17. Februar 2010

Wider die Katastrophenszenarien

"Griechenland ist gar nicht in einem katastrophalen Zustand. Seine Haushaltsschuld ist nicht höher als die deutsche. Ich sehe nicht ein, warum Griechenland ein Problem sein soll."
"Ich verstehe nicht, warum man aus Griechenland eine solche Affäre macht. "
So die Worte von Star-Ökonom Fitoussi in einem Interview mit FR-Onine.

Etwas Beschwichtigung wie diese tut sicher gut angesichts Panikmeldungen und Planung drastischer Maßnahmen, wie der Kriminalisierung von Bargeldverkehr mit Beträgen über EUR 1500. Denn Krisen sind eben auch immer ein schöner Aufhänger, um die Bevölkerung zu drangsalieren und gefügig zu machen. Kein Wunder, dass Streiks und Unruhen die Folge sind.

Orthodoxe Fastenpredigt in Zeiten der Wirtschaftskrise

"... Das Fasten, das die Kirche von uns erwartet, die Entsagung, Genügsamkeit, Einschränkung der persönlichen Wünsche und unnötigen Vergnügungen und Ausgaben ist heilsam. Dies gilt umsomehr dieses Jahr, wo unsere Welt durch die Erfahrung einer globalen, wirtschaftlichen Krise geht und vor der drohenden Gefahr des Bankrotts steht, der nicht nur Personen und Gesellschaften, sondern ganze Nationen bedroht mit vernichtenden Folgen rasant ansteigender Arbeitslosigkeit, Massenarmut, Depression, sozialer Unruhen, wachsender Kriminalität und weiterer derartigen Tragödien. Die Große Fastenzeit lehrt uns mit etwas weniger jeden Tag auszukommen, ohne die Arroganz der Extravaganz, der Verschwendung und Angeberei. ..."

So Patriarch Bartolomäus in seinen Worten zur Fastenzeit (übersetzt von der Blogautorin aus dem englischen Text auf der Website des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel).
(Bild Nikolaos Manginas via http://patriarchate.org)

15. Februar 2010

Fastenbräuche

Die griechische Fastenzeit hat begonnen. 49 Tage bis Ostern (dieses Jahr fällt der Termin mit dem westlicher Religionen zusammen, obwohl die griechische Orthodoxie ihn nach dem julianischen Kalender bestimmt, so dass dies in anderen Jahren oft nicht der Fall ist). 7 fleischlose Wochen, in denen fromme Griechen strenge Fastenregeln befolgen. Ihr Auftakt fällt dieses Jahr mit unserem Rosenmontag zusammen und ist in Griechenland ein gesetzlicher Feiertag, an dem man das Fastenbrot Lagana bäckt, im Familien- und Freundeskreis ein üppiges, aber fleichloses Picknick mit Meeresfrüchten, Tarama und anderen Fastenspeisen genießt und Papierdrachen steigen lässt. Dazu wünscht man sich "Kali Sarakosti", eine "gute Fastenzeit". Kinder haben die Kyra Sarakosti gebastelt, eine Frauengestalt mit sieben Füßen, die für die 7 Fastenwochen bis Ostern stehen. Nach jeder zurückgelegten Fastenwoche wird einer der Füße abgeschnitten.

14. Februar 2010

12. Februar 2010

Die Statuen tanzen lassen

Karneval. Ueberall wird musiziert und getanzt. Auch in Griechenland.

Bekannt sind die Karnevalsparaden in Patras. Doch auch Athen bietet Karnevalsprogramm und manche ländlichen Gegenden und Inseln haben eigene alte Bräuche und Kostüme.
Dieses Jahr fallen die griechischen Termine für den Karneval ja in etwa zusammen mit denen der großen westlichen Religionen, wenn auch die Bedeutung der einzelnen Karnevalstage etwas unterschiedlich ist. Denn dieses Jahr fällt auch das nach dem julianischen Kalender berechnete Osterfest zusammen, von dem aus die vorherige Fasten- und somit auch Karnevalszeit gerechnet wird.
Also, Karneval dort wie hier. Alles tanzt. Das ist doch zum Steinerweichen! Klassische Griechische ebenso wie andere Statuen stehen da nicht zurück ;-). Oder liegt es doch nur am Ouzo .... ?? :-) Nein, dieses bezaubernde Filmchen will eine Botschaft transportieren: All Creative Work is Derivative - Jedes kreative Schaffen ist Ableitung. Also eine Auseinandersetzung mit dem Copyright, dem Urheberrecht.

