24. Dezember 2015

Frohe Feiertage!

Kala Christoujenna!  (Frohe Weihnachten!)  möchte ich allen Blogbesuchern mit einem traditionellen  griechischen Weihnachtslied wünschen. Begleitet wird der Gesang von typischen Szenen der griechischen Weihnachtszeit.

In Griechenland ziehen zur Weihnacht Kinder von Tür zu Tür, klopfen an und  fragen "Na ta pume?" ("Sollen wir sie vortragen?) . Gemeint sind Kalanda genannte Lieder wie dieses hier. Für ihren Vortrag bekommen die Musikanten und Sänger gewöhnlich ein kleines Geschenk wie Süßigkeit oder etwa Geld.

21. Dezember 2015

Zwei Arten Weihnachtslieder in Griechenland

So wie es zwei Arten von Weihnachtsschmuck in Griechenland gibt - den Weihnachtsbaum und das traditionsreicherer Weihnachtsboot, so gibt es auch zwei Arten von Liedern: Westliche und traditionelle, die je nach Festtag (Weihnacht, Neujahr und Epiphanie) und Gegend variierten.

Beliebt ist in Griechenland die Kindergruppe Zouzounia (Sprich Susunia mit weichem s und Betonung auf dem zweiten u) . Hier singt sie zur westlichen, an das Lied Jingle Bells angelehnten, Melodie einen griechischen Text, der von trigona (= Triangeln) und kalanda (= traditionelle Lieder für die Weihnachtszeit zwischen Heiligabend und Epiphanie am 6. Januar) erzählt. Denn mit solchen Triangeln ziehen an den Festtagen die Kinder in Griechenland von Haus zu Haus, um die kalanda genannten Lieder vorzutragen und dafür ein kleines (Geld-)geschenk zu bekommen. Weitere Artikel zum Weihnachtsfest in Griechenland:
< Weihnachten in Griechenland
< Kalanda  - traditionelle griechische Lieder zu Festen wie Weihnachten und Neujahr

13. Dezember 2015

#Kastanas - griechischer Twittertrend zu Polizeiaktionen, Politik ... und Kastanienverkäufern

Seit gestern macht ein neuer Twittertrend Furore unter griechischen Twitterern: #Kastanas.


Kastanas heißt auf Griechisch der Kastanienverkäufer. Um diese Jahreszeit ist er nicht wegzudenken vom griechischen Stadtbild. Für kleines Geld bietet er auf Straßen und Plätzen ein Tütchen wohlschmeckender Esskastanien feil, an dem man sich die Fänger wärmen kann, bevor man sich an den duftenden und schmackhaften frisch gerösteten Kastanien labt.
"Ich habe mich entschlossen, als Gesetzloser zu leben, als Herumtreiber und Staatsgefährder. Ich werde Kastanien verkaufen #kastanas" 
heißt es da zum Beispiel.

 oder aber:
 "Kastanienverkäufer ergebt Euch! Ihr seid umzingelt!" 
"Er wird wohl auf der Lagarde-Liste gewesen sein, anders ist es nicht zu erklären."
kommentiert Twitterer Panos den von ihm weitergeleiteten Tweet von i-Kouk,
der zu berichten weiß, "13 Polizisten, 2 Polizeiwagen ... für einen Kastanienverkäufer. Wahrscheinlich war es der verkleidete Dr. Doom." und auch gleich ein Bild vom massiven Polizeieinsatz liefert.

Hintergrund:

Mit großem Polizeiaufgebot war ein alter Kastanienverkäufer auf dem zentralen Aristotelesplatz in Thessaloniki dingfest gemacht worden, den man dabei beobachtet hatte, dass er für die Tütchen gerösteter Kastanien, die er verkaufte, keine Quittung ausgestellt hat, ähnlich wie es auch schon armen alten Frauen ergangen sein soll, die Kräuterbündchen oder ein wenig Gemüse aus ihrem Garten auf der Straße feilboten, so dass die Polizei ausrücken musste. Steuerhinterziehung! Ein Teil der Twittergemeinde macht sich darüber lustig, wie ein Polizeiaufgebot, das eher eines Terroranschlags als eines armen, alten Straßenhändlers würdig wäre, sich auf einen Kastanienverkäufer stürzt, während ein anderer sich ordentlich erbost und auf die Regierungspartei SYRIZA und ihren Chef Tsipras losgeht, die nichts Wichtigeres zu tun haben, als die Ärmsten der Armen in noch weitere Bedrängnis zu bringen und schließlich heißt es natürlich "Jesuis #kastanas"

Quelle: Griechischsprachige Website Arouraios (= Ratte )



1. Dezember 2015

"Generalstreik" am 3. Dezember 2015

- aktualisiert am 02.12.2015 -

Eine Streikwelle bahnt sich diesen Herbst in Griechenland an.
Gerade mal drei Wochen nach dem letzten Generalstreik haben die zwei großen Gewerkschaftsdachverbände ADEDY (des öffentl. Dienstes) und GSEE (der in der Privatwirtschaft Beschäftigten) für Donnerstag, den 3. Dezember, zu einem neuen Streik aufgerufen.
Und wieder wollen sich viele Einzelgewerkschaften anschließen.

