17. Juli 2017

Ein makedonisches Bergdorf und Bärenreservat


Das 1386 von Vlachen gegründete Dorf Nymfeon mit seinen traditionellen Steinhäusern liegt 1350 Meter hoch auf dem Berg Vitsi inmitten einer herrlichen Natur mit Wäldern und Blumen. Eigentlich hätten wir hoch wandern wollen. Doch die Busverbindung zwischen Amyndeo und dem Ausgangspunkt Aetos lässt uns nicht genug Zeit, so dass wir uns für 13 Euro von Georgios mit seinem Taxi hochbringen lassen. Vor den Kriegen lebten hier einst 5000 Menschen und das Dorf war berühmt für seine Silber- und Goldschmiedekunst, erzählt Georgios. Heute stehen viele der schönen alten Häuser leer oder werden nur als Sommerhäuser benutzt, da ihre Besitzer das Jahr über in Thessaloniki, Athen oder gar im Ausland leben.
 Ein Pflasterweg führt zum Bärenreservat außerhalb des Dorfes. Man kann es nur mit einem Führer besuchen, der jede volle Stunde eine Tour startet, die 6 Euro pro Person kostet.
Man erfährt dabei viel über Braunbären und über die Nichtregierungsorganisation ΑΡΚΤΟΥΡΟΥ, deren Arbeit der Erhaltung der Braunbären und einer gelungenen Coexistenz von Mensch und Bär gilt. Der Führer, der wie der Taxifahrer den in Griechenland weit verbreiteteten Namen Georgios trägt, erklärt, dass es sich bei den Bären im Reservat um mehr oder weniger domestizierte handelt. Die ältesten unter ihnen sind über 30 Jahre alt, was mehr als die übliche Lebensdauer der Tiere in der freien Natur ist. Einige davon sind ehemalige, von Menschen abgerichete Tanzbären, die beschlagnahmt wurden, nachdem Abrichtung von Bären zur Volksbelustigung und die private Haltung von Bären überhaupt verboten worden ist. Weitere Exemplare stammen aus Zoos und einige sind Jungtiere, die ihre Mutter verloren haben.
Mehr zu dieser Reise:
Vorherige Stationen:
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14. Juli 2017

Pantopoleio - der griechische Tante Emma-Laden


pantopoleío (παντοπωλείο) oder manchmal auch noch in der alten Schreibweise mit einem zusätzlichen n am Ende pantopoleion ((παντοπωλείον) steht auf dem typischen griechischen Gemischtwarenladen. Pandopolío(n) spricht man das aus mit Betonung auf dem i. Je kleiner und einsamer das griechische Dorf oder die griechische Insel, in dem/der sie stehen, desto umfassender ist das Angebot dieses oft einzigen Geschäfts weit und breit.
Dieser preisgekrönte Kurzfilm nutzt das griechische pantopoleío(n) als Gleichnis für das Internet und will darüber aufklären, wovor man sich im World Wide Web in Acht nehmen sollte.
Untertitel lassen sich durch Anklicken des Bildschirm-Symbols einblenden
Ihre Sprache (z.B. Deutsch od. Griechisch) stellt man mit dem Stellrad-Symbol rechts daneben ein.

9. Juli 2017

Amyndeo an einer der Weinrouten Nordgriechenlands

Am Montag, als wir die 27 Kilometer von Florina entfernt liegende kleine Stadt besuchen, ist dort gerade Markt - ein großer Markt mit einer riesigen Auswahl an Obst, Gemüse, Oliven, Pilzen, aber auch Textilien, Schuhen, Haushaltswaren u.v.m.

Busse zwischen Florina und Amyndeo verkehren mehrmals täglich. Das Ticket kostet 4,10 Euro pro Person.
Wir nehmen den Bus um 8.30 Uhr und sehen uns kurz die Stadt und den Markt an, bevor wir um 10.45 weiter nach Aetos fahren wollen, um von dort ein Taxi nach Nymfaio zu nehmen und das Bärenreservat zu besuchen.
Amyndeo liegt in der Nähe der Seen Petres und Vegoritida in einem Weinbaugebiet, durch das auch eine der Weinrouten Nordgriechenlands führt, auf denen man zahlreiche Winzer besuchen kann. Neben der Genossenschaft von Amyndeo E.A.S, kann man beispielsweise Ktima Alpha und Vegoritis im nahen Dorf Agios Panteleimon einen Besuch abstatten.
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4. Juli 2017

Neuer Lesestoff - Let's go Hellas

Let's go Hellas ist das Motto des neues Lesestoffs, der auf mich wartet.

