Posts mit dem Label Gesellschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gesellschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

14. November 2016

Obama kommt zur Unzeit nach Athen und legt Verkehr lahm

Nichts geht mehr morgen in Athen - So ist zu befürchten. Und auch die folgenden zwei Tage wird sich die Lage kaum entspannen. Sicherheitsvorkehrungen, Umleitungen und Sperrungen von Straßen und U-Bahnstationen drohen den Verkehr lahmzulegen, während zu erwarten ist, dass Tausende Demonstranten unterwegs sind. Ein schon länger geplanter, stundenweiser Streik im öffentlichen Schienen-Nahverkehr kommt erschwerend hinzu.

Die US-Botschaft gab gestern bereits entsprechende Sicherheitshinweise an US-Bürger heraus.
Ungünstiger hätte der Besuch des US-Präsidenten fast nicht fallen können. Denn am 17. November gedenken die Griechen der blutigen Niederschlagung eines Studentenaufstands am 17.11.1973 gegen die damalige, von den Vereinigten Staaten gebilligte Militärdiktatur mit Kundgebungen und Gedenkmärschen, deren Ziel alljährlich vor allem die US-Botschaft ist.

Die Metro wird morgen erst ab 10 Uhr bzw. auf der Linie 3 zum / vom Flughafen ab 10.56 / 11:30 Uhr fahren.
Zwischen 10:20 und 11:20 verkehren auch keine öffentlichen Busse zum/vom Flughafen.
Ab 12:00 halten keine U-Bahnzüge an den Stationen Megaro Mousikis, Evangelismos, Syntagma, Akropolis und Syggrou Fix
Die Straßenbahn verkehrt erst ab 21.00 Uhr.  Obiges nur als kleiner Auszug aus bereits angekündigten Unregelmäßigkeiten. Mit weiteren ist zu rechnen.

Weiterer Artikel zum Thema:
Arbeitsniederlegungen beim öffentlichen Verkehr ...

Quellen:
https://twitter.com/ATH_airport
www.athenstransport.com
http://www.apergia.gr

2. Juni 2016

Geplante Streiks u.a. bei griechischer Bahn und Athener Nahverkehr

(aktualisiert am 7. Juni 2016 - weitere Streikpläne sind hinzugekommen)

Montag, 6. Juni 2016:  Zwischen 5:30 und 10:00 Uhr morgens verkehrt keine Metro und Tram in Athen

Mittwoch, 8. Juni 2016
:
  • Zwischen 12:00 und 16:00 Uhr verkehrt in Athen keine U-Bahn und keine Tram.
  • Außerdem hat der griechische Gewerkschaftsverbund ADEDY für den öffentlichen Dienst zum Streik ausgerufen, so dass u.a. auch mit geschlossenen Behörden, Museen, Ausgrabungsstätten und Ausständen in Krankenhäusern gerechnet werden muss.
Donnerstag, 9. Juni 2016: 
Ganztags streikt die griechische Bahn und der Athener Vorortzug "Proastiakos". Vom Streik betroffen ist auch die Metrolinie zum Internationalen Flughafen von Athen. Als Alternative kann man zum und vom Flughafen Expressbusse benutzen.
Freitag, 10. Juni 2016: Keine Metro und Tram in Athen zwischen 22:00 und 02:30 Uhr des Folgetags

Montag, 13. Juni 2016: Keine Metro und Tram zwischen 5:30 und 10.00 Uhr morgens.

Dienstag, 14. Juni 2016 bis Donnerstag, 16. Juni und Dienstag, 21. Juni 2016: 5:00 bis 8:00, 13:00 bis 16:00 und 21:00 bis 00:00  Uhr Streik bei der griechischen Bahn. Vom Streik betroffen ist auch die Metrolinie zum Internationalen Flughafen von Athen. Als Alternative kann man zum und vom Flughafen Expressbusse benutzen.

Mittwoch, 15. Juni 2016:
Keine Metro und Tram 21:00 – 00:30 Uhr.

Freitag, 17. Juni 2016: Keine Metro und Tram zwischen 12:00 und 17:00 Uhr.

Mittwoch, 22. Juni 2016: Ganztags Streik bei der griechischen Eisenbahn. Vom Streik betroffen ist auch die Metrolinie zum Internationalen Flughafen von Athen. Tipp: Als Alternative gibt es auch Expressbusse zum/vom Flughafen.

(via griechischsprachiger Streikkalender und englischsprachige Website Athenstransport)




6. Mai 2016

Ausweitung der Streikaktionen griechischer Gewerkschaften

Ab heute mehrtägige Streiks in viele Bereichen in Griechenland

(aktualisiert am 7. Mai 2016)
Die beiden großen griechischen Gewerkschaftsdachverbände ADEDY und GSEE, von denen ersterer den öffentlichen Dienst und letzterer die Arbeitnehmer der Privatwirtschaft vertitt, haben zu einem am heutigen Freitag, dem 6. Mai, beginnenden mehrtägigen Generalstreik aufgerufen, dem viele Einzelgewerkschaften folgen. Betroffen sind auch Massenmedien und der öffentliche Verkehr, also Busse, Bahnen, einschließlich der Athener Metro und S-Bahn, sowie Fähren. Letztere verkehren erst wieder ab Dienstag, 10. Mai, 6:00 Uhr morgens. Die Seefahrergewerkschaft PNO hatte schon vor einiger Zeit einen Streik für den 8. Mai angekündigt sowie weitere, ausgedehnte Streiks für den Moment, in dem die Gesetzesnovelle zur Änderung des Renten- und Sozialversicherungssystems dem Parlament zur Billigung vorgelegt wird. Dies ist nun geschehen. Am Sonntag soll es darüber beschließen. Andere Gewerkschaften haben ihre Streikabsichten kurzfristiger angekündigt und streiken auch nicht so lang, sondern großenteils "nur" 48 Stunden, wobei die städtischen Verkehrsmittel Streikpausen für die Zeiten machen, zu denen Demonstranten damit zu den geplanten Kundgebungen und Demos unterwegs sind. Bahn und Athener S- bzw. Vorstadtbahn (Proastiakos) streiken drei Tage von Mitternacht am Freitag, den 5.5., bis Mitternacht am Sonntag, den 8.5.2016.

