis, aber auch locker, flockige Lektüre in meinen Bücherregalen. Äh - noch Fragen?

Heidi: Ja, bei dieser Flut an Lesestoff möchte ich dich fragen: Was war für dich das beste und was das schlechteste Buch, das dir je in die Finger kam?
Claudia: Hm, beides eine Frage des Geschmacks und des Genres. Zwei meiner Favoriten sind „Götter, Gräber und Gelehrte“ und „Die Säulen der Erde“. Das Schlechteste ist für mich eindeutig „Feuchtgebiete“.

Heidi: Hast du es trotzdem zu Ende gelesen? 
Claudia: Zu Ende gelesen? Nein, mein Kopfkino hätte das nicht länger ertragen. Nach der Hälfe habe ich das Buch weitergegeben.

Heidi: Dein letztes Werk, der Krimi "Tod in Alepochori", spielt neben dem Ausgangsort Pforzheim in den beiden Ländern Italien und Griechenland. Pforzheim ist dein Heimatort. Hast du ähnlich enge Beziehungen zu den beiden anderen beiden Ländern? 
Claudia: In Pforzheim wohne und arbeite ich. Ich bin mit einigen Unterbrechungen im Frankenland aufgewachsen. Das ist meine Heimat. „I bin a Frangg und des bassd fei.“
Mit Italien verbinden mich einige wenige Urlaubsziele. In erster Linie dient es als Durchfahrt nach Ancona, Venedig und bis letztes Jahr Triest, um die Fähre nach Hellas zu erreichen. Auf Rom kam ich, nachdem ich einige Bücher über das beschriebene Thema im Krimi inhaliert hatte.
Griechenland bezeichne ich als zweite Heimat. Land, Leute, Freunde, Flair. Ich kenne nach 22 Jahren Hellas einzelne Regionen wie meine Westentasche. In dem Kriminalroman steckt viel Wahrheit. Es gibt beziehungsweise gab erwähnte Menschen und auch Trixi in Alepochori.


Heidi: Welches ist für dich der schönste Platz auf der Welt?
Claudia (verschmitzt grinsend) Den verrate ich nicht. Wenn dort die Menschen einfallen, ist er nicht mehr schön.

Heidi: Das verstehe ich. Ich tippe mal auf irgendein entlegenes Bergdorf oder ein Inselchen in Griechenland. Aber lassen wir das. Sag mir zum Schluss nur noch eins: Was sind deine Pläne und Hoffnungen für die Zukunft?

Claudia: Im Vordergrund steht neben der Fertigstellung eines weiteren Kriminalromans, die Gesundheit. Da die Hoffnung bekanntlich zuletzt stirbt, gehe ich einfach meinen Weg weiter. Ein Traum wäre, vom Schreiben leben zu können. Leute, kauft meine Bücher! 

Wer jetzt auf Claudia Konrad und ihre Bücher neugierig geworden ist, findet mehr über sie uns ihre Werke auf ihrer Autorenwebsite. Und die Autorin "zum Greifen nah" gibt es am 15./16. März 2018 bei ihrem Auftritt auf der Leipziger Buchmesse.
 

8. Februar 2018

Tod in Alepochori von Claudia Konrad

Spannender Lesestoff für den Griechenlandurlaub

Das handliche, leichte Taschenbuch mit seiner recht großen, gut leserlichen Schrift passt sicher gut ins Reisegepäck und in die Badetasche für den Strand. Sein gelungenes weißblaues Coverbild mit typisch griechischen Ingredienzen und der griechische Ortsname im Titel lassen gleich auf "Griechisches" zwischen den Buchdeckeln schließen. Tatsächlich erweist sich das Buch als unterhaltsame Urlaubslektüre -- vorzugsweise im Land der Hellenen zu konsumieren – kleine Lerneffekte inbegriffen. Oder warum auch nicht sich das Vergnügen schon im trüben, kalten westeuropäischen Winter gönnen, um Vorfreude auf den Griechenlandurlaub zu schüren und nebenbei sich vielleicht einige griechische Alltagsfloskeln und -marotten einzuprägen, die man wiedererkennen wird, wenn einem tatsächlich endlich die griechische Sonne Haupt und Herz erwärmt?!

Auch Romreisende werden dies und jenes an Römischem bei der Lektüre aufschnappen. Denn auch in der Ewigen Stadt spielen einige Passagen, doch die schüren eher Ängste vor Maffia, Gaunertypen, Korruption und Verschwörungstheorien, als dass sie redliche, bodenständige, italienische Typen und lebensnahes italienisches Flair, Gebaren und Gepflogenheiten beschrieben. Speziell als Einstimmung auf das Urlaubsland kann man den Krimi deshalb zwar Griechenlandtouristen, nicht hingegen Italienreisenden empfehlen.

Wie schon vom Buchcover nahegelegt, liegt der Autorin neben ihrer Heimat Schwaben ganz offenbar eher Griechenland im Blut.

"Welle" - Ein Schwabe unter Griechen

Hauptperson des Krimis ist der Pforzheimer ehemalige Kriminalkommissar und seit seiner Pensionierung Sonderermittler Wellendorf-Renz, kurz "Welle" genannt von seinen Stammtischbrüdern und ehemaligen Polizei-Kollegen. Sein ständiger Begleiter heißt Trollinger wie sein Lieblingswein, hat vier Beine und eine (zu) gute Nase. Der Hund weicht nicht von seiner Seite  -- auch nicht in Griechenland, wohin eine Stammtischrunde Hund und Herrchen "katapultiert" hat, indem sie dem Witwer einfach ein Fährticket schenkte. Statt hier wie geplant einen gemütlichen Urlaub zu verbringen, lässt sich "Welle" von seinem Hund gleich weiter "katapulieren" mitten in einen Mordfall. Denn Trollinger hat eine Leiche geschnüffelt. Und "Welle" gibt sich der daraufhin gerufenen Polizei als "Kollege" zu erkennen und wird gleich involviert – nicht nur in den Mordfall, sondern auch in die Familie eines griechischen Polizisten, wo sich auch gleich noch eine Geschichte reifer Liebe anbahnt ...
Sehr erbaulich sind Welles putzigen, schwäbelnden Begegnungen mit griechischer Sprache, Mentalität und Eigenart zu lesen. Der Schwabe lässt sich erklären  was es mit Endaxi, Gamo to! und Gamisu! auf sich hat und stört sich auch an Malaka! nicht, das ihm eh' niemand übersetzt. Wie könnte man auch?! Dabei wirkt Welle immer sehr offen und sympathisch, so dass man ihm gern bei seinen gemütlichen Besichtungstouren nach Delphi, zum Golf von Korinth und nach Athen, bei seiner zarten Romanze mit der Mutter eines Polizei-"Kollegen" und bei seinen wilden Abenteuern mit Verbrechern, Mafia und Mördern folgt.