11. Februar 2010

Streikwelle in Griechenland

Gestern hatte die Gewerkschaft des öffentlichen Diensts ADEDY zum Streik aufgerufen. Große Demonstrationszüge zogen durch Athen und landesweit kam der Flugverkehr zum erliegen. Heute streiken die Taxifahrer. Für den 24. Februar hat der Gewerkschaftsbund GSEE zum Generalstreik aufgerufen.

3. Februar 2010

Restauranttipps für Athen

Lang schon habe ich mir vorgenommen, mich mal wieder etwas mehr in der Athener Gastronomie umzusehen, anstatt einfach immer wieder in mein geliebtes Papandreou in der Fleischhalle des Zentralen Athener Markts zu gehen, wenn ich Lust auf echte griechische Küche abseits der Touristenlokale habe. Da kam mir die Entdeckung des englischsprachigen, persönlichen Blogs der griechisch-amerikanischen Kochbuchautorin und Restaurant-Kritikerin Diane Kochilas gerade recht. Auf ihm stellt sie Gaststätten in Athen und Umgebung vor - von bodenständig, einfach bis elegant, luxuriös. Dabei kommen auch diejenigen Athenbesucher auf ihre Kosten, die - anders als ich - zur Abwechslung mal nicht griechische Hausmannskost, sondern Haute Cuisine oder internationale - beispielsweise italienische - Küche probieren wollen. Um sie nicht aus den Augen zu verlieren, habe ich die Adresse hier mal hier gleich mal verlinkt. Demnächst will ich etwas in den Tipps stöbern. Dann werde ich eine Auswahl davon auf Deutsch für diejenigen unter meinen Bloglesern weitergeben, die sich nicht durch Dianas meist recht lange und mit persönlichen Details und Anekdoten angereicherten Blogbeiträge lesen wollen.

27. Januar 2010

Reisebericht vom Inselspringen im Herbst 2009


Endlich online: Mein Reisebericht von unserer Individualreise im Herbst 2009, die uns auf die ostägäische Insel Samos und die nördlichen Dodekanen Patmos, Leros und Lipsi führte, mit vielen Tipps und Adressen. Statt in diesem Blog habe ich ihn auf meinem weiteren Blog griechenlanderleben.wordpress.com veröffentlicht, da ich ihn dort besser auf einige Seiten verteilen und in der chronologisch richtigen Reihenfolge darstellen kann. Ich finde, so laden sich die einzelnen Seiten schneller und er liest sich besser.

6. Januar 2010

6. Januar - Feiertag auch in Griechenland, aber anders als hierzulande

Ebenso wie beispielsweise für die Katholiken endet mit dem heutigen Tag auch in der griechisch-orthodoxen Religion eine Zeit besonderer Festlichkeiten und Bräuche rund ums Weihnachtsfest, die freilich verschieden sind. Dodekaimero nennen die Griechen diese nun endende 12-tägige Spanne, in der Kalikantzari genannten Kobolde Umtrieb halten, die mit einem während dieser Zeit nicht erlöschenden Feuer abgewehrt werden sollen.

In Ost wie West als „Erscheinung des Herrn (Epiphanias)“ gefeiert, wird das Fest des heutigen 6. Januar bei den Westkirchen jedoch als "Dreikönigstag" den sogenannten „drei Weisen aus dem Morgenland“ zugeordnet, während es in der Griechisch-Orthodoxen Kirche als Tag der Taufe Christi und Offenbarung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit begangen wird. Es ist als Epifania (Epiphanie) oder Theofania im Kalender zu finden und wird auch oft als Fota bezeichnet. Am Vorabend werden Häuser, Brunnen und Felder mit heiligem Wasser gesegnet. Am Feiertag selbst gibt es vielerorts Prozessionen an ein Gewässer, in das ein Priester ein Kreuz wirft. Jugendliche tauchen im eisigen Wasser danach, um es zurück zu holen und sich so Glück und Segen für das beginnende Jahr zu sichern.

11. Dezember 2009

Geschenkidee für Griechenland-Liebhaber

LinkEin Weihnachtsgeschenk, das Leib und Seele anspricht:

Ein schöner Geschenkkarton zum Schmökern und Genießen:

1 Flasche AGAthon, vollmundiger Rotwein vom Berge Athos
1 Flasche 0,5l fruchtiges, kalt gepresstes Olivenöl aus Kreta
Buch: "Griechenland erleben - Mehr als Säulen und Sonne"

Das Buch ruft Urlaubserinnerungen wach, bietet sich aber auch zur Vorbereitung und als Reisebegleiter an, der in Küche und Keller, aktuelle Musik und Literatur, Land, Lebens- und Wesensart der Hellenen einführt und umfangreiche Hilfen und Tipps an die Hand gibt.
Passend dazu geht es mit den beiden Grundnahrungsmitteln der Griechen Wein und Olivenöl, denen auch umfangreiche Kapitel im Buch gewidmet sind, an die Praxis des Genießens.
Bequem online zu bestellen beim Präsentkorbservice.

die griechische Autorin Ioanna Karystiani

Sie ist eine der Autorinnen, deren Romane sich in besonderer Weise als Einstimmung auf eine Griechenlandreise eignen und Urlaubserinnerungen wachrufen.