Quellen: Griechischsprachiger Streikkalender und englischsprachige Online-Ausgabe der griechischen Tageszeitung Kathimerini

29. Januar 2016

Aktuelle Streikmeldungen für Griechenland

Nicht alles ganz so umfangreich und problematisch wie es klingt! 

(zweimalig aktualisiert am 30. Januar 2016
- letzte neue Meldung: Seeleute streiken 4. und 5. Februar 2016) 
 Viele Menschen in Griechenland mussten immer wieder harte Einschnitte hinnehmen. Nun steht eine Reform des Rentensystems an, die mit Schließung bzw. Zusammenschluss von Rentenkassen sowie Nachteilen und erhöhten Ausgaben für die Versicherten einhergeht. Streiks und Proteste sind die Folge. Nachstehend eine Zusammenfassung der wichtigsten aktuell geplanten Streiks und Proteste mit Schwerpunkt auf denjenigen, die Reisende in Griechenland betreffen. Dazu meine Anmerkung: Lassen Sie sich davon nicht von Urlaubsplänen in Griechenland abbringen! Erfahrungsgemäß beruhigt sich gerade nach einem Proteststurm wie dem momentanen die Lage wieder. Vor allem aber kommt es in den Sommermonaten und zu Hauptreisezeiten nach bisheriger Beobachtung kaum zu Streiks. Zudem wird nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Nicht immer beteiligen sich wirklich alle Aufgerufenen an Streiks. Zudem ist die Hilfs- und Improvisationsbereitschaft der Griechen generell groß, so dass man auch als Individualreisender kaum große Probleme hat. Pauschalreisen haben ohnehin großenteils eigene Leistungsträger, die meist nicht von Streiks betroffen sind.

Fähren und Schiffe
Der am Mittwoch, den 27. Januar, begonnene Streik wurde ausgeweitet bis Sonntagmorgen, 6 Uhr. Außerdem ist zu erwarten, dass sich die Gewerkschaft der Seeleute auch am "Generalstreik" am 4. Februar 2016 beteiligt. Am Sa., 30.1. hat die Gewerkschaft der Seeleute nun beschlossen, nicht nur dem Streikaufruf ihres Dachverbands zu folgen und am "Generalstreik" am 4. Februar teilzunehmen, sondern gleich 48 Stunden zu streiken, also auch Freitag, den 5.2. und bis zum Samstagmorgen, den 6. Februar, 6.00 Uhr.

Straßenverkehr
Bauernproteste und Blockaden von Straßen und Plätzen durch Landwirte führen zu Behinderungen an wichtigen Verkehrsknotenpunkten. Schwerpunkt ist momentan Thessaloniki.

Taxis
Am 4. Februar wollen die Taxifahrer in ganz Griechenland 24 Stunden streiken

Öffentlicher Nahverkehr von Athen
Tram, Metro und ISAP (U- und S-Bahn) streikt am 2. Februar 11 bis 16 Uhr
Busse und Trolleys streiken zu folgenden Zeiten
Dienstag, 2. Februar 2016: 11 bis 16 Uhr
Donnerstag, 4. Februar 2016: bis 9 Uhr und ab 21 Uhr
 
Diverse, wie z.B. Ausgrabungsstätten, Museen, Behörden
Da für den 4. Februar die beiden großen griechischen Gewerkschaftsverbände zum Streik aufgerufen haben, was einem Generalstreik gleichkommt, ist in vielen Bereichen mit Streiks zu rechnen.

Weitere Artikel zu verwandten Themen:
> Streik- und Protestwelle in Griechenland (mit Details u. Tipps f. Reisende)
> Jeder protestiert auf seine Weise 
> Griechische Gewerkschaften und ihre Streikaufrufe

24. Januar 2016

Streik- und Protestwelle in Griechenland geht weiter

Seit Beginn des Jahres häufen sich nach einer ruhigen Phase wieder Protest- und Streikaktionen in Griechenland. 
Einige der Streiks treffen auch Reisende.
- aktualisiert am 27. Januar 2016 - 

Es ist vor allem die Reform des Rentensystems, die tausende Griechen weg vom Arbeitsplatz und auf die Straßen treibt. Viele befürchten Einbußen bei der geplanten Zusammenlegung von Rentenkassen, die die Schließung von Einzelkassen bedeutet, und Belastungen - 20 Prozent des Einkommens sollen für die meisten in Zukunft für das neue System fällig werden. Gleichzeitig sollen auch u.a. bisherige Steuererleichterungen für Bauern wegfallen. Viele Menschen bekunden ihre Solidarität. Viele folgen den Streikaufrufen von Gewerkschaften. Solidaritätsbekundigungen gibt es aber auch mit Flüchtlingen. So wird gegen den Grenzzaun am Fluss Evros an der türkisch-griechischen Grenze protestiert. Einige der Demonstranten haben sich dabei symbolisch Schwimmwesten angezogen, denn sie geben der Sicherung dieser Grenze die Schuld daran, dass Flüchtlinge den gefährlicheren Weg über das Meer wählen, der immer wieder Menschenleben kostet.

Ausgedehnt sind beispielsweise Rechtsanwälte im Ausstand. Die Notare haben sich ihnen angeschlossen und streiken bis 29. Januar. Am 25. Januar streiken Athener Ärzte, am 28. Januar Beschäftigte bei Kommunen, beim Sozialversicherungsträger IKA und den Massenmedien einschließlich Journalisten, so dass auch am 29. Januar die meisten Zeitungen nicht erscheinen.

Nachstehend die wichtigsten Streiktermine in nächster Zeit, von denen Reisende betroffen sind:

27./28. Januar 2016: 48-stündiger Streik der Seeleute, zu dem der 14 Einzelgewerkschaften umfassende Gewerkschaftsverband PNO aufgerufen hat. Fähren und andere Schiffe werden von Mittwoch 6 Uhr morgens bis zum Freitagmorgen in den Häfen bleiben.
* REISENDE s. TIPP am Ende des Beitrags!