Tod in Alepochori
Taschenbuch, 210 Seiten
Pinguletta Verlag (2017)
ISBN-10: 3981767837
ISBN-13: 978-3981767834

16. Januar 2018

Neuer Lesestoff - Krimi mit Schauplatz Griechenland

Mein Lesezwerg hat mal wieder neuen Lesestoff entdeckt. Und nun hockt er da mitten im Bücherboard und liest, und liest ... und liest. Scheint spannend zu sein, das blau-weiße Buch mit den weißen Kirchenkuppeln auf dem Einband, das er sich gekrallt hat und in das er dermaßen vertieft ist!

Hm, "Tod in Alepochori" steht drauf. Klingt nach einem griechischen Handlungsort, wonach ja auch das Titelmotiv aussieht! Sobald er mich ranlässt, muss ich mir das Buch mal ansehen.Denn meine Lesezwerg hat keine schlechte Nase, wenn's ums Aufstöbern von Lesestoff geht und ist genauso ein Griechenlandfan wie ich.

19. Dezember 2017

Last Minute Geschenktipp: Bücher, die sich rasch besorgen lassen

Bücher sind das ideale Geschenk für die "letzte Minute". Deshalb nachstehend einige Buchtipps, die nette Geschenke für Leute sind, die gern nach Griechenland reisen, denen man Lust auf eine Hellasreise machen will, oder die einfach gern lesen.

Momentan sichert der Online-Händler Amazon für die nachstehenden Buchtipps zu, dass sie - jetzt bestelllt - noch rechtzeitig vor Weihnachten ankommen, wenn gewünscht auch in Geschenkverpackung direkt beim Beschenkten.

Doch auch der örtliche niedergelassene Buchhandel kann normalerweise solche Bücher ganz schnell innerhalb weniger Tage beschaffen.


Wie mit einer Ausnahme alle Bücher der Krimiserie des erfolgreichen griechischen Autors Petros Markaris so spielt auch sein neuestes Werk Offshore in Athen und macht mit der Stadt und mit griechischer Lebensart vertraut. Wieder kann der Leser bei der spannenden Lektüre in den Alltag der griechischen Hauptstadt eintauchen, während er den Ermittlungen des Kommissars Kostas Charitos folgt.
Hier mein Leseerlebnis




Mein "Fettnäpfchenführer Griechenland"  hilft nicht nur dabei, den Fuß von diversen Fettnäpfen fern zu halten, die im Land der Hellenen lauern, indem er kulturelle Besonderheiten, Sitten und Gebräuche erläutert. Es lässt sich auch als unterhaltsame, stimmungsvolle Reise- und Alltagsgeschichte von den ägäischen Inseln Kos, Nisyros, Tilos, Amorgos, Astypalea und Naxos lesen, die Reiselust und / oder Urlaubserinnerungen weckt.


In seiner Aphorismensammlung Über das Unglück, ein Grieche zu sein spießt der griechische Autor Nikos Dimou mit knackigen, kurzen Sätzen selbstironisch, selbstkritisch und provokant griechisches Wesen und griechische Befindlichkeit und Eigenheiten auf.


Im Palast von Knossos von Nikos Kazantzakis.

Dieser fesselnde, ursprünglich von dem großen griechischen Schriftsteller Kazantzakis als Jugendbuch verfasste Roman haucht Figuren der klassischen griechischen Mythologie wie Ariadne, Daidalos und Ikaros Leben ein und führt den Leser ganz plastisch mitten hinein in den Alltag einer 3.500 Jahre alten Zivilisation.





Der Roman  Die Schachspielerin von Bertina Henrichs spielt auf der Kykladeninsel Naxos (nicht wie der nach der Vorlage gedrehte Film auf Korsika) und steckt voller feiner Stimmungsbilder des griechischen Inselalltags.

3. September 2017

Der griechisch orthodoxe Pfarrer - in Alltag und Literatur

ιερέας (ieréas, sprich: jeréas) lautet das griechische Wort für Pfarrer. Orthodoxe Griechen nennen ihn aber statt dessen gern παπάς (papás). Wie so oft im Griechischen kommt es dabei mal wieder ganz auf die Betonung an. Betont man das ansonsten gleiche Wort statt auf dem letzten auf dem ersten a, so bedeutet es Papst.

Allenthalben trifft man in Griechenland auf ihn, den Papás, mit seinem im Nacken gebundenen Haupthaar, dem wallenden Bart und der schwarzen Kutte - seiner Alltagskluft, in der er sich unters Volk mischt, auf dem  Märkt um die besten Stücke feilscht, im Kafeníon plauscht und Távli spielt, auf den Panigyria, den Patronatsfesten der Kirchen, tanzt und allem, das seiner bedarf, seinen Segen spendet: Vom Weinberg, über das eröffnete Geschäft bis zum neuen Auto.

So sind seine Vorlieben und Schwächen der Kirchengemeinde bekannt. Die griechische Schriftstellerin Ioánna Karystiáni berichtet in ihrem Roman Die Frauen von Andros von den Schlichen ihrer Protagonistin, der Ehefrau des Kapitäns Sávvas Saltaféros. Wenn sie zur Beichte geht, nimmt sie stets ein Kästchen Havanna-Zigarren aus dem Schrank: »Die Schwächen von Papa-Filippas waren bekannt, die Zigarren, die sie stets vorrätig hatte, sollten ihr die Vergebung jeglicher Sünde oder Schuld erleichtern.«


28. August 2017

Offshore - der neue Krimi von Petros Markaris

Immer wieder ist der beliebte griechische Autor Petros Markaris für eine Überraschung gut. So auch diesmal wieder mit seinem neuen, letztes Jahr auf Griechisch erschienenen Krimi, der nun auch in deutscher Übersetzung vorliegt.