Auch Beschäftigte der Kommunen und des öffentlichen Verkehrs und Ärzte der öffentlichen Krankenhäuser wollen am Streik teilnehmen.

Ganztags sollen keine Fähren, Schiffe und Bahn verkehren. I

Im Athener Nahverkehr sollen Metro, Busse, Trolleys und Tram zwar zweischen 9 und 21 Uhr fahren, jedoch davor und danach in den Ausstand treten. Die Vorortbahn, der Proastiakos, hingegen fällt so wie die griechische Bahn 24 Stunden aus. Das bedeutet jedoch, dass auch der Internationale Flughafen von Athen nicht durchgehend mit der U-Bahn erreichbar ist. Denn die Teilstrecke  zwischen der Station Douk. Plakentias und dem Flughafen wird vom Proastiakos bedient bzw. am 3.12. wegen Streik ganztags NICHT bedient.

Schließlich ist auch der Flugverkehr betroffen. Als bislang letzte hat die Gewerkschaft ΟΣΥΠΑ mitgeteilt, dass auch sie sich zwischen 12 und 16 Uhr am Streik beteiligt. Das bedeutet Verschiebungen und Ausfälle bei innergriechischen Flügen. Falls nicht auch noch die Gewerkschaft EEEKE der Fluglotsen sich entscheidet, in den Ausstand zu treten, sollten internationale Flüge jedoch nicht davon betroffen sein.

Weitere Artikel zum Thema:
> Griechische Gewerkschaften und deren Streikaufrufe
> Metro von Athen und deren Verhalten bei Streiks 

30. November 2015

Tyropita über alles! ...

... und (fast) alles für eine tyropita. 

Witziger aktueller Twittersturm

Pita ist definitiv eine der weit  verbreitetsten griechischen Spezialitäten. Der Varientenreichtum ist unendlich. Tyropita, die Käsepita, ist die beliebteste. Doch auch die gibt es in allen erdenklichen Formen: Klassisch als käsegefüllte Blätterteigtasche, doch auch im Ganzen vom Blech, als Schnecke, als Törtchen u.v.m.

Da sie nicht nur von Hausfrauen und Tavernen, sondern vor allem auch von Bäckern und Imbissbuden für wenig Geld angeboten wird, gilt sie als schnelles, preiswertes Essen schlechthin.

Wenn ich in Griechenland unterwegs bin, schätze ich diesen Snack vor allem als bequemenes Frühstück vom Bäcker. Inzwischen haben manche Bäckereien sogar eine Espressomaschine, so dass man dazu einen Cappuchino trinken kann. Ein schnelles, sättigendes und billiges Frühstück.

Doch heute rede ich aus aktuellem Anlass über Tyropita. Denn gerade hat sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Furore gemacht. Jede Menge witziger Ideen und Kommentare hat ein Artikel der Times über eine Studie losgetreten, die zu dem Ergebnis kam, dass es griechische Studentinnen gibt, die sich für etwas zum Essen verkaufen. Na ja, und was ist eine klassische, beliebte und billige Mahlzeit: Eben die Tyropita. Darum lautete der Hashtag für diesen Twittersturm #tyropita.
Unter diesem Kennwort wurden (und werden z.T. noch) Überlegungen, Rezepte, Fotos uvm. gepostet, z.B:
"Wenn ich mir #tyropita mit meinem eigenen Geld kaufe, gilt das als Selbstbefriedigung?"
"Wie soll ich mich jetzt morgen verhalten, wenn ich beim Bäcker eine #tyropita verlange?"
Natürlich kann man in diesem Licht unter dem Hashtag #tyropita auch zu verstehen geben, dass sich jemand (z.B. ein Politiker) verkauft, wenn man einfach sagt, er esse #tyropita.
Dem Einfallsreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Und einfallsreich sind sie, die Griechen. Und Galgenhumor hilft über schwere Krisenzeiten hinweg.