4. Februar 2016: Für den ersten Donnerstag im Februar haben die zwei großen Dachverbände der griechischen Gewerkschaften zum Streik aufgerufen: ADEDY, die Dachorganisation des öffentlichen Dienst und GSEE, der Dachverband der Privatwirtschaft. Auf einen solchen Aufruf hin entscheiden sich dann die unter dem jeweiligen Zusammenschluss organisierten Einzelgewerkschaften, ob und in welchem Umfang sie ihm folgen. Da ein Großteil der griechischen Gewerkschaften einem dieser zwei Dachverbände angehören, kann von einem Generalstreik gesprochen werden. Die Seeleute haben jedenfalls schon angekündigt, dass sie auch an diesem Streik teilnehmen wollen, so dass wieder Fähren und Schiffe ausfallen. Auch die Taxifahrer wollen sich beteiligen.
Es ist zu fürchten, dass weitere öffentliche Verkehrsmittel ebenfalls betroffen sein werden, ebenso wie Museen, Ausgrabunsstätten, Behörden etc.

Außerdem können Reisende zur Zeit in Griechenland durch wiederholte Blockaden von Straßen und Plätzen durch Bauern in ganz Griechenland beeinträchtigt werden.
-- --

*TIPP für Reisende: Hat man Reisepläne oder vielleicht sogar schon ein Ticket für diese Zeit, so lohnt es sich immer, bei der Gesellschaft nachzufragen. Kleinere, private Gesellschaften, verkehren manchmal trotzdem und auch internationale Fähren mit internationaler Besatzung sind meist nicht betroffen.

Quellen:
Griechischsprachiger Streikkalender apergia.gr
Englische Onlineausgabe Ekathimerini der griechischen Tageszeitung Kathemerini
deutschsprachige Griechenland-Zeitung

Weitere Artikel zu verwandten Themen:
> Jeder protestiert auf seine Weise 
> Griechische Gewerkschaften und ihre Streikaufrufe


19. Januar 2016

Jeder protestiert auf seine Weise

Griechenland muss sparen. Es muss Geld auftreiben. Es soll Auflagen seiner Kreditgeber und damit verbandelter Institutionen erfüllen. Das nimmt Formen an, die mehr oder weniger sinnvoll sind und teils die Richtigen, öfter aber wohl die Falschen treffen. Entsprechend groß ist das Aufbegehren in Griechenland. Momentan sind zahlreiche Streiks und Protestkundgebungen angesagt.
Und entsprechend bissig sind die Kommentare, wenn es mal wieder weniger sinnvoll bis sinnlos ist, was da so im Parlament diskutiert wird, in Regierungskreisen vor sich hin köchelt oder gerade beschlossen wird.
Wie überall - nicht nur in Griechenland - kann es nicht ausbleiben, dass manche der Protestaktionen auch wieder selbst die Falschen treffen. Ein Beispiel dafür sind Streiks, die Massenverkehrsmittel lahmlegen und Bürgern Unannehmlichkeiten machen und/oder Touristen abschrecken, was für einen bedeutenden Wirtschaftszweig des Landes alles andere als förderlich ist.
Anderen Formen des Reagierens und Aufbegehrens gelingt es unter Meidung derartiger "Risiken und Nebenwirkung" Missstände aufzuzeigen, Entscheidungsträger auf dem Holzweg bloßzustellen und den Betroffenen sowie aller Welt zumindest was zum Lachen zu geben. Dazu gehören die einzigartig witzigen griechischen Twitterstürme - sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wie ein Lauffeuer verbreitende Nachrichten und Kommentare, denen sich laufend neue zugesellen. Der aktuelle unter dem Kennwort (Hashtag) #kota_sto_Maximou wurde Berichten zufolge von einer Frau ausgelöst, die den gerade in der Villa Maximos - dem Amtssitz des griechischen Premierministers - konferierenden Chefs der Regierungs- und Oppositionspartei ein Huhn zugesellte, das sie mit den Worten "Komm, Alexi, geh rein!" auf den Weg durch den schmiedeeisernden Zaun in den Vorgarten des Premierpalasts schickte. Offenbar hieß die Henne auch Alexis wie der Regierungschef. Unter dem Hashtag #kota_sto_Maximou lassen zur Zeit die Griechen mit Humor und Sarkasmus ihrem Unmut freien Auslauf. Allmählich greifen auch andere Medien die Geschichte auf.
,
"Eine Henne in der Villa Maximos (=Amtssitze des griechischen Premiers) gibt es jetzt schon seit Jahren. Man nennt sie Premierminister, wie ich meine." meint Twitterer @Drakompala.

"Die Henne, die sie in die Villa Maxima geschickt haben fand ein tragisches Ende" stellte  @manolishatz fest und lieferte die Illustration dazu.

Hier stellt der Twitterer des zentralen, bebilderten Tweets angesichits eines sein Verdauungsschläfchen haltenden Parlamentariers fest:
"Sucht nicht mehr nach dem Huhn. Ich habe es gegessen"

Ein ähnlicher Sturm brach auf Twitter unter dem Hashtag #kastanas los, als es mal wieder in Thessaloniki den Falschen in Form eines alten Kastanienverkäufers traf, der mit großem Polizeiaufgebot dingfest gemacht wurde, nachdem er Kunden ihr Tütchen Kastanien ohne die obligatorische Quittung ausgehändigt hatte.

Mehr zu diesem und anderen griechischen Twitterstorms

> Weitere Momentaufnahmen vom 19. Januar 2016 (Fotos mit griechischem Text)

>Video mit der Frau, die das Huhn in den Vorgarten der Villa Maximo setzte.

> Ähnlicher Twittersturm unter #kastanas gegen Festnahme eines Kastanienverkäufers

> Twittersturm #tyropita , ausgelöst über Studie, die besagte griechische Studentinnen verkaufen sich für etwas Essbares

5. Januar 2016

Umdenken angesagt!