Das Stammpersonal ist das aus den bisherigen Folgen der Krimireihe bekannte geblieben - der etwas schrullige und altmodische, aber gewiefte, sympatische und rechtschaffene Kommissar Kostas Charitos, seine fürsorgliche, patente Frau Adriani, seine inzwischen erwachsene Tochter Katerina - eine Rechtsanwältin - und deren Mann, der Kardiologe Fanis, dessen Eltern, Katerinas Partnerin und gute Freundin Mania, deren deutscher Ehemann Uli und der engste Freund der Familie, der Altkommunist Sissis. Kostas kennt ihn seit seinen ersten Tagen bei der Polizei während der Zeit der Militärdiktatur, als er ihn im Foltergefängnis der Machthaber, in dem er einsaß, zu bewachen hatte, und alle Familienmitglieder konsultieren ihn gern, wenn sie mal nicht mehr weiter wissen, da er voller Lebensweisheit steckt und schon soviel durchgemacht hat, dass ihn offenbar nichts mehr erschüttern kann. Auch die Mitarbeiter des Kostas Charitos und sein Chef Gikas sind wieder mit von der Partie. Doch hat man ihnen einen neuen Vizepolizeipräsidenten vorgesetzt, der ihnen genaue Vorgaben machen und laufend informiert sein will und mit dem sie bald in Konflikt geraten sollen.
Ein Personenverzeichnis am Ende des Buchs will dafür sorgen, dass man nicht den Überblick verliert. Nur tut man sich bei der alphabetischen Suche darin schwer, weil nach Nachnamen sortiert ist, im Text hingegen meist die Vornamen auftauchen.

Markaris lässt seinen neuen Krimi zum griechischen Osterfest beginnen - dem größten Fest des griechisch orthodoxen Jahreszyklus. Auf die Prozession am Karfreitag folgen die Osterwünsche "Chronia pollá ke kalí Anástasi" (wörtlich "Viele Jahre und gute Auferstehung" - in der Übersetzung von Michaela Prinzinger mit "Alles Gute und frohe Ostern" übersetzt) und schließlich der Ostergruß "Christós anésti" ("Christus ist auferstanden"). Tatsächlich geht mit der frohen Osterbotschaft ein munterer Aufschwung im Lande einher. Schluß mit Grabesstille in den Straßen Athens. Die Blechlawinen rollen wieder, Hupkonzerte ertönen. Es geht aufwärts in der Stadt und im Land, in das neues Geld fließt und in das die Reeder, die zuvor im Ausland ihre Firmensitze hatten, zurückkehren. Doch was mag diese plötzliche Wende herbeigeführt haben? War es das Gelübde, das Adriani, die Frau des Kommissars Kostas abgelegt hat, die damit die Muttergottes anflehte, die Krise möge ein baldiges Ende haben? Oder was steckt dahinter?

Dies ist der fünfte Krimi aus der insgesamt schon 11 Folgen umfassenden Serie, in dem Machenschaften und Morde vor dem Hintergrund der Finanzkrise in Griechenland geschehen. Drei davon hatte Markaris als Krisentrilogie ausgelegt. Dann folgte „Zurück auf Start“ (griechischer Titel Tifloi telous (Abspann)) als Epilog zur Krisenkrimi-Triologie und nun dieses neueste Werk, das erstmals nicht die reale Situation Griechenlands widerspiegelt, sondern auf die Fiktion aufsetzt, die Krise sei durch einen plötzlichen Zustrom an Investitionen und einen damit einhergehenden Aufschwung überwunden.

Obwohl diesmal vor einem fiktiven Hintergrund agiert wird, ist auch dieser neue Band der Krimireihe wieder geeignet, sich in griechisches Brauchtum und griechische Lebensart einzulesen. Schön sind die Osterbräuche beschrieben. Die Übersetzerin lässt dabei kleine Erklärungen einfließen, wie beispielsweise die des Epitaphios und der Lambada, der "blumengeschmückten Bahre mit einem Stofftuch, das mit der Ikonendarstellung der 'Totenklage am Grab' bestickt ist" und in den Karfreitagsprozessionen mitgeführt wird und der "Osterkerze". Viel an griechischer Mentalität und griechischem Alltag fließt auch wieder in diesen neuen spannenden Roman ein. Wohl um den Lesefluss nicht zu stören hat die Übersetzerin komplizierte Wegbeschreibungen durch Athen gekürzt. Außerdem hat sie teils die Duz- beziehungsweise Siezgewohnheiten deutschem Usus angepasst. Das mag sinnvoll sein, um kein falsches Licht auf die Akteure zu werfen, die ganz nach griechischer Gewohnheit mal Gleichgestellte und Untergebene duzen, Höhergestellte hingegen siezen, mal munter zwischen Du und Sie hin- und herspringen. Näher dran an der griechischen Gepflogenheit wäre es gewesen, auf diese Anpassung zu verzichten. Insgesamt liest sich die Übersetzung angenehm flüssig und wird dem Werk gut gerecht.

Interessant die verschiedene Cover-Gestaltung des griechischen Originals und der Übersetzung. Auf dem schwarzen Originalcover schwebt eine riesige schattengraue Hand über den ebenso schattengrauen Umrissen Griechenlands und dirigiert es mit blutroten Strippen. Welch ein Sinnbild!
Der leinengebundenen deutschen Übersetzung wurde ein weißer Schutzumschlag übergezogen, auf dem ein urlaubssonniges Bild einer griechischen Bucht mit Segelboot auf dem blauem Meer prangt.

19. August 2017

Gerade gelesen: Sonne, Schüsse und Souvlaki

Sonne, Schüsse und Souvlaki -
Kulinarische Krimis aus Griechenland garniert mit Kochrezepten


An den 16 literarischen und kulinarischen Leckerbissen des Krimibands Sonne, Schüsse und Souvlaki habe ich die letzten Sommerwochen genascht wie an einer einladenden Pralinenschachtel. Mal am Badesee, mal bei einem kleinen Päuschen auf dem Liegestuhl im Garten, mal in der Straßenbahn auf der Fahrt in die Stadt habe ich eine der 16 kleinen, in sich geschlossenen Krimigeschichten gelesen. Dabei durfte ich reinschmecken in die unterschiedlichen Erzählweisen von 16 Autor(inn)en und mir bei den griechischen Kochrezepten, die jedem ihrer kleinen Krimis folgen, den Mund wässrig machen. 