Let's go Hellas ist der Titel des Buchs von Georg Petras, der aus Unternehmersicht über das aktuelle Griechenland berichtet und meint: "Griechenland, jetzt erst recht!"

Hellas ist aber auch Schauplatz des zweiten Buchs, auf das ich mich als unterhaltsame Sommer- und Liegestuhllektüre freue: "Sonne, Schüsse und Souvlaki" - Kulinarische Krimis aus Griechenland garniert mit 16 Kochrezepten.

2. Juli 2017

Florina - Filmkulissenstadt ohne Ansichtskarten und Souvenirs

Die Stadt und gleichnamige Provinz, für deren Name Flora - die Göttin der Blüte - Pate stand, war die Muse des großen griechischen Filmemachers Theo Angelopoulos. Szenen für sieben seiner zwanzig Filme wurden hier gedreht. Weniger Anklang findet sie offenbar bei den Ansichtskartenmachern. Nicht eine einzige Ansichtskarte ist in ihren Läden zu finden. Dabei gäbe es zahlreiche schöne Fotomotive. Sehr pittoresk sind die schattigen Ufer des Flusses Sakoulevas, die im Zentrum von alten Häusern einer interessanten Architektur mit teils balkanischen, teils klassizistischen Merkmalen gesäumt sind. Aber auch das Rathaus von Florina, seine Kirchen, das ehemalige Diethnes Hotel, in dem heute der Kulturclub der Stadt ein völkerkundliches Museum betreibt, und vieles mehr wären sicher hübsche Ansichtskartenmotive.
Ehemaliges Diethnes-Hotel, heutiges Volkskundemuseum
 Möchte man ein Souvenir von Florina mitnehmen, so kauft man am besten eine Tüte trockene Bohnen, die als die weltbesten gelten, oder eine Flasche Wein, der auch hervorragend ist. Souvenirläden mit Nippes existieren hier ebensowenig wie Ansichtskarten. Vielleicht gerade auch deshalb hat uns die Stadt mit ihrer kleinen Markthalle, ihrem rauschenden Fluss, ihren netten Lokalen und Geschäften und dem vielen Grün rundum sehr gut gefallen. Doch obwohl man am Stadtrand auch die Ausgrabungsstätte der hellenistischen Stadt besuchen kann und die europäischen Fernwanderwege E4 und E6 die Stadt streifen, machen offenbar nur wenige Touristen hier Halt.

Florina vom Agios Panteleimonas-Hügel aus gesehen


26. Juni 2017

Mit öffentlichen Bussen in Makedonien unterwegs

Der KTEL-Busbahnhof Makedonia von der Terrasse unseres Hotels Grand Palace aus gesehen
Statt ein Auto zu mieten, waren wir diesmal mit öffentlichen Bussen der Gesellschaft KTEL Macedonia unterwegs. Ausgangspunkt war der schöne, große Busbahnhof Macedonia in Thessaloniki, der laut seiner Website täglich circa 20.000 bis 25.000 Passagiere und 800 Busverbindungen zählt und viele Bedürfnisse befriedigt - von Hunger, über Harndrang bis zum Stoßgebet. Parkplätze, Imbissstuben, Kiosks, natürlich Toiletten und - an seiner Außenwand - eine dem Heiligen Christophoros geweihte Kapelle gehören zu dem großzügigen Areal.
Die Fahrkarten für die Überlandbusse der Gesellschaft KTEL kauft man an den Schaltern, die für auch hier, jedoch außerhalb der Kuppel, startende städtische Linien am Kiosk oder (aber nur wenn man das passende Kleingeld hat) am Automaten im Bus.