(aktualisiert am 9. Februar 2017)
Heute ist mal wieder einer der Tage, an denen alles zusammenzupassen scheint. Draußen kommt hier in Augsburg immer wieder für längere Zeit die Sonne durch, obwohl der Wetterbericht Wolken und Regen gemeldet hat. Und ganz ähnlich geht es mir mit meiner heutigen Lektüre und der Sendung, die ich zwischen 11:00 und 12:00 Uhr im Radio gehört habe (um 20:05 Uhr wird sie auf Bayern2 wiederholt). Das Buch, das ich heute zu Ende gelesen habe, ist Time for Change des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis und das wunderbare Radiofeature, das ich gehört habe, "Griechische Seelenlandschaften" von Alkyone Karamanolis, das übrigens auch leider inzwischen nicht mehr zum Nachhören und herunterladen auf der Senderwebsite bereitsteht - sehr empfehlenswert! Und auch Buch und Sendung "passen zusammen". Was ihnen gemein ist, ist dass sie ihr Thema gegen den Strich bürsten und es in einer Weise präsentieren, die aufhorchen lässt, Lethargie überwinden und neue Wege suchen hilft. Und damit bringen Buch und Sendung auch etwas ganz unverhofftes Licht ins trübe Dunkel einer festgefahren erscheinenden Situation und Betrachtensweise.

"Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkläre" ist der Untertitel von Varoufakis Buch und tatsächlich liefert es eine leicht nachzuvollziehende Erklärung unserer heutigen Marktwirtschaft und ihrer Geschichte. Wie schon sein Haupttitel "Time for Change" nahelegt, ist es aber auch Aufruf, sie zu hinterfragen und nach neuen Wegen zu suchen. Und Varoufakis prangert eklantante Ungleichheit an."Obwohl alle Babys gleich nackt zur Welt kommen, ist es einigen vorbehalten, teure Kleidchen zu tragen, während die anderen zu Hunger, Verelendung und Ausbeutung durch andere verurteilt sind. Behalte die Auflehnung gegen diese angeblich so logische, natürliche und gerechte Realität im Herzen" ermahnt er seine Adressatin - seine Tochter.

Auch das Radiofeature "Griechische Seelenlandschaften" hat einen Untertitel: "Von Umbrüchen und Aufbrüchen". Eingebettet in Lyrik der zwei griechischen Literaturnobelpreisträger Odysseas Elytis und Giorgos Seferis lässt Alkyone Karamanolis einen gescheiterten Jazzbarbesitzer und nunmehr vorübergenenden Friedhofswärter zu Wort kommen. Sie spricht mit dem griechischen Künstler Poka-Yio. Man hört die Psychologin und Autorin Fotini Tsalikoglou und die mit ihrer binationalen Familie in Athen lebende Übersetzerin Doris Wille. Alkyone Karamanolis spricht in diesem sehr persönlichen Feature aber auch von ihrem eigenen Weg als Reporterin, von den Mühen, die sie sich auftut, um die gängige Krisenberichterstattung in den Medien zu hinterfragen und nicht nur über Zahlen und Einzelschicksale zu berichten, sondern Zusammenhänge zu begreifen und anderen verständlich zu machen. Sie weist auf Studien und Stellungnahmen von Menschenrechts- und Wirtschaftsexperten hin, die beispielsweise im Jahr 2014, als die Medien vollauf damit beschäftigt waren, gegen die sich abzeichnenden Machtverhältnisse in Griechenland anzuschreiben, unter den Tisch gekehrt wurden und kaum Erwähnung fanden und zeigt weitere Schieflagen in der allgemeinen Berichterstattung über Griechenland auf. Inspiriert durch die immer wieder eingestreuten Gedichte und Klänge und aufgerüttelt durch die Aussagen und Fakten, die so auf fruchtbaren Boden fallen, kann man nicht umhin, Frau Karamanolis auf ihrem Weg zu folgen und selbst ans Umdenken zu denken.Und das passt wiederum hervorragend zum Start in ein noch junges Jahr!

13. Dezember 2015

#Kastanas - griechischer Twittertrend zu Polizeiaktionen, Politik ... und Kastanienverkäufern

Seit gestern macht ein neuer Twittertrend Furore unter griechischen Twitterern: #Kastanas.


Kastanas heißt auf Griechisch der Kastanienverkäufer. Um diese Jahreszeit ist er nicht wegzudenken vom griechischen Stadtbild. Für kleines Geld bietet er auf Straßen und Plätzen ein Tütchen wohlschmeckender Esskastanien feil, an dem man sich die Fänger wärmen kann, bevor man sich an den duftenden und schmackhaften frisch gerösteten Kastanien labt.
"Ich habe mich entschlossen, als Gesetzloser zu leben, als Herumtreiber und Staatsgefährder. Ich werde Kastanien verkaufen #kastanas" 
heißt es da zum Beispiel.

 oder aber:
 "Kastanienverkäufer ergebt Euch! Ihr seid umzingelt!" 
"Er wird wohl auf der Lagarde-Liste gewesen sein, anders ist es nicht zu erklären."
kommentiert Twitterer Panos den von ihm weitergeleiteten Tweet von i-Kouk,
der zu berichten weiß, "13 Polizisten, 2 Polizeiwagen ... für einen Kastanienverkäufer. Wahrscheinlich war es der verkleidete Dr. Doom." und auch gleich ein Bild vom massiven Polizeieinsatz liefert.