Griechische Handlungsorte

Nicht nur nach Athen und Piräus und auf bekannte griechische Inseln wie Kos und Rhodos führen die 16 Kriminalgeschichten. Auch in Gegenden, die kaum in einem Urlaubsprospekt auftauchen, spielen einige der Geschichten.
So hält in der ersten mit dem Titel Dim und Nik waren hier der Ich-Erzähler seinen Monolog in einer Höhle auf der kleinen Kykladeninsel Antiparos, in der er mit seinem Freund festsitzt und auf Ereignisse und Umstände zurückblickt, die die beiden hierher verschlagen haben: Auf einen Mord und auf eine seltsame Freundschaft.

Auf die Insel Kythira südlich der Peloponnes geht die letzte Krimireise des Bands. Vor ihrer Küste liegt das Calypsotief, die mit fast 5300 Metern tiefste Stelle des Mittelmeers. Und dieses Meerestief hat die mit ihrem Ehemann unzufriedene mannstolle Icherzählerin der Geschichte inspiriert ...!

Reiseerinnerungen und Reiselust werden erweckt


Diese erste und letzte ebenso wie einige der anderen Geschichten, die die Buchseiten dazwischen füllen, ließen in mir Urlaubserinnerungen wach werden. Ganz besonders Nessa Alturas Kos betitelte Geschichte!  In ihr geschieht fast genau das, was ich befürchtet hatte, als ich einst in der Embros Therma saß - einem natürlichen Thermalbecken im Meer im Südostteil der Dodekanes-Insel Kos. Vom steilen Küstenfels stürzt ein Tier herab - nur ist das der Nessa Altura eine Nummer größer als die Tiere, die ich damals tatsächlich dort droben am Fels herumklettern und kleine Steine lostreten sah. Nicht nur wegen dieser Episode, die so nah an meine eigenen Erinnerung herankommt, ist Alturas vielschichtige Kurzgeschichte eine meiner Lieblingsgeschichten der Anthologie. Der erschreckende Absturz ist nur eines der vielen Momente, an die sich die Protagonistin der Erzählung erinnert, während sie auf die Etappen ihrer Ehe mit einem Griechen und ihre gemeinsamen Reisen auf dessen Heimatinsel zurückblickt. Vor allem geht es um einen ehemaligen heimlichen Verehrer, um die Eifersucht ihres griechischen Gatten und um ein Mal auf dessen Haut, das an die Umrisse der Insel Kos erinnert und das ihr aus einem ganz bestimmten Grund ganz besonders gefällt.


Griechische Landschaften und Mentalität, Mythologisches, Philosophisches, Musikalisches und vieles mehr scheinen in einzelnen der Erzählungen auf

In einige Geschichten fließen viel von griechischer Mentalität und Befindlichkeit sowie von ganz aktuellen Problemen der Menschen in einem krisengeschüttelten Land ein. Manche enthalten schöne Landschaftsbeschreibungen, wie beispielsweise Das Geheimnis der Zagorochoria, eine Erzählung, die in einer Gebirgsgegend in der nordwestgriechischen Region Epirus spielt und durch Gebirgsstraßen mit atemberaubenden Aussichten und in Bergdörfer mit schönen alten Steinhäusern führt.

Ein wenig mythologisch angehaucht kommt die turbulente und unheimliche Erzählung Charon von Marcus Imbsweiler daher, ein wenig philosophisch Die Wespen von Jutta Motz .

Musikalisch wird es in O Saltadoros des österreichischen Journalisten und Schriftstellers Günther Zäuner - auch dies, wie "Kos", eine meiner Lieblingsgechichten aus der Kriminalanthologie.

So bietet die Anthologie nicht nur spannende Lektüre, sondern vermittelt auch etliches an Hintergrund über Land und Leute.
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6. August 2017

Das neue Griechenlandjournal ist da!

Eine schöne Lektüre für entspannte Stunden auf dem Liegestuhl, ob im Urlaub oder daheim: Die Ausgabe Sommer 2017 des von der Griechenlandzeitung herausgegebenen Griechenland-Journals, die unter dem Motto Griechenland von A bis Z steht und vor allem die nicht augenfälligen, überraschenden Seiten des Landes zeigt, die es sonst kaum in die Presse und und in die einschlägigen Reiseführer schaffen.
Anregungen zum Reisen und Genießen und viel Wissenswertes über Land und Leute vermitteln die reich bebilderten, lesenwerten Artikel des Journals, die Einblick in den traditionellen Bootsbau und in innovative kleine Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe bieten, Hintergründe zu Brauchtum, Ikonenmalerei und vielem mehr beleuchten und Orte abseits der üblichen Touristenpfade und Kulinarisches jenseits von Gyros und Tzatziki entdecken lassen.

4. Juli 2017

Neuer Lesestoff - Let's go Hellas

Let's go Hellas ist das Motto des neues Lesestoffs, der auf mich wartet.

Let's go Hellas ist der Titel des Buchs von Georg Petras, der aus Unternehmersicht über das aktuelle Griechenland berichtet und meint: "Griechenland, jetzt erst recht!"

Hellas ist aber auch Schauplatz des zweiten Buchs, auf das ich mich als unterhaltsame Sommer- und Liegestuhllektüre freue: "Sonne, Schüsse und Souvlaki" - Kulinarische Krimis aus Griechenland garniert mit 16 Kochrezepten.

21. März 2017

Poesie ist in Griechenland allgegenwärtig

Zum heutigen World Poetry Day kommt mir in den Sinn, wie allgegenwärtig Poesie in Griechenland ist. Gedichte großer griechischer Poeten wie Giánnis Rítsos, Dionýsios Solomós, Napoléon Lapathiótis und der Literaturnobelpreisträger Giórgos Seféris und Odysséas Elýtis verstauben nicht vergessen auf Bücherregalen. Aus vielen von ihnen wurden populäre Lieder, die auf den Straßen und in den Tavernen des Landes zu hören sind. Als man Seféris zu Grabe trug säumten tausende Menschen die Straßen und sangen sein  Gedicht Arnisi (Entsagung) zu der von Mikis Theodorakis dazu komponierten Melodie. Unter dem Video die ungefähre deutsche Übersetzung in Prosa. Denn leider kennt man im deutschsprachigen Raum die Melodie eher mit einem ganz anderen Text mit dem Titel "Zusammenleben", gesungen von Milva, der nichts mit dem Ursprungstext, für den Theodorakis die Melodie schrieb zu tun hat.