Insgesamt ist das Busnetz recht gut und wir kamen verhältnismäßig bequem zu unseren meisten Zielen. Nur die Verbindung zum Prespa-See ließ zu wünschen übrig. Doch dazu später mehr.
Unsere Unterkunft in Thessaloniki für die erste Übernachtung vor dem Aufbruch zu unseren Reisezielen war das Grand Palace Hotel, da es günstig mit dem öffentlichen Bus vom Flughafen (Ticket 2 Euro) erreichbar ist und man vom Hotel zu Fuß zum Busbahnhof Makedonia gehen kann.

Mehr zu diesr Reise:
  > Florina
  > Amyndeo
  > Ein makedonisches Bergdorf und ein Bärenreservat
> Der Prespasee in der Nordwestecke Griechenlands

25. Juni 2017

Schönes Makedonien!



Fischer am Dorianisee
Nur wenige Tage verbrachten wir am Ende unserer diesjährigen Frühlingsreise nach Griechenland am Meer. Die meiste Zeit waren wir in Makedonien weitab der üblichen Touristenpfade unterwegs: In Städten wie Florina und Kilkis, von denen es noch nicht einmal eine Ansichtskarte zu kaufen gibt, und an den Seen Prespa und Doriani, an denen wir Vögel beobachteten und uns an Waller, Karpfen und anderen Süßwasserfischen satt aßen. Mehr darüber unter den Links am Ende dieses Blogbeitrags.
Pelikan auf dem Prespasee
Florina
Mehr zu dieser Reise:
  > Start mit öffentlichem Bus in Thessaloniki
  > Florina
  > Amyndeo
  > Ein makedonisches Bergdorf und ein Bärenreservat
  > Der Prespasee in der Nordwestecke Griechenlands
 

20. April 2017

Musik ist drin im Mai 2017 - griechische Musik!

Freunde griechischer Musik in Deutschland kommen im Mai 2017 auf ihre Kosten. 

Eine griechische Musikerlegende wird geehrt und kommt nach Deutschland

Ein Porträtkonzert widmen die Düsseldorfer Symphoniker in der Tonhalle Düssseldorf am 24. Mai 2017 dem großen griechischen Musiker und Widerstandshelden Mikis Theodorakis. Kernpunkt des Konzerts sind die große und kämpferische 2. Symphonie „Das Lied der Erde“, von der Theodorakis sagte, sie sei „der musikalische Ausdruck für die Tragödie der Zeit,“ sowie das Adagio aus der Symphonie Nr. 3. Das Besondere: Der 92-jährig Theodorakis plant, bei dem Konzert anwesend zu sein.

Griechische Lieder und Chansons von einem der seit Jahrzehnten beliebtesten griechischen Sänger

Auf Europatour geht im Mai 2017 der 1949 in Piräus geborene George Dalaras (wie er sich international nennt) beziehungsweise Giorgos (sprich: Jorgos) Dalaras mit seinem vor allem auf teils modern interpretierter griechischer Volksmusik und Rembetiko basierenden Repertoir. Er zählt nicht nur in Griechenland zu den beliebtesten Sängern, sondern gibt auch immer wieder Konzerte im Ausland. Nachstehend ohne Gewähr die bisher geplanten Stationen in Deutschland (via Ticketvertrieb)
BERLIN
Friedrichstadt-Palast
Mi, 10.05.2017
20:00 Uhr
NEU-ISENBURG
Hugenottenhalle
Fr, 12.05.2017
20:00 Uhr
KÖLN
E-Werk Köln
Sa, 13.05.2017
20:00 Uhr
HAMBURG
Laeiszhalle
Do, 18.05.2017
20:00 Uhr
MÜNCHEN
Philharmonie am Gasteig
Sa, 20.05.2017
20:00 Uhr
STUTTGART
Liederhalle Stuttgart
So, 21.05.2017
20:00 Uhr

Griechische Musik lustig mit internationalen Klängen verquirlt

Wer es jünger, quirliger, mit Einschlägen von Raggae, Ska und Jazz mag, dem wird vielleicht auch die griechische Band Locomondo gefallen, die ebenfalls im Mai viele deutsche Städte besucht:
10.05.17Bielefeld Forum TICKETS    fbook Event
11.05.17 Bochum Bhf. Langendreer TICKETS    fbook Event
12.05.17 Mannheim Alte Feuerwache TICKETS    fbook Event
14.05.17 Köln Die Kantine TICKETS    fbook Event
16.05.17 Wiesbaden Schlachthof TICKETS    fbook Event
17.05.17 Reutlingen Franz.K TICKETS    fbook Event
18.05.17 München Feierwerk TICKETS    fbook Event
20.05.17 Zürich Moods TICKETS    fbook Event

16. April 2017

Christos Anesti! Frohe Ostern!