Hintergrund:

Mit großem Polizeiaufgebot war ein alter Kastanienverkäufer auf dem zentralen Aristotelesplatz in Thessaloniki dingfest gemacht worden, den man dabei beobachtet hatte, dass er für die Tütchen gerösteter Kastanien, die er verkaufte, keine Quittung ausgestellt hat, ähnlich wie es auch schon armen alten Frauen ergangen sein soll, die Kräuterbündchen oder ein wenig Gemüse aus ihrem Garten auf der Straße feilboten, so dass die Polizei ausrücken musste. Steuerhinterziehung! Ein Teil der Twittergemeinde macht sich darüber lustig, wie ein Polizeiaufgebot, das eher eines Terroranschlags als eines armen, alten Straßenhändlers würdig wäre, sich auf einen Kastanienverkäufer stürzt, während ein anderer sich ordentlich erbost und auf die Regierungspartei SYRIZA und ihren Chef Tsipras losgeht, die nichts Wichtigeres zu tun haben, als die Ärmsten der Armen in noch weitere Bedrängnis zu bringen und schließlich heißt es natürlich "Jesuis #kastanas"

Quelle: Griechischsprachige Website Arouraios (= Ratte )



1. Dezember 2015

"Generalstreik" am 3. Dezember 2015

- aktualisiert am 02.12.2015 -

Eine Streikwelle bahnt sich diesen Herbst in Griechenland an.
Gerade mal drei Wochen nach dem letzten Generalstreik haben die zwei großen Gewerkschaftsdachverbände ADEDY (des öffentl. Dienstes) und GSEE (der in der Privatwirtschaft Beschäftigten) für Donnerstag, den 3. Dezember, zu einem neuen Streik aufgerufen.
Und wieder wollen sich viele Einzelgewerkschaften anschließen.

Auch Beschäftigte der Kommunen und des öffentlichen Verkehrs und Ärzte der öffentlichen Krankenhäuser wollen am Streik teilnehmen.

Ganztags sollen keine Fähren, Schiffe und Bahn verkehren. I

Im Athener Nahverkehr sollen Metro, Busse, Trolleys und Tram zwar zweischen 9 und 21 Uhr fahren, jedoch davor und danach in den Ausstand treten. Die Vorortbahn, der Proastiakos, hingegen fällt so wie die griechische Bahn 24 Stunden aus. Das bedeutet jedoch, dass auch der Internationale Flughafen von Athen nicht durchgehend mit der U-Bahn erreichbar ist. Denn die Teilstrecke  zwischen der Station Douk. Plakentias und dem Flughafen wird vom Proastiakos bedient bzw. am 3.12. wegen Streik ganztags NICHT bedient.

Schließlich ist auch der Flugverkehr betroffen. Als bislang letzte hat die Gewerkschaft ΟΣΥΠΑ mitgeteilt, dass auch sie sich zwischen 12 und 16 Uhr am Streik beteiligt. Das bedeutet Verschiebungen und Ausfälle bei innergriechischen Flügen. Falls nicht auch noch die Gewerkschaft EEEKE der Fluglotsen sich entscheidet, in den Ausstand zu treten, sollten internationale Flüge jedoch nicht davon betroffen sein.

Weitere Artikel zum Thema:
> Griechische Gewerkschaften und deren Streikaufrufe
> Metro von Athen und deren Verhalten bei Streiks 

30. November 2015

Tyropita über alles! ...

... und (fast) alles für eine tyropita. 

Witziger aktueller Twittersturm

Pita ist definitiv eine der weit  verbreitetsten griechischen Spezialitäten. Der Varientenreichtum ist unendlich. Tyropita, die Käsepita, ist die beliebteste. Doch auch die gibt es in allen erdenklichen Formen: Klassisch als käsegefüllte Blätterteigtasche, doch auch im Ganzen vom Blech, als Schnecke, als Törtchen u.v.m.

Da sie nicht nur von Hausfrauen und Tavernen, sondern vor allem auch von Bäckern und Imbissbuden für wenig Geld angeboten wird, gilt sie als schnelles, preiswertes Essen schlechthin.

Wenn ich in Griechenland unterwegs bin, schätze ich diesen Snack vor allem als bequemenes Frühstück vom Bäcker. Inzwischen haben manche Bäckereien sogar eine Espressomaschine, so dass man dazu einen Cappuchino trinken kann. Ein schnelles, sättigendes und billiges Frühstück.

Doch heute rede ich aus aktuellem Anlass über Tyropita. Denn gerade hat sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Furore gemacht. Jede Menge witziger Ideen und Kommentare hat ein Artikel der Times über eine Studie losgetreten, die zu dem Ergebnis kam, dass es griechische Studentinnen gibt, die sich für etwas zum Essen verkaufen. Na ja, und was ist eine klassische, beliebte und billige Mahlzeit: Eben die Tyropita. Darum lautete der Hashtag für diesen Twittersturm #tyropita.
Unter diesem Kennwort wurden (und werden z.T. noch) Überlegungen, Rezepte, Fotos uvm. gepostet, z.B:
"Wenn ich mir #tyropita mit meinem eigenen Geld kaufe, gilt das als Selbstbefriedigung?"
"Wie soll ich mich jetzt morgen verhalten, wenn ich beim Bäcker eine #tyropita verlange?"
Natürlich kann man in diesem Licht unter dem Hashtag #tyropita auch zu verstehen geben, dass sich jemand (z.B. ein Politiker) verkauft, wenn man einfach sagt, er esse #tyropita.
Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Und einfallsreich sind sie, die Griechen. Und Galgenhumor hilft über schwere Krisenzeiten hinweg.

> weitere Tyropitas und andere griechische Backwaren

31. März 2015

Super Satire auf Griechenlandhilfe, die keine ist

Hervorragende Satire auf die Griechenlandhilfe, die EZB, die Troika und die Bankenkrise sowohl auf Youtube als auch im Fernsehen - im ZDF am 31. März und 22.15 Uhr. Die Sendung erklärt mit viel Witz auch komplexe Zusammenhänge und geht auch auf Themen ein, die sonst in den meisten Medien tabu zu sein scheinen. Zeus, Tavernen-Wirt, Türke, die Troika, Opfer von Kriesgreueln - alle kommen sie zu Wort.


5. Februar 2015

Wer rettet wen? - Film klärt auf

Grafik Wer rettet wen
 Leidtragende der Finanzkrise sind Menschen - in Griechenland und anderen betroffenen Ländern.
Was gerettet wird, sind aber nicht sie, sondern Banken.