An dem versteckten Strand,
der weiß wie eine Taube war,
bekamen wir mittags Durst,
aber das Wasser war brackig.

Auf den goldenen Sand
schrieben wir ihren Namen.
Wie schön wehte die Brise
und die Schrift erlosch.

Wie beherzt und begeistert
voller Wünsche und Leidenschaft
begannen wir unser Leben; Fehler!
Und wir änderten das Leben.

26. Februar 2017

Oberst Ljapkin von M. Karagatsis

Geschmack gefunden am Werk des griechischen Schriftstellers M. Karagatsis hatte ich bei der Lektüre seines 1957 auf Griechisch erschienenen und erst jetzt ins Deutsche übersetzten raffinierten, komplexen Kriminal- und Gesellschaftsromans Das gelbe Dossier. Nun habe ich auch seinen ersten, 1933 in Griechenland veröffentlichten Roman Oberst Ljapkin gelesen, der ebenfalls erst seit 2016 auf Deutsch vorliegt.

Griechische Provinz der Jahre nach dem ersten Weltkrieg

Ein fein gezeichnetes Bild des kleinstädtischen und dörflichen Lebens und der Landschaften der griechischen Region Thessalien

Während sein späterer Roman "Das Gelbe Dossier" in Athen spielt, führt uns Karagatsis mit seinem 1933 im Alter von 25 Jahren geschriebenen Jugendwerk über den Oberst Ljapkin in die griechische Provinz. An einer Landwirtschaftsschule beim Dorf Philippoupoli in der Nähe der Kleinstadt Larisa fand der vor den Bolschewiken geflohene russische Aristokrat und ehemalige Großgrundbesitzer Graf David Borissitsch Ljapkin eine Anstellung. Wie eine kleine, grünende und blühende Oase liegt die Schule mit ihren angrenzenden Stallungen, Gärten und Feldern inmitten weiter, baumloser Ebenen, die an die ukrainische Steppe erinnern. Herbst war es, als Ljapkin seine Stellung antrat. Morgens und abends steigen Nebel aus dem Fluss auf, doch tagsüber scheint eine "alles in klares, strenges Licht tauchende Herbstsonne". Es folgte ein harter Winter. "Tiefdunkel" und "gleichmäßig vom Pflug durchkämmt" liegen die weiten Flächen nun vor dem in der Ferne thronende und bis zu seinen Ausläufern mit Schnee bedeckten Olymp. "Die Schar der Krähen am bleiernen Himmel und auf den trockenen Zweigen wurde größer, und das Gekrächze herzzerreißender als sonst. Die Kälte und der Hunger ließen die Vögel noch schwärzer und trauriger aussehen." Das Frühjahr färbt den dunkelbraunen Boden grün. Bald wiegt sich darauf mit Beginn des Sommers "ein goldgrünes Meer von Ähren bis zum Horizont. Aber auf die Erntezeit folgte die Trostlosigkeit. Der Südwind versengte mit seinem heißen Atem jegliche Vegetation, und die Dohlen verschlingen die letzten Frösche in den morastigen Bewässerungsgräben."

Griechische Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft

Das in der Geschichte immer wieder aufscheinende Mitgefühl und herzliche Entgegenkommen gegenüber dem Neuankömmling zeugen von der gelebten Willkommenskultur der Griechen. 

Auf viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft trifft Ljapkin in Griechenland, wo der Fünfzigjährige nach Verlust all seines Hab und Guts und seiner Stellung als ranghoher Soldat der Zarenarmee sein Leben neu beginnen musste. Der Direktor der Schule, an der er arbeitet, wird ihm zum Freund, der ein offenes Ohr und viel Verständnis für ihn hat und sich laufend dafür einsetzt, seine Situation zu verbessern. Die Frau des Direktors wird ihm später zur Ehestifterin und Trauzeugin, die tatkräftig versucht, sein Leben und das seiner bisherigen Lebensgefährtin und Mutter seiner Kinder in geordnete, eheliche Bahnen zu lenken. Gern würden die beiden ebenso wie Kollegen und die kleinstädtische Gesellschaft Ljapkin dazu bewegen, mehr aus sich herauszugehen und sich in ihre Gemeinschaft zu integrieren. Immer wieder machen sie entsprechende Vorstöße. Verständnisvoll begegnen sie seinem Anderssein, ja selbst seinem zunehmenden Alkoholismus. Damit beschreibt der Roman das typische, offene, gast- und fremdenfreundliche Verhalten der Griechen, das zu allen Zeiten zu spüren war und ist - Von der schweren Zeit, zu der der Roman spielt bis in unsere Tage, die auch wieder fürwahr nicht einfach sind für Griechenland. Das verleiht dem Roman Aktualität. Die 1920-er Jahre in Griechenland waren eine unruhige, von Militärputschs geprägte Zeit. Vor allem aber galt es damals beileibe nicht nur die vergleichsweise geringe Zahl an russischen Flüchtlingen zu integrieren, denen sich der Roman widmet, sondern weit mehr aus Kleinasien Vertriebene, so dass Ende der 1920er Jahre der Flüchtlingsanteil in Griechenland ein Viertel der Bevölkerung ausmachte. Angesichts heutiger Flüchtlingsströme und der erneuten großen Hilfsbereitschaft und Offenheit der ja auch selbst schwer unter Entbehrungen durch Krise und Sparpolitik leidenden Griechen in unseren Tagen eine schöne Kontinuität!

Osteuropäische Mentalität

Von Heimweh geplagte russische Seele trifft auf die griechische 

Sehr zögerlich war Ljapkin, wenn es darum ging, am gesellschaftlichen Leben der Schule und der Stadt Larissa teilzunehmen. Die Einladung der Frau Direktor zu einer Silvesterfeier konnte er indes nicht ausschlagen. Der Abend verlief sehr angenehm und Ljapkin verstand es, sich mit der Leichtigkeit des geborenen Adeligen in die weltmännische Umgebung einzufügen. Er trank viel, redete viel, war guter Laune, machte den Damen reizende Komplimente, tanzte mit ihnen und erntete viele Beachtung und Bewunderung. Und dann zu vorgerückter Stunde holte er seine Balalaika und begann zu spielen und zu singen. "Die Griechen mit ihrem klaren und rationalisierten Seelenleben, dem Gefühl für das Maß in Freude und Trauer, hörten diesen für sie neuartigen Harmonien mit beklommenem Herzen zu. Eine unbekannte Welt tauchte vor ihren Augen auf" .... "Die Stimme eines menschlichen Volkes, so menschlich, dass es ans Unmenschliche reicht, mit einem Seelenleben, das so überbordet, dass es bisweilen sogar das seelische Minimum neutralisiert; die Stimme eines Volkes, das seine Stärken und Schwächen kennt, eine Stimme, die ein Mal in den Herzen der schlauen Mittelmeerbewohner hinterließ." Ljapkins Mund zittert, seine Stimme droht zu versagen, "aber er singt seinen Schmerz hinaus mit der Beharrlichkeit einer unbesiegten Seele und eines besiegten Willens. Es ist sein eigenes Drama, das er besingt. Wann wird er seine Heimat wiedersehen? Wann? "