Am heutigen Ostersonntag möchte ich alle meine Leser mit dem griechischen Ostergruß begrüßen
Χριστός Ανέστη! (Christós Anésti!
Christus ist auferstanden!

und ihnen
frohe Ostern 
wünschen

Weiteres zum griechischen Osterfest:

11. April 2017

Karwoche in Griechenland

Die letzte Woche der Passionszeit, die wir im Deutschen Karwoche oder Passionswoche nennen, heißt auch in der griechisch-orthodoxen Religion  Passionswoche (Evdomáda ton Pathon / Εβδομάδα των Παθών). Im allgemeinen alltäglichen Sprachgebrauch sprechen die Griechen aber von der "Großen Woche" (Μεγάλι Ευδομάδα / Μegáli evdomáda  bzw. zu einem Wort zusammen gezogen Μεγαλοβδόμαδο / Megalovdómada) und nennen die einzelnen Tage den "Großen Montag", "Großen Dienstag" etc. und folglich den Karfreitag Μεγάλη Παρασκευή / Megáli Paraskeví.
 
Die gelbe Fahne mit dem schwarzen Doppeladler vor griechischen Kirchen, die den orthodoxen Glauben symbolisiert, weht während der Karwoche auf Halbmast. Viele griechische Restaurants und Tavernen bieten in dieser Woche streng vegane Fastenspeisen an. Denn die meisten orthodoxen Gläubigen fasten zwar nicht die empfohlenen 40 Tage vor Ostern, zumindest aber während der "Großen Woche".

Jedem Wochentag der "Großen Woche" hat sein eigenes kirchliches Zeremoniell und spezielles Brauchtum.

Den Palmsonntag (Kyriaki ton Vajon) nennt man in Griechenland auch Kyriaki tou Lazarou (Sonntag des Lazaros). Der Brauch will, dass man an diesem Tag ein spezielles, lazarakia genanntes Gebäck backt, das frei von Zutaten tierischen Ursprungs sein muss und kleinen, in ein Leichentuch gewickelten Menschenkörpern gleichsieht.

Am Großen Montag gedenkt die orthodoxe Kirche der Säuberung des Tempels in Jerusalem von Händlern und Geldwechslern. Für den griechischen Laien bedeutet das Putztag. Osterputz ist angesagt.

Am Großen Dienstag geht es dann ans Weißeln. Haus- und Kirchenwände bekommen einen frischen weißen Anstrich. Gehsteige und Platten, die öffentliche Plätze pflastern werden gern mit frischen weißen Kontouren bemahlt. Alles soll in reinweißem, österlichem Glanz erstrahlen. In der Kirche wird die 859 entstandene Hymne der Kassiane (Tropario tis Kassianis) gesungen, die Geschichte einer einst sündhaften Frau, die bereute, ihr restliches Leben als Klosterschwester verbrachte und Vergebung ihrer Sünden fand.

Am Großen Mittwoch bekommen die Kirchgänger mit geweihtem Öl ein Kreuzzeichen auf die Stirn gezeichnet, um sie damit von ihren Sünden zu reinigen und auf die Osterkommunion vorzubereiten.

Am Großen Donnerstag werden in der Kirche die zwölf die Leiden Christi beschreibenden Evangelien vorgetragen. Nach dem sechsten Evangelium gehen alle Lichter im Gotteshaus aus und die Gläubigen verfolgen mit angezündeten Kerzen die Nachstellung der Kreuzigung Christi, während sie den altgriechischen Psalm"Símeron kremáte epi ksílou....." ("Heute wird er an das Holz gehängt.....") singen, worauf sie das Einschlagen von Nägeln zu hören bekommen. Danach wird das Kreuz Christi in der Kirche aufgestellt, bevor die letzten sechs Evangelien vorgetragen werden. Frauen beginnen, den Epitafios zu schmücken, wie man einen hölzernen Sarg nennt, auf den am Morgen des Karfreitag ein goldbesticktes Tuch gelegt wird, das den Leichnam Jesu mit der Heiligen Maria und Engeln darstellt.