Nach WATER MAKES MONEY und BAHN UNTER DEM HAMMER wirft auch der neue Film WER RETTET WEN? von Leslie Franke und Herdolor Lorenz einen Blick von unten auf die Probleme, die uns alle angehen.
Am 11. Februar 2015 soll der Film an möglichst vielen Orten gleichzeitig zu sehen sein – und ein Tag später ist regulärer Kinostart.
 
Seit Jahren werden Banken und Länder gerettet. Politiker schaffen immer neue Rettungsfonds, während mitten in Europa Menschen  wieder für Hungerlöhne arbeiten und bis zur Verarmung und Verzweiflung geschröpft werden.

Für Großbanken ist die Finanzkrise vor allem ein Geschäftsmodell. Und die ständig „verstimmten“ und „enttäuschten“ Finanzmärkte scheinen ein besonderes Wesen zu sein, das bei Laune gehalten werden muss. Um die Laune der Menschen, die Opfer einer ihnen untragbare Lasten aufbürdenden und sie ihrer sozialen Sicherheit beraubenden Austeritätspolitik geworden sind, schert sich hingegen wohl niemand. Oder endlich vielleicht doch?

Die von einer großen Wählerzahl legitimierte neue griechische Regierung will neue, menschlichere Wege gehen und eckt damit bei fast ausnahmslos allen Europäischen Politikern und Medien übel an. Deshalb kommt dieser Film genau im richtigen Moment! Hoffentlich gelingt es ihm, möglichst vielen Menschen in ganz Europa ein tieferes Verständnis der Krise zu vermitteln und damit Wegbereiter einer echten Rettung daraus zu sein.

Liste der Filmvorführungsorte und -daten.

5. Dezember 2014

Düstere Erinnerungen und aktuelle Krawalle

Alexis Grigoropoulos murder spot, Tzavella st, Athens
70 Jahre liegen die in Griechenland Dekembriana genannten erbitterten Kämpfe im Athen des Dezembers 1944 zurück, an die eine sehr lebhafte Erinnerung in der Stadt besteht. Man gedenkt nicht nur der Tausende von Opfer. Vor allem vergisst man nicht das Unrecht, das damals vielen ehemaligen Widerstandskämpfern gegen die Nazis geschah. Rund 12.000 von ihnen wurden in Straflager verschleppt, während ehemalige Nazi-Kollaborateure auf Athens Straßen paradierten. Hauptschuld daran trug ein plötzlicher Strategiewechsel der britischen Besatzer, die nach dem Abzug der Nazis im Oktober 1944 an der Macht waren und sich plötzlich gegen die ehemaligen verbündeten Widerstandsgruppen ELAS und EAM stellten, weil sie deren kommunistischer Gesinnung die rechte Ausrichtung der Nationalisten und Royalisten vorzogen. Ein profunder Artikel im britischen Guardian nennt das Britanniens "schmutziges Geheimnis".

6 Jahre erst ist es her, dass der 15-jährige Alexandros Grigoropoulos in Athen von dem Polizisten Epaminondas Korkoneas durch einen Schuss in den Leib getötet wurde. Wut- und Trauerbekundungen und Proteste waren die Folge, schließlich auch Ausschreitungen und Polizeigewalt. Seither kommt es am Jahrestag dieses tragischen Tods immer wieder zu Demonstrationen und oft auch zu Krawallen.

Im Dezember 2014 befindet sich nun ein enger Freund des damals getöteten Alexandros Grigoropoulos im Hungerstreik. Der heute 20-jährige Nikos Romanos war 2008 Augenzeuge, als sein Freund zu Tode kam, wurde seither straffällig und kämpft nun von dem Gefängnis aus, in dem er einsitzt, für seine Zulassung zum Studium. Denn trotz Bestehens der schwierigen Panhellenischen Prüfungen soll es ihm wegen der Haftstrafe versagt werden. Tausende Athener unterstützen ihn und protestieren für ihn auf Athens Straßen.
Denn angesichts dieser Verkettung von als ungerecht und brutal empfundenen Ereignissen über den Lauf der Jahre hinweg hat die heutige Situation des jungen Nikos Romanos und seine Auflehnung dagegen natürlich Symbolcharakter. Bildung, die ihm verwehrt werden soll, hat für die Griechen gerade in Krisenzeiten einen sehr hohen Stellenwert. "Brot, Bildung, Freiheit" stand auf den Transparenten, als Studenten sich im November 1973 gegen die damals seit 1967 herrschende Militärdiktatur erhoben. Mit dem gleichen Slogan gehen die Athener auch heute wieder auf die Straßen ihrer Stadt, um auf Misstände hinzuweisen oder ihrer Meinung nach ungerecht Behandelte zu unterstützen.

Quelle: Englischsprachiger Artikel "Athens 1944: Britain's dirty secret" im Guardian 

Weitere Informationen:

19. November 2013

Kiosks - ein Stück griechische Lebensart modern gemanagt


Der periptero genannte griechische Kiosk ist ein Teil griechische Lebensart und nicht wegzudenken aus dem griechischen Straßenbild. Er ist Nachrichtenzentralen, Anlaufstellen für Hungrige, (Wisssens-)Durstige und für alle, denen gerade irgendeine Kleinigkeit  zur Alltagsbewältigung fehlt, sei es ein Kaugummi, Zigaretten, Kekse, eine Zeitung und vielleicht auch gleich dazu eine Lesebrille.

Was diese kunterbunten kleinen Miniläden darüber hinaus noch im Angebot haben, hängt vom Inhaber und den Stammkunden ab. So kann man auch schon mal Hemden, Strümpfe, Kämme, Lockenwickler, Lederwaren und vieles mehr finden. Flankiert sind die kleinen Buden, in denen der Verkäufer hockt, meist von einem Kühlschrank mit Getränken und Joghurt, oft auch von Gestellen und Truhen, die das Angebot erweitern und den Gehsteig verengen. Sie sind bei Alt und Jung beliebt, gehen doch ihre Öffnungszeiten meist über die der Geschäfte hinaus und reichen manchmal sogar rund um die Uhr. Kinder finden außer Bonbons, Bleistiften und Schulheften manchmal auch neben dem Kiosk ein kleines mechanisches Reittier, Auto oder Karussel. Touristen finden ein Pflaster für wundgelaufene Füße und Softdrinks für durstige Kehlen.  Zwischen 20.000 und 25.000 solche Kiosks gibt es in Griechenland. Ihr Umsatz ist beträchtlich. Große Supermarktketten haben in Griechenland bei weiten nicht den Marktanteil wie in anderen Ländern. Außer im periptero kauft man auch gern in wenig größeren Minimarkets oder im Pandopolion, dem Gemischtwarenladen ein. All diese Kleingeschäfte machen mehr als 50 Prozent des griechischen Einzelhandelsumsatzes aus.