Fazit

Sehr unterschiedlich sind die beiden nun auf Deutsch vorliegenden Werke von Karagatsis, bei denen es sich einerseits um sein Debüt und andererseits sein drei Jahre vor seinem Tod erschienenes, vorletztes fertiggestelltes Werk handelt.

Das Frühwerk Oberst Ljapkin wird vor allem all jene ansprechen und befriedigen, die sich angesichts der wenigen ins Deutsche übertragenen griechischen Romane erhoffen, bei der Lektüre in griechische Orte, Epochen, Denk- und Empfindungsweisen einzutauchen. Dies gelingt mit diesem Roman vortrefflich.

Karagatsis komplexeres, spannenderes und moderner wirkendes Spätwerk "Das gelbe Dossier" ist ein Stück Weltliteratur, an dem wohl jeder Literaturfreund seine helle Freude haben wird. Nur, wer in aller erster Linie darauf aus ist, möglichst viel über die griechischen Handlungsorte und -zeiträume zu erfahren, mag etwas enttäuscht werden und ist beim "Oberst Ljapkin" besser aufgehoben. Denn so plastisch wie in diesem Frühwerk des Autors Landschaften und kleinstädtisches und dörfliches Leben Thessaliens, zeichnen sich in seinem ausgereiften Spätwerk "Das gelbe Dossier" dessen Handlungsort Athen mit seinen Bewohnern nicht ab, weil es großenteils in geschlossenen Räumen und einem geschlossenen Kreis von Protagonisten spielt.
Mich als Griechenlandfan begeistern an dem Roman Oberst Ljapkin vor allem seine stimmungsvolle Beschreibung der griechischen Handlungsorte und seine treffenden Studien der Gesellschaft und einzelner Charaktäre. Reizvoll finde ich auch die Auslotung der seelischen Auswirkungen des Heimatsverlusts und des Aufeinandertreffens zweiter Mentalitäten und Kulturen, die wir Westler leicht versucht sind, in einen osteuropäischen Topf zu schmeißen. Ein erbauliches und erhellendes Werk!

4. Januar 2017

Das gelbe Dossier von M. Karagatsis

DAS GELBE DOSSIER von M. Karagatsis war meine Lektüre während der Feiertage und dem Jahreswechsel

Über 600 Seiten Lesevergnügen liegen hinter mir.

Es ist ein vielschichtiger, raffinierter, komplexer Gesellschaftsroman, den ich gerade zugeklappt habe. Damit wirkt das bereits 1956 in Griechenland erschienene und erst letztes Jahr in deutscher Übersetzung veröffentlichte Werk literarisch kunstvoll und modern. Sein Aufbau ist verschachtelt, aber so klar konstruiert, dass man als Leser seine Raffinesse genießt, den Faden aber nie verliert.

Drei Literaten im Mittelpunkt

Es geht in erster Linie um drei Schriftsteller: Um den Autor, der sich selbst zu einer der Romanfiguren macht, um den "Satan" Manos Tassakos und den "Erzengel" Kostis Roussis.

Ein Krimi, eine gelebte Philosophie und ein teufliches Experiment

Ausgangspunkt ist der als Selbstmord inszenierte Tod des Manos Tassakos im Athen des Jahres 1938. 16 Jahre danach bekommt der Autor Karagatsis ein dickes Dossier mit gelbem Deckel und der Anmerkung, er solle aus dem darin gesammelten Material den Roman machen, den Tassakos eigentlich selbst hätte schreiben wollen, wäre ihm nicht der Tod zuvorgekommen.

Das satanische an Tassakos ist, dass er alle übrigen Romanfiguren - die mit ihm und Roussis eng durch ein Geflecht von Abhängigkeiten, Emotionen und Leidenschaften verbunden sind, weniger als menschliche Wesen, denn als Material wahrnimmt - Experimentiermaterial für sein Romanprojekt. Um größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen, gilt es an deren Lebensbedingungen zu drehen und zu schrauben und sie gegeneinander auszuspielen, um die These dass unter den Leidenschaften der menschlichen Natur die Besitzgier an oberster Stelle steht experimentell zu untermauern oder zu widerlegen und daraus schließlich einen meisterlichen experimentellen Roman zu zimmern. Da er nicht nur Schriftsteller ist, sondern Recht studiert hat und als Rechtsanwalt und Anlageberater für seine "Versuchskaninchen" fungiert, ist ihm das ein Leichtes.

Tassakos zum Satan und Roussis zum Erzengel ernannt hat des einen Geliebte und anderen spätere Ehefrau Maria Petropoulou, ein mitgiftloses Opfer der in jenen Jahren herrschenden patriarchalischen Gesellschaft, das sich allerdings sehr wohl zu wehren und seinen eigenen Weg zu gehen weiß. Vor der Zeit mit Maria hatte vor allem Roussis auch ganz andere Züge gezeigt. In einem anderen Erzählstrang fließt dessen von Schicksalsschlägen geprägte Vorgeschichte ein, die schließlich seine rätselhafte Handlungsweise und Morphiumabhängigkeit erklärt. Tassakos hatte man zuvor als jemanden erlebt, der konsequent und rücksichtslos seine Philosophie lebt, eine von Nietzsche geprägte Philosophie, mit der er eine Einstellung untermauert, der jedes Mittel recht ist, wenn der Zweck es erfordert und die notfalls über Leichen geht.