Ein Muß für alle Kykladenreisenden ist ihr Roman "Die Frauen von Andros".
Wer nach Kreta reist, sollte "Die Schattenhochzeit" lesen.
Ihr neuester ins Deutsche übertragene Roman "Die Augen des Meeres" spielt mehr auf See als auf dem Festland. Dennoch wird auch in diesem wie in den beiden früheren Romanen viel an griechischer Lebensart spürbar. Die Matrosen tanzen Zambekiko und hören und summen griechische Lieder von Glykeria, Moscholiou und anderen griechischen Interpreten, schätzen die gute griechische Küche ihres Kochs und träumen von griechischen Weinbergen.

1952 in Chania auf Kreta geboren, arbeitete Ioanna Karystiani nach ihrem Jurastudium in Athen als Cartoonistin und Drehbuchautorin und veröffentlichte zunächst Kurzgeschichten.

Bekannt wurde sie durch ihren ersten großen Roman "Mikra Anglia" (auf Deutsch später unter dem Titel Die Frauen von Andros erschienen). Er hielt sich monatelang auf der griechischen Bestsellerliste und erhielt 1998 den griechischen Staatspreis für Literatur. Der Roman umfasst etwa zwei Jahrzehnte vor und während des Zweiten Weltkriegs (ca. 1929 bis 1948). Im Zentrum steht das Schicksal einer Familie, das von der Enge der Kykladeninsel Andros und der Weite des Ozeans geprägt ist. Während die Männer unter den schwierigen Bedingungen der damaligen Zeit zur See fahren und viele Entbehrungen hinnehmen müssen, lasten auf den Frauen monate-, oft jahrelange Einsamkeit und die Verantwortung für die Familie. Heimatliebe und Weltoffenheit bilden Gegenpole. Gerade dadurch, dass die Männer die Heimatinsel oft über große Zeiträume nicht sehen, entwickeln sie Sehnsucht und poetisches Empfinden für sie. Frauen und Kinder wiederum träumen von fernen Ländern, von denen ihre Gatten erzählen und Geschenke mitbringen. Die Naturliebe und -verbundenheit der Romanfiguren sensibilisiert für die Schönheiten der Insel. Wenn sie die aufgehende Sonne zärtlich anreden, mit dem weißen Schnee schimpfen und den reinen, lauen Sonnenschein der Kykladen genießen, will man es ihnen gleich tun.

Schauplatz des Romans Die Schattenhochzeit ist Kreta. Auch von dieser größten Insel Griechenlands am südlichen Rand Europas malt sie ein plastisches Bild. Wieder geht es um eine Familie, wieder um zwei Gegenpole. Diesmal sind es die eines US-Amerika, in dessen Forschungs- und Wissenschaftskreisen die Hauptperson verkehrt, nachdem sie dort seit dem 15. Lebensjahr aufgewachsen ist, und eines archaisch anmutenden Kreta, auf dem die Familie noch mit dem Fluch der Blutrache zu kämpfen hat.

Allen drei bisher erschienenen Romanen der Autorin ist gemein, dass sie sich auf eindringliche, von tiefem Verständnis geprägte Art mit den Gegebenenheiten menschlichen Daseins wie Geburt, Jugend, Altern und Tod, Freude und Leid, Leidenschaft und Langeweile, Liebe und Hass beschäftigen und viel von griechischer Lebens- und Wesensart sowie einiges von den Lebensumständen, den Bräuchen und der Geschichte des Landes und seiner einzelnen Regionen durchscheinen lassen.

30. November 2009

Griechenland im Dezember - Namenstage, Kirchenfeste, Weihnacht

Weihnacht

Auch in Griechenland steht der Dezember im Zeichen des Weihnachstfests, das - anders als Ostern - in der griechisch-orthodoxen Kirche seit der Einführung des gregorianischen Kalenders zu den gleichen Terminen wie bei den Katholiken gefeiert wird. Anders als in anderen christlichen Religionen ist es jedoch nicht das größte Fest im Jahreszyklus. Weitaus bedeutender ist das Osterfest. In früheren Jahrhunderten war auch das Epifania-Fest am 6. Januar (Theofania) wichtiger als die Weihnacht.