Das hat das griechische Startup i-kiosk gut erkannt und eine speziell auf die Bedürfnisse dieser kleinen Geschäfte zugeschnittene Software entwickelt,die viel Anklang fand, da diese Läden mit ihrer großen Palette an verschiedenen Waren und den kleinen umgesetzten Stückzahlen alles andere als leicht zu managen sind und es eines total anderen Ansatzes bedarf als für große Supermärkte. Die Deutsche Welle hat darüber berichtet:


Lang vor diesem Bericht hat sich Dr. Wassilios Kazakos schon Ende 2012 für diese Idee der  drei Gründer des i-kiosk Fanis Koutouvelis, Orestis Tzanetis und Konstantinos Kazanis interessiert und auf seinem neuen griechischen Geschäftsideen gewidmeten Blog  eulenausathen.com darüber berichtet.


17. Februar 2013

Griechische Gewerkschaften und deren Streikaufrufe

Zur Zeit häufen sich in Griechenland mal wieder die Streikankündigungen. Oft trifft man dabei auf die folgenden Abkürzungen, die für die beiden großen Gewerkschaftsverbände bzw. deren Dachorganisation stehen:

A.D.E.D.Y (griechisch: ΑΔΕΔΥ / Α.Δ.Ε.Δ.Υ.)

Gewerkschaftsverband der Angestellten und Beamten des Öffentlichen Dienstes. Die Abkürzung steht für = Ανώτατη Διοίκηση Ενώσεων Δημοσίων Υπαλλήλων = Anótati Diíkisi Enóseon Dimosíon Ipallílon)

G.S.E.E. (griechisch: ΓΣΕΕ / Γ.Σ.Ε.Ε.)

Gewerkschaftsverband der privatwirtschaftlichen Arbeiter und Angestellten.  Die Abkürzung steht für Genikí Synomospondía Ergatón Elládas = Γενική Συνομοσπονδία Εργατών Ελλάδας.


Rufen diese beiden großen griechischen Gewerkschaftsverbände zum Streik auf, so kann man von einem Generalstreik sprechen, denn nahezu alle gewerkschaftlich Organisierten werden von ihnen vertreten. Die unter ihnen organisierten Einzelgewerkschaften entscheiden dann, ob sie dem Aufruf folgen wollen. Wenn ja, so kündigen sie meist auch selbst ihre Teilnahme am Streik an. Wann dies geschieht ist sehr unterschiedlich und oft kurzfristig, z.B. erst 24 Stunden vor Streikanbruch.

6. Dezember 2012

Auslöser für Unruhen

Am 6. Dezember 2008 wurde der  15-jährige Alexandros Grigoropoulos ( (Αλέξανδρος Γρηγορόπουλος) in Athen von einem Polizisten durch einen Schuss in den Leib getötet. Der Vorfall ereignete sich im Stadtteil Exarchia nach einem Zusammenstoß von Polizei und Autonomen. Es kam zu einem großen Aufruhr. Jedes Jahr am Jahrestag des Ereignisses gehen viele Griechen auf die Straße und demonstrieren gegen Polizeigewalt und allgemein gegen Missstände im Land.

Auf dem Foto die Stelle, an der der junge Grigoropoulos ums Leben kam. 
Photo: Badseed via Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0

14. November 2012

PIGS, PIIGS, GISI


Die PIGS, das sind Portugal, Italien, Griechenland und Spanien. 2008 wurden die vier Länder bereits hin und wieder von angelsächsischen Journalisten mit dieser Abkürzung zusammengefasst. Weite Verbreitung fand das Akronym aber erst mit der Schuldenkrise im Euroraum. Da kam die Bedeutung schön zu Pass, die das Wort im Englischen hat. PIGS = Schweine. Denn wer sich verschuldet und auf die Hilfe anderer angewiesen ist, der ist nun mal ein Schwein. So einfach ist das. Inzwischen wurden aus den PIGS auch PIIGS, denn Irland ist auch unter die armen Schuldenschweine gegangen.Da PIIGS aber nicht mehr ganz so schön schweinig ist, hat man inzwischen auch schon mit den Buchstaben zu würfeln begonnen, ob sich nicht vielleicht noch eine andere ordentlich herabwürdigende Abkürzung für die Schuldenmacher finden lässt. Gern zieht man dabei das G nach vorn, denn in Griechenland fing das Ganze mit der Eurokrise doch an, oder? GIPSI war geboren, das klingt nach GYPSI, dem Zigeuner, einem Herumtreiber, bei dem es auch nichts einzutreiben gibt.

Die Deutsche Sonja Giese und die Belgierin Mareike Lambertz haben sich Schweineköpfe aufgestülpt und aufgemacht, das Schuldenschweinische zu ergründen. Auf ihrer ((großenteils englischsprachigen) Facebookseite "We are the Pigs" durchstöbern sie die zur Sau gemachten Staaten Portugal, Italien, Griechenland und Spanien, um die Menschen hinter den PIGS zu entdecken, sie im Foto in ihrem Alltag zu zeigen, ihre guten Ideen und Projekte aufzustöbern und ganz einfach ohne Eurozeichen in den Augen mit viel Sympathie auf die am meisten unter der Wirtschaftskrise leidenden Länder zu blicken.