Ein enger Kreis an Romanfiguren

Um diese zentralen Figuren gruppieren sich Marias Vater sowie der Neffe, der Sohn und der Arzt von Roussis. Eine Haushälterin führt das Zepter im Hause Roussis, bis man es ihr entreißt. Ein langweilige Reden schwingender Professor sowie der Roussis' Verleger gehören zu den wenigen Gästen, die Roussis einmal die Woche abends besuchen. Eine weitere Geliebte von Tassakos tritt auf. Damit schließt sich der Kreis auch schon fast. Hauspersonal, Notar und Geschäftspartner spielen eine marginale Rolle, wobei als interessant zu vermerken ist, dass ein Geschäftspartner von Roussis' Sohn den aus anderen Werken des Autors bekannten Namen Junkermann trägt. Ansonsten bleibt der Kreis der agierenden und vor allem viel debattierenden Figuren eng.

Industrie statt Bourgeoisie

"Es geht um die Bewohner der 'Burg von Athen', wie man damals den Stadtteil Kolonaki am Fuße des Lykavittos-Hügels nannte, in dem die reichen Griechen wohnten", verspricht der griechische Schriftsteller Petros Markaris im Vorwort. Meine daraus hergeleitete Hoffnung, mehr über dieses Viertel und über Leben und Gepflogenheiten der reichen Athener Bourgeoisie im Handlungszeitraum der 1920er­ und 1930er­Jahre zu erfahren, blieb allerdings enttäuscht. Über weite Strecken spielt die Handlung in geschlossenen Räumen, großenteils im luxuriösen, mit immensen Kunstschätzen ausgestatteten Haus von Roussis, in dem er mit seinem Neffen lebt. Roussis verlässt es zunächst gar nicht. Besuche finden nur an einem Abend in der Woche statt, allerdings stets von den Personen des ewig gleichen engen Kreises. Erst gegen Ende, nachdem er die viel jüngere Maria geheiratet und mit deren Hilfe vom Morphium losgekommen ist, geht er mir ihr nach draußen und schnuppert hinein in eine ganz andere Welt als die des Athener Nobelviertels Kolonaki - die Welt der aufkeimenden Industrialisierung mit ihren rauchenden Schloten und lärmenden Maschinen. Dieser Aspekt Griechenlands wird plastisch beschrieben. Er fasziniert Roussis. "Die Pressen vergleicht er mit den Fäusten weiser Giganten, die dem schmiegsamen Stahl in der Gussform Gestalt verleihen.Von den Lampen in der Trockenhalle erzählt er wie von dreihundert kleinen Sonnen, symmetrisch angeordneten Wärmequellen."

Von Anfang bis Ende ein spannendes, lohnendes Leseerlebnis

Letztendlich war es mir also nicht in dem erhofften Maße gelungen, durch das Buch in das Milieu der Athener Bourgeoisie des Handlungszeitraums einzutauchen. Dafür brachte mir das "Das gelbe Dossier" andere, unerwartete Lesefreuden. Der Spannungsbogen riss nie ab, während ich den oft unerwarteten Entwicklungen und Verwicklungen der Protagonisten folgte, die so detailreich, einfühlsam und plastisch beschrieben sind, dass ich sie gleichsam vor Augen hatte, als ich von ihrem Leben und Streben, ihren Leidenschaften, Machenschaften, Hoffnungen und Enttäuschungen las und ihren geistreichen Debatten über Philosophie, Moral, Religion, Recht, die Natur des Menschen, Kunst, Literatur, Staat und Gesellschaft beiwohnte.

Nun bin ich gespannt auf das nächste, ebenfalls 2016 auf Deutsch erschienene Buch des Autors, das auch schon neben meinem Lesesessel liegt: Oberst Ljapkin

24. Dezember 2016

Kalá Christújenna - Frohe Weihnachten 2016

 Καλά Χριστούγεννα - Kalá Christújenna - Frohe Weihnachten

wünsche ich allen Bloglesern!

 Auch in Griechenland träumt man gern von einer weißen Weihnacht.  Das Lied „Chionia sto kabanario“ (Schnee auf dem Glockenturm) besingt sie. Es wird zur Weihnachtszeit in ganz Griechenland viel gesungen, obwohl die Aussicht, dass es wirklich schneit, von Norden gen Süden des Landes zunehmend geringer wird.
Der Text des Liedes stammt von dem 1888 in Smyrna geborenen und 1962 in Athen verstorbene Arzt und Literaten Stelios Sperantzas, der vor allem für seine Kindergedichte bekannt ist. Einige davon haben Eingang in griechische Schullesebücher gefunden.
(Quelle Sansimera.gr)
 
SCHNEE AUF DEM GLOCKENTURM
Schnee auf dem Glockenturm, das bedeutet Weihnachten. Schnee auf dem Glockenturm, das ganze Dorf ist erwacht. 
Din-Dan-Don, Din-Don! Din-Dan-Don, Din-Don!
Und alle gehen zur Kirche um Christus anzueten. Und alle gehen zur Kirche. Die Muttergottes strahlt heute Abend.
ΧΙΟΝΙΑ ΣΤΟ ΚΑΜΠΑΝΑΡΙΟ
Χιόνια στο καμπαναριό, που Χριστούγεννα σημαίνει. Χιόνια στο καμπαναριό, ξύπνησ' όλο το χωριό. 

Ντιν-νταν-ντον Ντιν-Ντον! Ντιν-νταν-ντον Ντιν-Ντον! 
Κι όλοι παν στην εκκλησιά το Χριστό να προσκυνήσουν. Κι όλοι παν στην εκκλησιά , λάμπει απόψε η Παναγιά.
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17. Dezember 2016

"Mary" von Aris Fioretos - Buchvorstellung am 17. 1.2017 in München

Viel interessanten Lesestoff aus und über Griechenland gibt es zur Zeit. Da komme ich gar nicht nach. Während sich neben meinem Lesesessel schon kürzlich erschienene deutsche Übersetzungen von Werken bedeutender griechischer Autoren stapeln und ich zur Zeit am "Gelben Dossier"von M. Karagatsis lese, hat der neue Roman Mary von Aris Fioretos - einem schwedischen Schriftsteller griechisch-österreichischer Herkunft - mein Interesse geweckt. Er spielt zur Zeit der Mililtärjunta, die Griechenland von 1967 bis 1974 beherrschte, und erzählt die Geschichte eines ihrer Opfer, einer von den Machthabern auf die kleine, kahle griechische Insel Jaros verbannten jungen Frau. Gespannt auf dieses neue Buch von Aris Fioretos bin ich, weil ich mit viel Vergnügen seinen Roman "Der letzte Grieche" gelesen habe.