Am Großen Freitag wird der Epitaphios in einer festlichen Prozession um die Kirche herum und durch die Straßen getragen. Trauerzügen gleichen diese Prozessionen.

Am Großen Samstag empfängt der Orthodoxe Patriarch frühmorgens in der Grabeskapelle Jesu in Jerusalem das Heilige Feuer, das nach Athen geflogen und von dort aus im Land verteilt wird, um daran bei der Verkündigung der Botschaft von Christi Auferstehung die Kerzen der Gläubigen zu entzünden. Der Ostergottesdienst beginnt gegen 23.00 h. Kurz vor Mitternacht wird es still in den Kirchen und die Lichter gehen aus, bevor der Priester im Dunkel seine Kerze entzündet und das Feuer an die Gottesdienstbesucher weiter gibt. Von dem Moment an grüßt man sich mit Christos anesti (Christus ist auferstanden) Die Antwort darauf lautet Alithos anesti ( Wahrhaftig, er ist auferstanden).

Der Ostersonntag beginnt mit dem traditionellen, griechischen österlichen Nachtmahl, der Ostersuppe „Magiritsa“ ( sprich Majiritsa ) aus Lamminnereien und Kräutern. Dann beginnt ein Tag des Feierns, Musizierens und Tanzens. Am Spieß gegrillte Lämmer und Zicklein, rote Ostereier und Tsourekia genannte Osterbrote gehören dazu.

Weitere Artikel zum Thema:

> Zu den unterschiedlichen Terminen zwischen Ost- und Westkirchen für Ostern und andere bewegliche Feiertage

21. März 2017

Poesie ist in Griechenland allgegenwärtig

Zum heutigen World Poetry Day kommt mir in den Sinn, wie allgegenwärtig Poesie in Griechenland ist. Gedichte großer griechischer Poeten wie Giánnis Rítsos, Dionýsios Solomós, Napoléon Lapathiótis und der Literaturnobelpreisträger Giórgos Seféris und Odysséas Elýtis verstauben nicht vergessen auf Bücherregalen. Aus vielen von ihnen wurden populäre Lieder, die auf den Straßen und in den Tavernen des Landes zu hören sind. Als man Seféris zu Grabe trug säumten tausende Menschen die Straßen und sangen sein  Gedicht Arnisi (Entsagung) zu der von Mikis Theodorakis dazu komponierten Melodie. Unter dem Video die ungefähre deutsche Übersetzung in Prosa. Denn leider kennt man im deutschsprachigen Raum die Melodie eher mit einem ganz anderen Text mit dem Titel "Zusammenleben", gesungen von Milva, der nichts mit dem Ursprungstext, für den Theodorakis die Melodie schrieb zu tun hat.

An dem versteckten Strand,
der weiß wie eine Taube war,
bekamen wir mittags Durst,
aber das Wasser war brackig.

Auf den goldenen Sand
schrieben wir ihren Namen.
Wie schön wehte die Brise
und die Schrift erlosch.

Wie beherzt und begeistert
voller Wünsche und Leidenschaft
begannen wir unser Leben; Fehler!
Und wir änderten das Leben.

26. Februar 2017

Oberst Ljapkin von M. Karagatsis

Geschmack gefunden am Werk des griechischen Schriftstellers M. Karagatsis hatte ich bei der Lektüre seines 1957 auf Griechisch erschienenen und erst jetzt ins Deutsche übersetzten raffinierten, komplexen Kriminal- und Gesellschaftsromans Das gelbe Dossier. Nun habe ich auch seinen ersten, 1933 in Griechenland veröffentlichten Roman Oberst Ljapkin gelesen, der ebenfalls erst seit 2016 auf Deutsch vorliegt.