> weitere Tyropitas und andere griechische Backwaren

29. November 2015

Neuer Lesestoff: Arkas


Natürlich habe ich auch von meiner diesjährigen Herbstreise nach Griechenland wieder einige Comicbände von Arkas mitgebracht. Neben Kieseln vom Strand, Masticha und Bergtee gehören sie zu meinen üblichen Souvenirs. Denn ich liebe die witzigen Anekdoten des mysteriösen Humoristen Arkas. Und seine knappen Dialoge in schlichter Alltagssprache halten meine nicht allzuguten Griechischkenntnisse zwischen zwei Griechenlandaufenthalten wach. Sprachlich sind die Anekdoten auch mit bescheidenen Griechischkenntnissen gut zu verstehen. Den typisch griechischen Witz zu verstehen ist hingegen nicht immer einfach. Und zu übersetzen sind sie auch oft nur schwer. Denn oft spielt Arkás mit der griechischen Sprache. Beispielsweise wenn einer seiner Charaktäre sagt: Μ'ΑΡΕΣΕΙ ΝΑ ΜΙΛΑΩ ΠΡΟΣΤΥΧΑ ΣΤΟ ΚΡΕΒΑΤΙ! .. ΣΙΜΕΡΑ ΤΟ ΠΡΩΙ ΤΟ ΕΙΠΑ "ΚΩΛΟΚΡΕΒΑΤΟ" ΚΑΙ "ΣΚΑΤΟΕΠΙΠΛΟ" (Hier nutzt er aus, dass ΣΤΟ (STO) im Griechischen sowohl IM als auch ZUM bedeuten kann, im Deutschen macht es hingegen einen Unterschied, ob man  Obszönitäten im oder zum Bett sagt)
 So erscheinen die neueren Werke des Comicautors leider auch nicht auf Deutsch. Ältere deutsche Übersetzungen, wie beispielsweise Herrmann der Hahn sind nur noch im Antiquariat erhältlich, was natürlich schade ist.
 Der Comickünstler Arkás ist ein Mysterium. Denn Arkás ist nur ein Pseudonym. Nie tritt der Künstler an die Öffentlichkeit. In Griechenland sind seine Comics sehr beliebt und in momentanen Krisenzeiten ist ihr Konsum wohl auch ein Teil Krisenbewältigung, denn sie vermögen selbst den widrigsten Umständen noch etwas lächerliches abzugewinnen. Und wenn es da heißt „Die Quallen haben 650 Millionen Jahre ohne Gehirn überlebt. Was veranlasst euch eigentlich zu glauben, dass unser Land keine Zukunft hat?“, so gibt das doch wohl selbst jenen, die über die gegenwärtige griechische und europäische Politik nur den Kopf schütteln können, noch Anlass zu Optimismus, oder?

25. November 2015

Chronia polla, Katerina! - Hier noch ein Lied zum Namenstag

Sehr zahlreich sind die griechischen Lieder, in denen irgendeine Katerina, eine Rina oder ein Katerinaki (=Koseform von Katerina) eine Rolle spielt. Nachdem ich hier gestern bereits eines davon vorgestellt haben, nun ein weiteres anlässlich des heutigen Namenstags. Auch wer eine Katína, Nina, Keti, Katia oder Rina kennt, sollte ihr heute "Chrónia pollá!" sagen - den typischen griechischen Glückwunsch zum Namenstag, der in etwas "Viele Jahre!" bedeutet. Denn all diese Kurzformen leiten sich von Katerina ab.

24. November 2015

Katerina - zum Namenstag am 25. November

Am 25. November feiert auch die griechisch orthodoxe Kirche das Fest der heiligen Katherina. Und alle Frauen, die Katerina oder Ekaterina heißen, haben Namenstag. Gerufen werden sie oft Katerináki Katína, Nina, Kaiti, Katia oder Rina. Da der Name Katerina so weit verbreitet ist, kommt er auch in vielen griechischen Liedern vor. Eines davon hier als Namenstagsständchen für alle, die Katerina heißen:

29. Oktober 2015

Marathon auf Originalstrecke von Marathon nach Athen

Marathonläufe gibt es vielerorts, „DEN MARATHON“ aber nur in Griechenland

 Auch in Berlin, London oder New York kann man im sportlichen Wettkampf Strecken von  knapp über 40 Kilometern laufen. „DEN MARATHON“, die Mutter aller Marathons, hingegen kann man nur Griechenland laufen. Jeden Herbst findet der Athener Klassische Marathon vom namensgebenden historischen Ort Marathon in die Stadt Athen statt.