Am 17. Januar 2017 ist Aris Fioretos im Literaturhaus München zu Gast.

12. Dezember 2016

Viel packende Lektüre

Momentan lese ich "DAS GELBE DOSSIER" von M. Karagatsis, einem ebenso großen Meister der Erzählkunst wie der in Europa weitaus bekanntere Nikos Kazantzakis, wenn man Petros Markaris glauben will, der die Einleitung zu dem Buch geschrieben hat. Und ich glaube ihm. Denn einerseits schätze ich Markaris und seine Werke sehr. Und andererseits hat mich "DAS GELBE DOSSIER" nach der Lektüre des ersten Kapitels auch schon selbst in seinen Bann gezogen. So sehr, dass ich mir auch gleich ein den Debütroman des Autors mit dem Titel OBERST LJAPKIN kommen ließ. Durch den Vergleich in Markaris' Einleitung an Nikos Kazantzakis erinnert, weckte ferner ein auch gerade auf Deutsch erschienenes Buch mein Interesse, in dem sich Kazantzakis mit antiker Mythologie beschäftigt: "IM PALAST VON KNOSSOS".

Damit läge ja nun genug Lektüre für die langen Winterabende bereit.

Noch habe ich ohnehin eine ganze Weile am GELBEN DOSSIER von M. Karagatsis zu schmökern.
Erst bis zur Seite 170 bin ich vorgedrungen. Über 600 Seiten hat das Buch.

Nachdem mich die Erläuterung "WIE DAS GELBE DOSSIER IN DIE HÄNDE DES AUTORS GELANGTE" zu Beginn des Buchs ordentlich neugierig gemacht hatte, begegnete ich im folgenden ERSTEN KAPITEL als zentralen Protagonisten neben der zu Tode gekommenen Hauptperson Manos Tassakos einem großen griechischen Literaten mit Augen, die eine Welt für sich sind:
groß, braun, rastlos, unruhig reflektieren sie mit zuverlässiger Deutlichkeit selbst die kleinste Nuance eines gewaltigen, komplexen, methodischen, durchdringenden und auf vielfältige Weise widersprünglichen Denkens, das zugleich aber mit einer extremen, in ihrer Beweglichkeit geradezu dämonischen und unzähligen Wechseln und Wendungen unterliegenden Sensibilität verwoben ist.
Es war mir vergönnt, die literarischen, philosophischen und juristischen Debatten des Besitzers dieser faszinierenden Augen namens Kostis Rousssis mit dem nicht minder interessanten Anwalt und Schriftsteller Tassakos zu verfolgen und die weiteren Personen seines im Laufe der Geschehnisse verengenden Kreises kennenzulernen - ihnen in die Augen zu sehen:
In ihren wässrigen, unbeseelten, farblos blauen Augen blitzte für einen Moment der Anschein eines wilden, urwüchsigen, grausamen Lebens auf ...
So oder ähnlich würde wohl auch eine rasende altersgeile Tigerin das junge Männchen anstieren, nach dem sie lechzt, bevor sie über es herfällt, um es zu zerfleischen, unfähig, sich auf andere Weise an ihm zu erfreuen.
Wehe Dir, Tassakos! Du, dessen Ableben Rätsel aufgibt, ob es denn wirklich, wie eine Abschiedsnotiz besagt, Selbstmord war, bist es, den Roussis' ältliche Haushälterin Katerina im Blick hat, während es derart in ihren Augen blitzt und den sie gern mit dem Lächeln einer verliebten Natter begrüßt.

Dann bin ich mal gespannt, wie es weiter geht! Morgen gehe ich das zweite Kapitel an. 

 

30. November 2016

Neuer Lesestoff: Das gelbe Dossier von M. Karagatsis

Zeit für meinen Lesezwerg und mich einen griechischen Autor zu entdecken, von dem wir bislang noch gar nichts gelesen haben, obwohl er zu den großen griechischen Schriftstellern der Generation der 30er Jahre zählt: M. Karagatsis (1908–1960) beziehungsweise Dimitrios Rodopoulos, wie sein echter Name lautet. Und leicht gemacht wird uns die Lektüre. Denn wir brauchen unser noch recht lückenhaftes Griechisch dazu nicht zu bemühen. Sein erstmals 1956 veröffentlichter Roman "Das gelbe Dossier", der uns mit einer spannenden Krimihandlung in die Athener Bourgeoisie der 1920er­ und 1930er­Jahre entführen soll, liegt nun seit diesem Herbst endlich in deutscher Übersetzung von Theo Votsos vor.

Weitere Artikel:
Was ich mit meinem graecophilen Lesezwerg sonst in letzter Zeit so lese:
3 Bücher zu ganz verschiedenen Aspekten Griechenlands 
Comicbände von Arkas
Werke des Griechen Christos Ikonomou und teils griechischstämmigen Andreas Schäfer
3 Bücher zur Krise des Euro und Griechenlands 

16. November 2016

Neuer Lesestoff: 2 neue Bücher von Markaris

Am 1. Januar 2017 wird der griechische Schriftsteller Petros Markaris achtzig und noch immer ist er sehr produktiv. So konnte ich auch von meiner diesjährigen Herbstreise nach Griechenland wieder ein neues Buch von ihm mitnehmen - einen neuen Krimi seiner Reihe um den Athener Kommissar Charitos mit dem Titel "Offshore". Ausnahmsweise spielt dieser Band nicht in der Gegenwart, sondern in einer Zukunft, in der die Krise in Griechenland überwunden ist und mysteriöser Weise plötzlich massenhaft Geld ins Land strömt. Ich bin gespannt. An der deutschen Übersetzung arbeitet seine Übersetzerin Michaela Prinzinger gerade. Ab Sommer 2017 dürfen wir auf ihr Erscheinen hoffen.

Auf Deutsch bereits erschienen ist indes ein Erzählband von Markaris mit dem Titel "Der Tod des Odysseus".  7 Geschichten über Glückssucher und Irrfahrer enthält er. Sie spielen in Griechenland, der Türkei und Deutschland, also drei Ländern, die der Autor gut kennt. In der Türkei ist er geboren und zur Schule gegangen, in Deutschland hat er einen Teil seiner Studienzeit verbracht, weshalb er auch perfekt Deutsch spricht, und in Griechenland lebt er seit langem.

Der Lesestoff für die nächsten langen Novemberabende ist also gesichert.

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