Griechische Provinz der Jahre nach dem ersten Weltkrieg

Ein fein gezeichnetes Bild des kleinstädtischen und dörflichen Lebens und der Landschaften der griechischen Region Thessalien

Während sein späterer Roman "Das Gelbe Dossier" in Athen spielt, führt uns Karagatsis mit seinem 1933 im Alter von 25 Jahren geschriebenen Jugendwerk über den Oberst Ljapkin in die griechische Provinz. An einer Landwirtschaftsschule beim Dorf Philippoupoli in der Nähe der Kleinstadt Larisa fand der vor den Bolschewiken geflohene russische Aristokrat und ehemalige Großgrundbesitzer Graf David Borissitsch Ljapkin eine Anstellung. Wie eine kleine, grünende und blühende Oase liegt die Schule mit ihren angrenzenden Stallungen, Gärten und Feldern inmitten weiter, baumloser Ebenen, die an die ukrainische Steppe erinnern. Herbst war es, als Ljapkin seine Stellung antrat. Morgens und abends steigen Nebel aus dem Fluss auf, doch tagsüber scheint eine "alles in klares, strenges Licht tauchende Herbstsonne". Es folgte ein harter Winter. "Tiefdunkel" und "gleichmäßig vom Pflug durchkämmt" liegen die weiten Flächen nun vor dem in der Ferne thronende und bis zu seinen Ausläufern mit Schnee bedeckten Olymp. "Die Schar der Krähen am bleiernen Himmel und auf den trockenen Zweigen wurde größer, und das Gekrächze herzzerreißender als sonst. Die Kälte und der Hunger ließen die Vögel noch schwärzer und trauriger aussehen." Das Frühjahr färbt den dunkelbraunen Boden grün. Bald wiegt sich darauf mit Beginn des Sommers "ein goldgrünes Meer von Ähren bis zum Horizont. Aber auf die Erntezeit folgte die Trostlosigkeit. Der Südwind versengte mit seinem heißen Atem jegliche Vegetation, und die Dohlen verschlingen die letzten Frösche in den morastigen Bewässerungsgräben."

Griechische Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft

Das in der Geschichte immer wieder aufscheinende Mitgefühl und herzliche Entgegenkommen gegenüber dem Neuankömmling zeugen von der gelebten Willkommenskultur der Griechen. 

Auf viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft trifft Ljapkin in Griechenland, wo der Fünfzigjährige nach Verlust all seines Hab und Guts und seiner Stellung als ranghoher Soldat der Zarenarmee sein Leben neu beginnen musste. Der Direktor der Schule, an der er arbeitet, wird ihm zum Freund, der ein offenes Ohr und viel Verständnis für ihn hat und sich laufend dafür einsetzt, seine Situation zu verbessern. Die Frau des Direktors wird ihm später zur Ehestifterin und Trauzeugin, die tatkräftig versucht, sein Leben und das seiner bisherigen Lebensgefährtin und Mutter seiner Kinder in geordnete, eheliche Bahnen zu lenken. Gern würden die beiden ebenso wie Kollegen und die kleinstädtische Gesellschaft Ljapkin dazu bewegen, mehr aus sich herauszugehen und sich in ihre Gemeinschaft zu integrieren. Immer wieder machen sie entsprechende Vorstöße. Verständnisvoll begegnen sie seinem Anderssein, ja selbst seinem zunehmenden Alkoholismus. Damit beschreibt der Roman das typische, offene, gast- und fremdenfreundliche Verhalten der Griechen, das zu allen Zeiten zu spüren war und ist - Von der schweren Zeit, zu der der Roman spielt bis in unsere Tage, die auch wieder fürwahr nicht einfach sind für Griechenland. Das verleiht dem Roman Aktualität. Die 1920-er Jahre in Griechenland waren eine unruhige, von Militärputschs geprägte Zeit. Vor allem aber galt es damals beileibe nicht nur die vergleichsweise geringe Zahl an russischen Flüchtlingen zu integrieren, denen sich der Roman widmet, sondern weit mehr aus Kleinasien Vertriebene, so dass Ende der 1920er Jahre der Flüchtlingsanteil in Griechenland ein Viertel der Bevölkerung ausmachte. Angesichts heutiger Flüchtlingsströme und der erneuten großen Hilfsbereitschaft und Offenheit der ja auch selbst schwer unter Entbehrungen durch Krise und Sparpolitik leidenden Griechen in unseren Tagen eine schöne Kontinuität!