Auf der klassischen Strecke kann sich der Läufer beim Absolvieren seiner  42,195 Kilometer ganz als hemerodromos  fühlen, als antiker Botenläufer, wie einst Pheidippides, der im Jahr 490 v.Chr. die Botschaft vom Sieg über die Perser in der Schlacht von Marathon nach Athen trug. Nur dass diese Strecke für Pheidippides der Überlieferung nach nur ein Abschnitt seines insgesamt 400 Kilometer langen Laufs war, an dessen Ende er mit den Worten „Freut Euch, wir haben gesiegt“ den archonten (höchsten Staatsbeamten) die ihm aufgetragene Kunde überbrachte, bevor er tot zusammenbrach. Eindeutig geschichtlich belegt sind weder Name noch Leistung des Peidippides. Überlieferungen von Zeitzeugen fehlen. Auch der im Jahr der Ereignisse geborene Herodot berichtet nichts davon. Tatsache ist nur, dass irgendwer 490 v. Chr. die Strecke von Marathon nach Athen lief, um vom Sieg über die Perser zu künden. Und so hielt sich die Bezeichnung Marathon für Läufe über eine vergleichbare Distanz bis heute. Mutter all dieser sportlichen Veranstaltungen bleibt die klassische Route in Griechenland.

26. Oktober 2015

Herbstreise nach Korfu und auf die diapontischen Inseln


Kürzlich bin ich von einer wunderschönen Herbstreise in die nordwestliche Ecke Griechenlands zurückgekehrt. Von Korfu aus habe ich mit meinem Mann die drei Inselwinzlinge Othoni, Errikousa und Mathraki besucht, die zusammen die Inselgruppe der Diapontischen Inseln bilden und - vor allem um diese Jahreszeit außerhalb der Touristensaison - sehr ruhig und einsam sind. Stundenlange Spaziergänge ohne einen Menschen zu treffen, einsame Buchten und lange Sandstrände ganz für uns allein! Schön war's! Auch das Wetter! Das Meer richtig schön warm und alle Tage sonnig und warm bis heiß. Soweit nordwestlich in Griechenland hatte ich letzteres gar nicht zu hoffen gewagt. Auf den ionischen Inseln waren wir schon länger nicht mehr. Statt dessen zieht es uns normalerweise im Herbst weiter nach Süden - auf die Kykladen- oder Dodekanesinseln, die uns immer wieder bis weit in den Oktober hinein mit schönem Wetter verwöhnen.

Sobald ich den Kälteschock und Arbeitsstau beim Zurückkommen überwunden habe, mehr von der diesjährigen Herbstreise ins ionische Meer auf meinem Griechenland-Reiseblog.

16. August 2015

Neue CD des Griechenlandfreunds Konstantin Wecker

Nicht nur weil mir seine Musik gefällt und diese Doppel-CD ein regelrechtes, limitiertes Gesamtkunstwerk ist, möchte ich Konstantin Weckers neues Album Ohne Warumhier empfehlen. Denn allein dadurch hätte es sich nicht so recht für einen Griechenlandblog qualifiziert. Es ist Konstantin Weckers stimm- und tatkräftiges Engagement für das Griechenland der Krise und vor allem dessen Menschen, das mich bewog, sein neues Werk allen Bloglesern wärmstens zu empfehlen.

29. Juli 2015

Mikis Theodorakis wird 90

Am 29. Juli 2015 wird Mikis Theodorakis 90 Jahre alt. Die Welt kennt ihn als großen Komponisten. Seinen Sirtaki, den Alexis Sorbas einst im Film tanzte und der heute für Stimmung auf "griechischen Abenden" im Urlaub ebenso wie  im Bierzelt daheim sorgt, kennt nahezu ein Jeder. Doch geht sein Werk, das Sinfonien, Oratorien, Bühnenmusik u.v.m. umfasst, weit über dergleichen Welthits hinaus.

Und in seiner Heimat Griechenland ist Mikis Theodorakis weit mehr als "nur" ein großer Künstler. Er ist ein Volksheld. Denn seine Biographie und sein Werk bilden eine Einheit und sind untrennbar mit der griechischen Geschichte seiner Zeit verbunden, in der er nicht nur als Musiker, sondern auch als Widerstandskämpfer und Politiker eine bedeutende Rolle spielte. Darüber schrieb ich einen Artikel, der am 29.7.2015 in der Augsburger Allgemeinen Zeitung erscheint. Hier im Video sein erstes Konzert nach dem Ende der Militärdiktatur, die in Griechenland von 1967 bis 1974 herrschte. Es wurde zu einer Feier der Rückkehr zur Demokratie