Bräuche zum Fest

Den Weihnachtsbaum mag wohl der Bayerische Prinz Otto eingeführt haben, der ab 1832 als erster König des damals neu entstandenen Königreichs regierte. Die Angleichung und Kommerzialisierung der Bräuche unterschiedlicher Länder unserer heutigen, globalisierten Welt taten ein Übriges. So schmücken heute viele Griechen einen Weihnachtsbaum, obwohl Fichten und Tannen rar im Land sind und es ältere und für Griechenland mit mehr Sinn erfüllte Bräuche gibt, die fortbestehen und auf die man sich zunehmend rückbesinnt. Ein bedeutendes Symbol der großen Seefahrernation für das Weihnachtsfest ist das Schiff. Familien stellen zu Hause kleine Boote mit einem Licht darin auf, das während der Feiertage bis zum Epiphanie-Tag am 6. Januar brennt, und sehen darin oft einen Schrein für die Seeleute der Familie, die das Fest auf hoher See statt im Kreis der Ihren verbringen. Auch auf öffentlichen Plätzen wie in Chania auf Kreta, auf dem Aristotelis-Platz in Thessaloniki oder auf der Insel Chios stehen oft lichtergeschmückte Boote statt Weihnachtsbäumen. Mancherorts, wie beispielsweise auf Lesbos, ersetzt zuweilen ein mit vergoldeten Nüssen und Orangen geschmückter Ölbaumzweig den Nadelbaum. Bescherung in der Familie für die Kinder ist in Griechenland nicht am 24. Dezember, sondern erst am 6. Januar, dem Epifanie-Tag. Statt dessen gehen sie am 24. Dezember von Tür zu Tür und tragen - von metallenen Triangeln begleitet - sehr alte und regional unterschiedliche Gesänge, die sogenannten Kalanda vor. Zur Belohnung gibt es Weihnachtsgebäck, kleine Geschenke oder einige Münzen. Damit beginnt die dodekaimero genannte zwölftägige Weihnachtszeit. Vorausgegangen war ihr eine streng genommen 40-tägige, meist jedoch auf 3 Tage reduzierte Fastenzeit.

Kobolde

Kalikantzari heißen die rotäugigen, behaarten, nachtaktiven, boshaften Kobolde, die allerhand Unheil anrichten, beispielsweise das Herdfeuer löschen und die Milch sauer werden lassen. Um sie zu bannen, muss während der Weihnachtszeit, zu der sie ihr sonstiges Quartier unter der Erde verlassen, stets ein Feuer im Haus brennen. Dem gleichen Zweck dient eine Wasserschüssel mit einem Basilikumzweig und einem Kreuz, aus der täglich gesprenkelt wird.

Weihnachtsgebäck

Traditionelle Weihnachtsgebäcksorten sind sirupgetränkte Melomakarona und Kourambiedes genannte Butterplätzchen mit Mandeln und Puderzucker. In vielen Familien ist es auch Tradition große, kunstvoll verzierte Leibe süßen Brots, das Christopsomo, zu backen.

Namenstage weit verbreiteter Vornamen und Kirchweihfeste im Dezember

4. Dezember: Ag. Varvara

Als Eigennamen nicht allzu gebräuchlich, gibt es doch etliche Gotteshäuser dieses Namens. Der Tag der Heiligen Barbara (Agia Varvara) wird besonders in dem gleichnamigen Ort in der Präfektur Iraklio auf Kreta, in Pamfylla auf Lesbos und Louros nördlich von Preveza in der Region Epirus gefeiert

6. Dezember: Ag. Nikolaos

Der heilige Nikolaus, Ag. Nikolaos, der Bischof aus dem kleinasiatischen Myra, ist für die Griechen heiliger Schutzpatron der Seefahrt. Auf allen Inseln und an den Küsten gibt es Kirchen und Kapellen des Heiligen. Meist wacht eine im Hafen oder an dessen Ein- oder Ausfahrt über den Schiffsverkehr und der Wohlergehen der Seeleute. Nikolaos ist ein griechischer Name. Er setzt sich zusammen aus den Wörtern „Niki“ und „Laos“ und bedeutet " Sieg des Volkes". Es feiern nicht nur alle Nikolaos, Nikos und Nikoletas ihren persönlichen Namenstag, es finden auch zahlreiche Kirchweihfeste der diesem Heiligen geweihten Gotteshäuser statt, beispielsweise in Ag. Nikoláos auf Kréta, in Piräus, Alexandroupolis, Ermoupolis auf Syros, Skala Kallirachis auf Thasos und Petra auf Lesbos.

25. Dezember: Christos, Christina, Manolis

Auch ihren Namenstag feiern am ersten Weihnachtsfeiertag alle, die die Namen Christos, Christina oder Manolis tragen. Letzterer entspricht Emmanuel, hebräisch für den Namen des Messias.