3. November 2012

Mit Elan + Phantasie

Kaum liest und hört man zur Zeit in den Medien von Griechenland, ohne dass in einem Atemzug von Krise die Rede ist. Gemeint ist damit meist die Schulden- und Wirtschaftskrise. Letztlich sind es aber vor allem die Menschen, die darunter zu leiden haben. Sozial- und Gehaltskürzungen, Steuererhöhungen, Arbeitslosigkeit spielen vielen Griechen übel mit. Auch das öffentliche Leben leidet unter den Sparmaßnahmen. Streiks wollen auf die verzweifelte Situation vieler griechischer Bürger aufmerksam machen und weiteren Verschlechterungen für die Menschen Einhalt gebieten. Sie bedeuten aber auch für jeden Einzelnen neue Unannehmlichkeiten. Es wäre zum Verzweifeln, wären da nicht Bewegungen, die versuchen mit Elan, Eigeninitiative und Phantasie der Krise die Stirn zu bieten. Der Zusammenschluss von Athener Bürgern namens Atenistas gehört dazu. Über ihre griechsprachige Website und über Facebook wird zu gemeinsamen Renovierungs- und Verschönerungsaktionen von Schulen und öffentlichen Plätzen aufgerufen. Es werden aber auch kostenlose Konzerte organisiert, die wieder etwas Farbe und Freude in ein durch die Sparmaßnahmen und Kürzungen immer trister werdenden Leben bringen. Morgen, Sonntag, den 4. November beispielsweise treten Opernsänger auf dem Zentralen Athener Markt namens Varvakio (in griechischen Großbuchstaben BAPBAKEIO geschrieben) auf.

20. August 2012

Kapitel 12 online - Unterwegs mit Anna, Connie und Bernd

Kaum angekommen auf der kleines Ägäisinsel Tilos sind Anna und Connie gleich Teill einer fröhlichen griechischen Tafelrunde, einer echten Parea. Doch so ganz entspannt sind die beiden dabei nicht. Connie sorgt sich um die Kosten ....

Noch bis Ende dieser Woche stehen im Rahmen des Blogs "Blaue Wunder im Land der Götter" die zweiten sechs Kapitel des "Fettnäpfchenführers Griechenland" komplett mit passendem Bildmaterial kostenlos im Internet. Dann bleiben davon nur die Photostrecken online verfügbar, während sich die Texte wieder zwischen die Buchdeckel zurückziehen, denen sie entsprungen sind. Statt dessen geht wieder jeden Sonntag eine neue Episode online.

6. Mai 2012

Parlamentswahl 6. Mai 2012

Sonntag, 6. Mai 2012, ist Wahltag in Griechenland.

Auf der endgültigen Liste, wie sie der Oberste Gerichtshof am 26. April 2012 genehmigt hat, stehen 32 Parteien, Gruppierungen bzw. Einzelkandidaten.

Wahlberechtig sind alle griechischen Bürger über 18 Jahre, an der Zahl 9.850.802 (5.079.425 Frauen; 4.771.377 Männer), 110.530 davon Erstwähler.
Die 300 Sitze des aus einer einzigen Kammer bestehenden Parlaments werden nach einem verstärkten Verhältniswahlrecht unter denjenigen Parteien verteilt, die im Ergebnis über der 3%-Schwelle liegen.
Die stärkste Partei erhält  dabei nach dem geltenden  Wahlgesetz Nummer 3626/2008 einen Bonus von 50 Sitzen. Im Vorläufergesetz 3231/2004 betrug dieser Bonus 40 Sitze.

Aktuelle Stimmung und politische Szene aus Aktivisten- und Bloggersicht

 Hier die übereinstimmenden Beoachtungen des Athener Aktivisten Christos Giovanopoulos und des in Thessaloniki lebende englischen Bloggers "teacherdude":

Im Wahlkampf 2012 wurde deutlich spürbar, wie sich die politische Szene seit den letzten Wahlen 2009 geändert hat. Damals fanden Wahlkundgebungen auf großen, offenen Plätzen wie dem Syntagma in Athen oder dem Aristotelesplatz in Thessaloniki vor riesigen Massen jubelnder Parteianhänger statt, die teils in Bussen aus dem ganzen Umland kamen. Die Menschen wurden nah an die Kandidaten herangelassen, konnten meist direkt mit ihnen reden. Das war bei den diesjährigen Wahlveranstaltungen nicht mehr möglich. Heute sind die meisten Politiker so unbeliebt, dass sie kaum Jubel ernten und sich hinter einem riesigen Polizeiaufgebot verstecken müssen, wissen beide von mir zitierten privaten Beobachter zu berichten. Teacherdude beobachtet, dass Absperrungen heute die Besucher kanalisieren, statt sie sich auf weiten, offenen Plätzen ganz nach Belieben verteilen zu lassen. Er meint, dies geschehe nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch ganz gezielt, damit die Medien eine Illusion von Masse und Enthusiasmus schaffen können. Er hat versucht, diese Situation in dem obigen Foto festzuhalten, das er bei einer öffentlichen Veranstaltung der sozialistischen Partei PASOK in seiner Heimatstadt Thessaloniki gemacht hat, bei der die ersten Reihen vor dem Podium mit fahneschwingenden  jugendlichen Parteimitgliedern gefüllt worden waren, um zu verschleiern, dass dahinter nur etwa tausend eher missmutige, griesgrämige Parteianhänger standen, deren Durchschnittsalter um die fünfzig war. Kandidaten der zwei großen Parteien, der Neo Demokratia ebenso wie der PASOK, sind heute oft mit Buhrufen, statt mit Jubelrufen konfrontiert, wenn sie nicht gar bei ihren Auftritten mit Joghurt beworfen werden. 

Wahlergebnisse

 Sobald die Wahlergebnisse feststehen, werden sie vom griechischen Innenministerium online gestellt, über dessen Website auch die Ergebnisse von 2009 und früher einsehbar sind.

Quellen: 
offizielles Wahlverzeichnis des griechischen Innenministeriums;
Referat „Europa kaputt sparen-nicht mit uns!“ von Christos Giovanopoulos am 27. April 2012 im Zeughaus, Augsburg;