Osteuropäische Mentalität

Von Heimweh geplagte russische Seele trifft auf die griechische 

Sehr zögerlich war Ljapkin, wenn es darum ging, am gesellschaftlichen Leben der Schule und der Stadt Larissa teilzunehmen. Die Einladung der Frau Direktor zu einer Silvesterfeier konnte er indes nicht ausschlagen. Der Abend verlief sehr angenehm und Ljapkin verstand es, sich mit der Leichtigkeit des geborenen Adeligen in die weltmännische Umgebung einzufügen. Er trank viel, redete viel, war guter Laune, machte den Damen reizende Komplimente, tanzte mit ihnen und erntete viele Beachtung und Bewunderung. Und dann zu vorgerückter Stunde holte er seine Balalaika und begann zu spielen und zu singen. "Die Griechen mit ihrem klaren und rationalisierten Seelenleben, dem Gefühl für das Maß in Freude und Trauer, hörten diesen für sie neuartigen Harmonien mit beklommenem Herzen zu. Eine unbekannte Welt tauchte vor ihren Augen auf" .... "Die Stimme eines menschlichen Volkes, so menschlich, dass es ans Unmenschliche reicht, mit einem Seelenleben, das so überbordet, dass es bisweilen sogar das seelische Minimum neutralisiert; die Stimme eines Volkes, das seine Stärken und Schwächen kennt, eine Stimme, die ein Mal in den Herzen der schlauen Mittelmeerbewohner hinterließ." Ljapkins Mund zittert, seine Stimme droht zu versagen, "aber er singt seinen Schmerz hinaus mit der Beharrlichkeit einer unbesiegten Seele und eines besiegten Willens. Es ist sein eigenes Drama, das er besingt. Wann wird er seine Heimat wiedersehen? Wann? "

Fazit

Sehr unterschiedlich sind die beiden nun auf Deutsch vorliegenden Werke von Karagatsis, bei denen es sich einerseits um sein Debüt und andererseits sein drei Jahre vor seinem Tod erschienenes, vorletztes fertiggestelltes Werk handelt.

Das Frühwerk Oberst Ljapkin wird vor allem all jene ansprechen und befriedigen, die sich angesichts der wenigen ins Deutsche übertragenen griechischen Romane erhoffen, bei der Lektüre in griechische Orte, Epochen, Denk- und Empfindungsweisen einzutauchen. Dies gelingt mit diesem Roman vortrefflich.

Karagatsis komplexeres, spannenderes und moderner wirkendes Spätwerk "Das gelbe Dossier" ist ein Stück Weltliteratur, an dem wohl jeder Literaturfreund seine helle Freude haben wird. Nur, wer in aller erster Linie darauf aus ist, möglichst viel über die griechischen Handlungsorte und -zeiträume zu erfahren, mag etwas enttäuscht werden und ist beim "Oberst Ljapkin" besser aufgehoben. Denn so plastisch wie in diesem Frühwerk des Autors Landschaften und kleinstädtisches und dörfliches Leben Thessaliens, zeichnen sich in seinem ausgereiften Spätwerk "Das gelbe Dossier" dessen Handlungsort Athen mit seinen Bewohnern nicht ab, weil es großenteils in geschlossenen Räumen und einem geschlossenen Kreis von Protagonisten spielt.
Mich als Griechenlandfan begeistern an dem Roman Oberst Ljapkin vor allem seine stimmungsvolle Beschreibung der griechischen Handlungsorte und seine treffenden Studien der Gesellschaft und einzelner Charaktäre. Reizvoll finde ich auch die Auslotung der seelischen Auswirkungen des Heimatsverlusts und des Aufeinandertreffens zweiter Mentalitäten und Kulturen, die wir Westler leicht versucht sind, in einen osteuropäischen Topf zu schmeißen. Ein erbauliches und erhellendes Werk!